Die EU-Kommission beschuldigt das chinesische Online-Shoppingportal Temu, eine laufende Untersuchung behindert zu haben. Nach Angaben der Brüsseler Behörde wollte sie Anfang Dezember 2025 Hinweisen auf möglicherweise unzulässige staatliche Unterstützung für den Konzern nachgehen. Dazu waren unangekündigte Prüfungen bei Temus Eigentümerin PDD und deren Tochtergesellschaft WhaleCo in Dublin geplant.
Aus Sicht der Kommission kamen die betroffenen Unternehmen den Anforderungen dabei nicht vollständig nach. Demnach seien bestimmte Geschäftsbücher und Unterlagen trotz entsprechender Aufforderung nicht vorgelegt worden. Deshalb habe die Behörde nicht alle vorgesehenen Kontrollen durchführen können.
Temu weist die Vorwürfe allerdings zurück. Das Unternehmen erklärte, man habe vollständig kooperiert und alle Anfragen der Kommission im Rahmen der Inspektion erfüllt.
Temu bestreitet unzulässige Subventionen
Zugleich widersprach Temu dem Vorwurf, von ausländischen Subventionen profitiert zu haben, die den Wettbewerb im EU-Binnenmarkt verzerren könnten. Nach Unternehmensangaben erwirtschaftet der Konzern aus der eigenen Geschäftstätigkeit nachhaltige Cashflows, die ausreichen würden, um Temus Aktivitäten in der Europäischen Union zu finanzieren. Man sei nicht auf ausländische Subventionen angewiesen, um Wettbewerbsaktivitäten zu bezahlen oder sich Vorteile im Binnenmarkt zu verschaffen.
Temu kündigte an, das Schreiben der EU-Kommission sorgfältig zu prüfen und darauf zu antworten. Das Unternehmen zeigte sich zuversichtlich, dass die Behörde seine Position berücksichtigen werde.
Sollte die Kommission am Ende dennoch einen Verstoß feststellen, droht Temu eine Geldbuße von bis zu einem Prozent des Gesamtumsatzes.
Untersuchung zu möglicher staatlicher Unterstützung läuft weiter
Unabhängig davon setzt die EU-Kommission ihre Prüfung fort, ob Temu staatliche Mittel erhalten hat, die den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt verzerren könnten. Nach Darstellung der Behörde wird das Portal in Europa vom PDD-Konzern über die Tochtergesellschaft WhaleCo betrieben.
Bereits im Mai hatte die Brüsseler Behörde gegen Temu eine Strafe von 200 Millionen Euro verhängt. Begründet wurde dies mit dem Verkauf illegaler Produkte über den Online-Marktplatz. Damals hieß es zudem, Temu habe inzwischen rund 130 Millionen Kundinnen und Kunden in Europa. In Deutschland zählt die Plattform zu den größten Onlinehändlern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber