Die anhaltende Trockenheit und Hitze haben den deutschen Landwirten in diesem Sommer spürbar zugesetzt. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands wird bei Getreide nur noch mit 41,9 Millionen Tonnen gerechnet – das wären rund sieben Prozent weniger als im Vorjahr und insgesamt ein unterdurchschnittliches Ergebnis.
Dabei fällt die Lage regional sehr unterschiedlich aus. Vor allem in Süd- und Westdeutschland sorgte fehlender Regen teils für schwache Erträge, in einzelnen Kulturen sogar für Missernten. Bauernpräsident Joachim Rukwied verwies auf ein zu trockenes Frühjahr und eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte. Der jeweilige Standort habe in diesem Jahr stärker als sonst über den Ernteerfolg entschieden.
Einbußen gibt es dem Verband zufolge unter anderem bei Winterweizen und Winterraps, wobei beim Raps zusätzlich Schädlingsbefall belastete. Bei Kartoffeln zeichnet sich demnach ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ergebnis ab. Regional gibt es außerdem Probleme bei Gras und Silomais, die als Tierfutter wichtig sind.
Angesichts der teils schwachen Ernten hat Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) den Landwirten Unterstützung in Aussicht gestellt. Voraussetzung seien jedoch verlässliche Zahlen, sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Ohne belastbare Daten lasse sich Hilfe kaum sinnvoll organisieren.
Zugleich betonte Rainer, dass die Höfe nicht allein gelassen würden. Die Folgen der Dürre würden genau beobachtet, und man wolle möglichst schnell gezielte Hilfen auf den Weg bringen. Bereits angelaufen ist über die Landwirtschaftliche Rentenbank ein Sofortprogramm im Umfang von 200 Millionen Euro. Nach Einschätzung des Ministers dürfte das aber nicht ausreichen.
Auch der Bauernverband drängt nun auf schnelle Finanzhilfen des Bundes. Viele Betriebe seien finanziell stark unter Druck. Rukwied verwies darauf, dass die Höfe aktuell Saatgut und Diesel benötigten, später dann Dünger und Pflanzenschutzmittel. Fehle die nötige Liquidität, sei selbst die Finanzierung der nächsten Ernte gefährdet.
Mit Blick auf mögliche Preissteigerungen bei Brot und Fleisch zeigte sich Rainer zunächst zurückhaltend. Er rechne nicht damit, dass Lebensmittel sofort teurer würden. Die Preise hingen von vielen Faktoren ab, darunter Lieferketten, Transportkosten und Produktionsbedingungen.
Rainer will Landwirtschaft im Hitzeplan berücksichtigen
Zum von der SPD angeregten Hitzeaktionsplan erklärte Rainer, dass die Landwirtschaft dabei unbedingt einbezogen werden müsse. Sie sei von den Folgen der Dürre besonders stark betroffen. Die Betriebe würden täglich hochwertige Lebensmittel erzeugen, deshalb dürfe ihre Lage in solchen Konzepten nicht ausgeblendet werden.
Ob Klimaanpassung und Naturschutz, wie von der SPD gefordert, als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankert werden sollten, ließ Rainer offen. Er verwies auf die kommende Kabinettsklausur, bei der das Thema ausführlich beraten werden könne.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber