Rekord bei Firmenaufgaben in Deutschland
In Deutschland haben im vergangenen Jahr 187.744 Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit beendet – so viele wie seit beinahe zwei Jahrzehnten nicht mehr. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von fast zehn Prozent, wie aus einer gemeinsamen Auswertung von Creditreform und dem ZEW Mannheim hervorgeht.
Die Daten für die Vorjahre wurden auf einer erweiterten Grundlage neu berechnet. Noch höhere Werte gab es zuletzt 2007 mit knapp 208.000 Schließungen. Für 2025 war es bereits der zweite Anstieg in Folge.
Creditreform-Chefvolkswirt Patrik-Ludwig Hantzsch sieht darin ein deutliches Warnsignal: Die wirtschaftlichen Belastungen hätten inzwischen nahezu alle Branchen erfasst. Anders als früher würden inzwischen auch Unternehmen aufgeben, die eigentlich als solide gelten.
Besonders viele Schließungen in Hotels und Restaurants
In fast allen Wirtschaftszweigen nahm die Zahl der Geschäftsaufgaben binnen eines Jahres zu. Besonders stark betroffen war das Gastgewerbe: Rund 15.000 Restaurants, Gaststätten und Beherbergungsbetriebe schlossen 2025 ihre Türen – ein Plus von 15 Prozent gegenüber 2024.
Laut Analyse konnte auch der niedrigere Mehrwertsteuersatz, den die Bundesregierung zur Entlastung der Branche eingeführt hatte, die schwierige Lage nicht entscheidend verbessern. Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der deutschen Gastronomie für Speisen wieder ein ermäßigter Satz von 7 Prozent.
Auch Arztpraxen geben vermehrt auf
Im Gesundheitswesen setzte sich der seit Jahren erkennbare Negativtrend fort. Mit knapp 11.000 Schließungen lag die Zahl in diesem Bereich inzwischen etwa doppelt so hoch wie noch 2008.

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Arztpraxen: Fast 5.500 Praxen machten im vergangenen Jahr dicht – rund 23 Prozent mehr als 2024. Ein häufiger Grund ist, dass Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen und keine Nachfolge für ihre Praxis finden.
Industrie ebenfalls unter Druck
Auch die Industrie blieb nicht verschont. Dort stellten etwa 11.000 Betriebe den Betrieb ein, was einem Zuwachs von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Hantzsch hatte zuletzt angesichts steigender Insolvenzzahlen von einer wirtschaftlichen „Krisenzange“ gesprochen. Diese belaste Deutschland gleich doppelt: zum einen durch internationale Konflikte wie den Krieg mit Iran oder US-Zölle, zum anderen durch hohe Energiepreise und einen hohen bürokratischen Aufwand im Inland.
Viele Schließungen ohne Insolvenz
Nach Angaben der ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk standen allerdings nur 13 Prozent der knapp 190.000 erfassten Unternehmensaufgaben im Zusammenhang mit einem Insolvenzverfahren. Der überwiegende Teil erfolge still und ohne größeres öffentliches Aufsehen.
Ein immer wichtigerer Auslöser sei zudem das Alter der Inhaber. Viele Unternehmer gingen in Rente, ohne jemanden zu finden, der den Betrieb weiterführt. Inzwischen gehe fast ein Drittel aller freiwilligen Geschäftsaufgaben auf fehlende Nachfolger aus Altersgründen zurück – deutlich mehr als noch vor zehn oder 15 Jahren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber