Wirtschaft

Hugo Boss entkommt Frasers Group in letzter Sekunde

Frasers greift bei Hugo Boss nach mehr Macht – warum der Modekonzern trotzdem eisern an seinem Kurs festhält

18.08.2026, 10:56 Uhr

Frasers baut Beteiligung an Hugo Boss auf fast 48 Prozent aus

Die britische Frasers Group hat ihren Anteil an Hugo Boss erneut erhöht und hält nun 47,89 Prozent an dem Modeunternehmen. Das teilte der Konzern am Dienstag mit. Damit verfehlte Frasers eine vollständige Übernahme nur knapp. Seit Mitte Juni hatten die Briten darauf hingearbeitet, mehr Einfluss bei dem Metzinger Bekleidungshersteller zu gewinnen. Im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots wurde Hugo Boss insgesamt mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet.

Hugo Boss hatte den angebotenen Preis von 38 Euro je Aktie allerdings als zu niedrig eingestuft und seinen Aktionären empfohlen, die Offerte nicht anzunehmen. Das Angebot war bis zum 13. August befristet.

Vorstandschef Daniel Grieder erklärte, das Unternehmen sehe sich durch das Vertrauen und die Unterstützung der Aktionäre während der Angebotsphase bestätigt. Zugleich begrüße man, dass Frasers die langfristige Strategie von Hugo Boss unterstütze. Der Konzern wolle seinen eingeschlagenen Kurs konsequent fortsetzen. Bereits zuvor hatte die EU-Kommission grünes Licht für die Transaktion gegeben. Auch Aufsichtsratschef Stephan Sturm sprach von einem willkommenen, langfristigen Engagement der Frasers Group und betonte die Bedeutung einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem größten Einzelaktionär.

Frasers auch bei Puma engagiert

Die Frasers Group ist ein Handelskonzern des Unternehmers Mike Ashley. Zu dem Unternehmen gehört unter anderem der Sportartikelhändler Sports Direct. Zudem ist Frasers an verschiedenen Firmen beteiligt, darunter auch am Online-Modehändler Asos.

Auf dem deutschen Markt sind die Briten ebenfalls aktiv. So hatten sie Interesse an der Handelskette Sportscheck, die letztlich jedoch an einen italienischen Käufer ging. Im Frühjahr wurde außerdem bekannt, dass Frasers bei Puma eingestiegen ist.

Schwache Nachfrage belastet Hugo Boss

Im zweiten Quartal bekam Hugo Boss die gedämpfte Konsumlaune vor allem in Europa sowie den laufenden Umbau des Konzerns zu spüren. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf 905 Millionen Euro. Besonders in wichtigen Märkten wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich ging die Nachfrage zurück.

Hinzu kamen Auswirkungen durch Schließungen eigener Geschäfte sowie geringere Verkaufsflächen im Großhandel. Das operative Ergebnis (Ebit) fiel um 28 Prozent auf 59 Millionen Euro. Der Nettogewinn verringerte sich um 32 Prozent auf 34 Millionen Euro.

Vom Finanzinvestor zur Lifestyle-Marke

Daniel Grieder steht seit rund fünf Jahren an der Spitze von Hugo Boss und hat den Konzern in dieser Zeit umfassend neu ausgerichtet. Im Mittelpunkt standen die Entwicklung zur Lifestyle-Marke, mehr Digitalisierung, intensiveres Marketing und eine jüngere Zielgruppe. Weltweit beschäftigt Hugo Boss rund 20.000 Menschen, davon mehr als 4.400 in Deutschland.

In seiner Geschichte stand das Unternehmen bereits unter dem Einfluss eines Finanzinvestors. Permira war 2007 über den Kauf des italienischen Modehauses Valentino an die Mehrheit von Hugo Boss gelangt. Zwei Jahre später wurde Hugo Boss aus dem italienischen Konzern herausgelöst und in die Holding Red & Black eingebracht. Valentino wurde 2012 an einen Investor aus Katar verkauft. Bereits 2011 begann Permira damit, sich schrittweise von Anteilen an Hugo Boss zu trennen; in den folgenden Jahren wurden weitere Pakete veräußert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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