Wirtschaft

Wohnungsbau überrascht – stärkstes Halbjahr seit 2016

Baugenehmigungen steigen kräftig – doch warum warnt die Branche weiter? Weshalb Deutschlands Wohnungsbau noch hinterherhinkt.

18.08.2026, 09:12 Uhr

Der Wohnungsbau in Deutschland zeigt weiter Zeichen der Erholung. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag die Zahl der Genehmigungen für Neubauten und Wohnungsumbauten auch im Juni erneut deutlich über dem Wert des Vorjahresmonats.

Für das gesamte erste Halbjahr wurden 126.300 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Zuwachs von 15,1 Prozent und ist der kräftigste Anstieg in einem ersten Halbjahr seit 2016. Allerdings fällt der Vergleich auch deshalb so deutlich aus, weil der entsprechende Vorjahreszeitraum besonders schwach war. Den höchsten Wert in der Statistik für die Monate Januar bis Juni gab es im ersten Halbjahr 2021 mit knapp 190.000 genehmigten Wohnungen.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie mahnt dennoch zur Vorsicht. Trotz des Aufwärtstrends liege das Niveau der Genehmigungen weiterhin etwa auf dem Stand des ersten Halbjahres 2011. Auch bei den Auftragseingängen bleibe die Lage unsicher, was darauf hindeute, dass noch immer zu wenig gebaut werde.

Neubauten machen den Großteil aus

Im Juni genehmigten die Behörden 21.600 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden. Das waren 13,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Über 80 Prozent davon entfallen auf Wohnungen, die in neu errichteten Gebäuden entstehen sollen.

Auch im ersten Halbjahr dominierten Neubauten klar. Von den genehmigten Einheiten entfielen 103.100 Wohnungen auf neue Gebäude. Darunter waren:

  • 24.000 Einfamilienhäuser (plus 12,7 Prozent)
  • 7.700 Zweifamilienhäuser (plus 27,3 Prozent)
  • 67.000 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (plus 16,9 Prozent)
  • 4.400 Wohnungen in Wohnheimen (plus 0,9 Prozent)

Reicht der "Bau-Turbo" aus?

Experten gehen davon aus, dass in Deutschland rund eine Million Wohnungen fehlen. Besonders in Großstädten und Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Gleichzeitig wurden im vergangenen Jahr mit 206.600 fertiggestellten Wohnungen so wenige Einheiten abgeschlossen wie seit 2012 nicht mehr. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einem Rückgang von 18 Prozent.

Bauministerin Hubertz
Bauministerin Hubertz will den Wohnungsbau beschleunigen. (Archivbild) Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Die Bundesregierung versucht gegenzusteuern. Mit einem sogenannten "Bau-Turbo" sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Außerdem wurden Förderprogramme für energieeffizientes Bauen wieder aufgenommen.

Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) sieht erste Fortschritte. Der "Bau-Turbo" beginne zu wirken, erklärte sie. Zugleich machte sie deutlich, dass der Ausgangspunkt niedrig sei und Deutschland beim Wohnungsbau noch längst nicht dort angekommen sei, wo es nötig wäre.

Niedrigwasser könnte Bau verteuern

Der Anstieg der Baugenehmigungen gilt grundsätzlich als positives Signal, denn ohne Genehmigung kann später nicht gebaut werden. Allerdings drohen neue Belastungen für die Branche: Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein und anderen Flüssen könnte die Baukosten erhöhen.

Weil Frachtschiffe bei niedrigem Wasserstand deutlich weniger Ladung transportieren können, geraten Lieferketten unter Druck. Das kann zu Verzögerungen auf Baustellen führen und die ohnehin hohen Preise für Baumaterial weiter steigen lassen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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