Wirtschaft

Bafin schlägt Alarm bei Immobilienkrediten und Cyberrisiken

Bafin schlägt Alarm: Jeder siebte Immobilienkredit ist riskant – und KI-Cyberangriffe könnten alles verschärfen.

12.05.2026, 10:00 Uhr

Die Finanzaufsicht Bafin sieht wachsende Risiken für Verbraucher und Finanzbranche. Bafin-Präsident Mark Branson warnte in Frankfurt davor, dass sich Privatleute beim Kauf von Wohneigentum finanziell übernehmen könnten. Zugleich mahnte er zu Vorsicht angesichts neuer Cybergefahren durch Künstliche Intelligenz, einer aus seiner Sicht übertriebenen Euphorie an den Börsen trotz Iran-Krieg sowie riskanter Finanzgeschäfte abseits klassischer Banken.

Finanzaufsicht sieht Hochrisiko bei Immobilienkrediten

Besonders kritisch blickt die Bafin auf den Markt für Wohnimmobilienkredite. Neue Daten hätten die Aufsicht überrascht, sagte Branson. Im vierten Quartal 2025 überstieg bei rund jedem siebten Neukredit das Darlehensvolumen den Wert der finanzierten Immobilie. Im europäischen Vergleich sei das ein Spitzenwert.

Nach Einschätzung der Bafin erhöht das die Verlustrisiken für Banken und kann auch für Kreditnehmer gefährlich werden. Gerät ein Haushalt etwa durch Krankheit oder Jobverlust unter Druck, könnten die monatlichen Raten schnell zur Last werden. Problematisch sei zudem, wenn selbst ein späterer Verkauf der Immobilie nicht ausreiche, um den Kredit vollständig abzulösen.

Branson machte deutlich, dass die Aufsicht ein Eingreifen nicht ausschließt. Riskante Finanzierungen von heute dürften nicht zu den Problemkrediten von morgen werden. Zwar könne es verlockend sein, für den Traum vom Eigenheim an die Grenze der Finanzierbarkeit zu gehen. Hochriskante Immobilienkredite seien jedoch weder für Banken noch für Verbraucher eine gute Entwicklung.

Mit dem Iran-Krieg hat sich der Druck auf Kaufinteressenten zusätzlich erhöht. Inflationssorgen ließen die Bauzinsen steigen, während die Immobilienpreise weiter zulegten. Im März zog das Geschäft mit Baufinanzierungen deshalb deutlich an, weil sich viele Verbraucher noch vergleichsweise akzeptable Konditionen sichern wollten.

Mehr Cybergefahren durch KI

Neben den Risiken am Kreditmarkt warnt die Bafin vor einer wachsenden Bedrohung durch Cyberangriffe. Die Zahl der Attacken nimmt nach Angaben Bransons zu, und immer häufiger setzen Angreifer dabei auf KI. Moderne Anwendungen könnten Schwachstellen in IT-Systemen sehr schnell finden und teils sogar direkt ausnutzen.

Unternehmen müssten sich deshalb auf mehr potenzielle Einfallstore einstellen und Sicherheitslücken deutlich schneller schließen. Die Bafin will ihre Aufsicht über Cyberrisiken ausbauen und dafür zusätzliche Ressourcen bei Prüfungen von Finanzunternehmen einsetzen. Verwundbar sei nicht nur die Finanzbranche selbst, sondern auch wichtige Infrastruktur wie Energieversorger. Nach Bransons Warnung müssen die Verteidiger deutlich schneller werden.

Bereits zu Wochenbeginn hatte auch das Bundesfinanzministerium vor Gefahren durch neue KI-Modelle wie „Claude Mythos“ gewarnt. Solche Systeme könnten die Cyberbedrohung weiter verschärfen und damit auch die Finanzstabilität belasten. Die von der US-Firma Anthropic entwickelte Software kann Betriebssysteme, Browser und andere Programme automatisiert nach Sicherheitslücken durchsuchen und zugleich passende digitale Angriffswerkzeuge liefern. Nach bisherigen Angaben ist „Claude Mythos“ nur für ausgewählte Organisationen zugänglich. In den falschen Händen könnte das System zu einer gefährlichen Cyberwaffe werden.

Börsenrekorde trotz Krisen bereiten Sorgen

Sorge bereitet der Bafin auch die jüngste Rekordjagd an den Börsen trotz der angespannten Weltlage. Nach Einschätzung Bransons bleibt das Risiko plötzlicher Markt- und Preiskorrekturen hoch, weil die Kursentwicklungen die bestehenden Gefahren offenbar nicht ausreichend widerspiegeln.

So notiert der Dax nur knapp unter seinem Höchststand vom Januar. Der breite US-Index S&P 500 liegt sogar auf Rekordniveau und mehr als acht Prozent über dem Stand zu Jahresbeginn. Zugleich habe sich die wirtschaftliche Lage seitdem nicht verbessert. Selbst wenn der Iran-Krieg beigelegt würde, könnten Schäden an Energieanlagen noch lange nachwirken und die Konjunktur belasten.

Bafin blickt auch auf riskante Finanzgeschäfte

Mit Skepsis verfolgt die Aufsicht zudem die häufig wenig transparente alternative Kreditvergabe durch Nicht-Banken, also Private Debt. Werden solche Anbieter von Banken finanziert, könnten Risiken aus diesem Markt in den Bankensektor überspringen. Auch Versicherer haben nach Beobachtung der Bafin verstärkt in diesen Bereich investiert.

Kritisch sieht die Behörde außerdem den Vertrieb von Private-Markets-Produkten an Privatkunden, etwa über spezielle Fonds wie ELTIFs. Aus Sicht der Bafin sind solche Produkte oft teuer und intransparent; beim Verkauf drohen zudem Verluste.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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