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KI-Trick gegen Erderwärmung: Kondensstreifen weg

Kann KI das Fliegen plötzlich viel grüner machen? Google startet mit «Operation Blue Skies» einen brisanten Test gegen Kondensstreifen.

18.08.2026, 11:00 Uhr

Großversuch über dem Atlantik: Großbritannien testet klimafreundlichere Flugrouten

Ein Bündnis aus britischer Regierung, renommierten Forschungspartnern und Google startet ein international neuartiges Pilotprojekt für emissionsärmeres Fliegen. Unter dem Titel „Operation Blue Skies“ soll im regulären Luftverkehr über dem Nordatlantik erprobt werden, wie sich besonders klimaschädliche Kondensstreifen gezielt vermeiden lassen.

Warum Kondensstreifen das Klima belasten

Kondensstreifen entstehen, wenn der heiße Wasserdampf aus Flugzeugtriebwerken in großer Höhe auf kalte und feuchte Luft trifft und an Rußpartikeln gefriert. Ein Teil dieser Spuren verschwindet schnell wieder. Andere halten sich jedoch über längere Zeit und entwickeln sich zu dünnen Schleierwolken, die Wärme in der Atmosphäre festhalten. Nach Einschätzungen von Fachleuten geht rund ein Drittel der gesamten Klimabelastung durch den Luftverkehr auf diesen Effekt zurück.

Kleine Höhenänderungen mit großer Wirkung

Aus Sicht der Forschung zählt die Vermeidung solcher Kondensstreifen zu den schnell umsetzbaren und vergleichsweise günstigen Maßnahmen im Klimaschutz. Der Grund: Die atmosphärischen Zonen, in denen langlebige Kondensstreifen entstehen, sind meist nur schmal. Deshalb sind keine großen Ausweichrouten nötig. Oft genügt es, die Flughöhe um wenige hundert Meter nach oben oder unten anzupassen, um diese Bereiche zu umgehen.

KI soll kritische Luftschichten vorhersagen

Eine zentrale Rolle übernimmt dabei Künstliche Intelligenz. Google entwickelt Modelle, die auf umfangreichen Wetter-, Flug- und Atmosphärendaten basieren. Ziel ist es, möglichst genau vorherzusagen, in welchen Höhen und auf welchen Streckenabschnitten sich Kondensstreifen bilden könnten. Auf dieser Grundlage sollen Fluglotsen nur jene Maschinen leicht umdirigieren, bei denen eine kleine Höhenanpassung einen spürbaren Nutzen für das Klima bringt.

Zusätzlich werden KI-Systeme im Nachgang Satellitenbilder des Atlantiks auswerten. So soll überprüft werden, ob die Ausweichmanöver tatsächlich zur Verringerung der Kondensstreifen geführt haben.

Ian Jopson von der Flugsicherung NATS betonte, dass die Sicherheit während des gesamten Projekts oberste Priorität habe. Höhenänderungen zur Kondensstreifen-Vermeidung würden nur dann vorgenommen, wenn sie sicher und ohne operative Probleme möglich seien. Sobald Zweifel bestünden, werde auf ein solches Manöver verzichtet. Um Risiken zu minimieren und die Belastung für Lotsinnen und Lotsen nicht zu erhöhen, nutzt das Projekt bewährte Verfahren, wie sie auch bei Turbulenzen, schlechtem Wetter oder zur Einhaltung von Sicherheitsabständen eingesetzt werden.

Testphasen in zwei Wintern

Das Programm ist auf 30 Monate angelegt und mit insgesamt fünf Millionen Pfund ausgestattet, was rund 5,9 Millionen Euro entspricht. Im Mittelpunkt steht der von NATS überwachte Luftraum über dem östlichen Nordatlantik. Dieser Bereich verursacht Schätzungen zufolge etwa fünf Prozent der weltweiten Erwärmungswirkung durch Kondensstreifen, wobei der Effekt besonders im Winter stark ist.

Die praktischen Erprobungen sind in zwei jeweils viermonatigen Phasen geplant: im Winter 2026/2027 sowie im Winter 2027/2028. Die Tests sollen dabei in Zeiten mit geringerem Verkehrsaufkommen stattfinden.

Finanzierung durch Staat, Forschung und Industrie

Ein Teil der Finanzierung kommt vom britischen Verkehrsministerium, das über das Innovationsprogramm des Aerospace Technology Institute (ATI) rund 2,65 Millionen Pfund bereitstellt. Google steuert seine KI-Kompetenz und Rechenleistung im Wert von etwa 1,4 Millionen Pfund als unentgeltliche Sachleistung bei. Weitere knapp eine Million Pfund stammt aus Kofinanzierungen und Eigenmitteln anderer Projektpartner.

Langfristig soll das Vorhaben als Modell dienen, um das Verfahren später auch in anderen Regionen der Welt in die reguläre Luftraumsteuerung zu integrieren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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