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Boeing-Schreck in München: Warnung direkt nach Start

Beinahe-Unglück in München: Was geschah wirklich mit der Vietnam-Airlines-Maschine? Nun kommen erste Details ans Licht.

18.08.2026, 10:20 Uhr

Während die Ursache des Beinahe-Unfalls einer Boeing 787-9 von Vietnam Airlines in München weiter untersucht wird, hat es auf derselben Start- und Landebahn bereits den nächsten Zwischenfall gegeben. Ein Airbus A380 der Lufthansa setzte am Montagabend bei der Landung zu früh auf und beschädigte dabei die Beleuchtung an der Landebahnschwelle. Nach Angaben der Airline landete die mit 351 Passagieren besetzte Maschine dennoch sicher, verletzt wurde niemand.

Nur zwei Tage zuvor war auf derselben Bahn der Dreamliner der Vietnam Airlines beim Start über das Pistenende hinausgeschossen und in einer Staubwolke gerade noch abgehoben. Auch dabei kamen Passagiere und Besatzung nach bisherigen Erkenntnissen unverletzt davon.

Was ist zum Vorfall mit dem Lufthansa-Jet bekannt?

Gesichert ist bislang vor allem, dass die Lufthansa-Maschine zu früh aufsetzte. Laut Airline berührte der Airbus A380 bereits den Beton, allerdings noch vor der mit weißen Blockstreifen markierten Landebahnschwelle. Dabei wurden – ähnlich wie beim Vorfall mit der vietnamesischen Boeing – Lampen der Bahnbefeuerung beschädigt.

Bei dem Flugzeug handelt es sich um den rund 13 Jahre alten Airbus A380 mit dem Kennzeichen D-AIML. Die Maschine war am Vorabend im US-amerikanischen San Francisco gestartet. Nach der Landung in München rollte sie regulär zu ihrer Position am Terminal, die Passagiere konnten das Flugzeug normal verlassen.

Warum es zu dem Zwischenfall kam, ist noch unklar. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat nach Lufthansa-Angaben Ermittlungen aufgenommen. Ein BFU-Sprecher bestätigte, dass Mitarbeiter vor Ort waren und die Flugschreiber sichergestellt haben.

Wie kam es zu dem gefährlichen Start der Vietnam-Boeing?

Im Mittelpunkt der Ermittlungen zum Vietnam-Airlines-Flug VN34 steht weiter die Frage, warum die Boeing 787-9 beim Start nicht wie vorgesehen beschleunigte. Die Maschine war beim Startlauf nach bisherigen Erkenntnissen zu langsam, schoss über das Ende der Startbahn hinaus und hob erst in letzter Sekunde doch noch ab.

Bei der Rückkehr nach München rund zwei Stunden später war am Fahrwerk Qualm zu sehen; zudem platzten Reifen. Verletzt wurde nach bisherigen Angaben niemand.

Staatsnahe vietnamesische Medien legten bereits kurz nach dem Vorfall ein technisches Problem nahe. Demnach habe die Geschwindigkeit des Flugzeugs während des Startvorgangs zwischenzeitlich abgenommen. Die Berichte beriefen sich auf erste Erkenntnisse der vietnamesischen Luftfahrtbehörde und auf Schilderungen der Piloten. Die Behörde selbst bestätigte den Inhalt dieser Medienberichte allerdings nicht.

Nach diesen Angaben legte die Maschine ungefähr auf halber Strecke der Startbahn für rund zwei Sekunden kein weiteres Tempo zu. Anschließend beschleunigte sie zunächst wieder bis zur erforderlichen Geschwindigkeit, ehe das Tempo erneut zurückging.

Weil für einen sicheren Startabbruch nicht mehr genügend Strecke zur Verfügung gestanden habe, setzte die Crew den Start fort. Laut den Berichten brachte der Pilot die Schubhebel der Triebwerke in Maximalstellung und zog die Flugzeugnase hoch, sodass der Dreamliner doch noch abhob.

Warnungen kurz nach dem Abheben

Nach dem Start löste die Boeing nach den bisherigen Erkenntnissen mehrere Warnmeldungen aus. Diese deuteten auf einen möglichen Tailstrike hin, also eine Berührung oder Streifung des Hecks mit der Startbahn. Zusätzlich gab es eine Reifendruckwarnung. Dem Bericht zufolge fiel bei vier der acht Reifen an den beiden Hauptfahrwerken der Druck ab.

Die Besatzung informierte daraufhin die Flugsicherung und entschied sich, zur technischen Überprüfung nach München zurückzukehren. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung fällt eine solche Entscheidung grundsätzlich im Cockpit. Die DFS sorgt in solchen Fällen dafür, den Luftraum freizumachen und einen passenden Slot für die Rückkehrlandung vorzubereiten.

Airline verweist auf technisches Problem

Vietnam Airlines hatte bereits am Samstag von einem technischen Problem gesprochen und auf Warnmeldungen kurz nach dem Start verwiesen. Die Airline entschuldigte sich bei den Passagieren für die Unannehmlichkeiten und betonte, die Besatzung habe die vorgeschriebenen Verfahren eingehalten.

BFU untersucht beide Vorfälle

Zuständig für die Untersuchung sowohl des Dreamliner-Zwischenfalls als auch der zu frühen Landung des Lufthansa-A380 ist die BFU in Braunschweig. Im Fall der Vietnam-Airlines-Maschine hatten Experten bereits am Wochenende Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder sichergestellt. Auch beim Lufthansa-Jet wurden die Flugschreiber inzwischen gesichert.

Mit einem ersten Zwischenbericht rechnen die Ermittler erst in mehreren Wochen. Ein Abschlussbericht dürfte erst nach Monaten vorliegen.

Experten halten Situation für hochgefährlich

Wie brisant der Start der Vietnam-Boeing war, wird unterschiedlich bewertet. Flughafen und Airline äußerten sich dazu bislang nicht im Detail. Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sprach jedoch von einer Situation, die nur knapp nicht in einer Katastrophe endete. Wäre die Maschine nicht noch rechtzeitig hochgezogen worden, hätte es seiner Einschätzung nach verheerende Folgen haben können – bis hin zu einem Feuerball mit Hunderten möglichen Todesopfern.

Auch die Rückkehrlandung galt als heikel

Nach Einschätzung des Luftsicherheitsexperten Harald Hanke handelte die Besatzung besonnen, um eine möglichst risikoarme Sicherheitslandung zu ermöglichen. Demnach wurde Kerosin abgelassen und die Systemmeldungen nach dem fehlerhaften Start sorgfältig ausgewertet.

Vor der Landung flog die Maschine zudem zweimal niedrig über den Flughafen, damit mögliche Schäden am Fahrwerk vom Boden aus überprüft werden konnten. Letztlich platzten zwei von vier Reifen am linken Hauptfahrwerk, möglicherweise infolge einer Vorschädigung. Dennoch kam das Flugzeug sicher zum Stehen.

Vietnam ordnet engere Zusammenarbeit an

Die vietnamesische Regierung setzt nach dem Vorfall auf Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden. Staatlichen Medien zufolge wurden die Luftfahrtbehörde und die staatliche Fluggesellschaft angewiesen, bei der Aufklärung eng zu kooperieren und zugleich die Aufsicht über Sicherheitsverfahren im Luftverkehr zu verschärfen.

Darüber hinaus soll die vietnamesische Luftfahrtbehörde die Sicherheitsaufsicht über die Ausbildung von Luftfahrtpersonal sowie über Flugbetrieb und Wartung von Flugzeugen vietnamesischer Airlines verstärken.

Passagiere berichten von Angst und mangelnden Informationen

Mehrere Passagiere schilderten den Start der Boeing als beängstigend. Einige berichteten von einem deutlichen Schlag oder Knall, als die Maschine über das Bahnende hinausschoss. Andere hätten davon zunächst kaum etwas bemerkt oder sogar geschlafen. Während des rund zweistündigen Flugs wuchs bei einigen Fluggästen jedoch die Sorge deutlich.

Ein Passagier berichtete, er habe vor Angst zugleich geschwitzt und gefroren. Andere hätten nur gehofft, sicher wieder landen zu können.

Kritik gab es vor allem an der Kommunikation an Bord. Reisende sagten, sie seien lange im Ungewissen geblieben. Später seien sie aufgefordert worden, die Sicherheitsposition einzunehmen – den Kopf nach vorne geneigt und mit den Händen geschützt. Die Landung selbst sei dann vergleichsweise sanft verlaufen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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