Fußball

WM-Rekord! Deschamps löst Schön historisch ab

48 Jahre hielt Helmut Schöns WM-Rekord – jetzt ist er weg. Wer ihn entthront hat, dürfte viele überraschen.

14.07.2026, 21:00 Uhr

Spaniens Nationalspieler wurden nach dem Abpfiff auf dem Weg durch das Spalier von Trainern und Betreuern gefeiert, während Frankreichs Superstar Kylian Mbappé völlig niedergeschlagen vom Rasen trottete. Mit einem abgeklärten 2:0 (1:0) im Halbfinale von Arlington hat der Europameister die französische Offensive nahezu komplett neutralisiert und erstmals seit dem WM-Titel vor 16 Jahren wieder das Endspiel erreicht. Als erstes Team zog Spanien damit ins Finale von East Rutherford ein.

Für Frankreich platzte ausgerechnet am Nationalfeiertag der Traum vom dritten WM-Finale in Serie. Stattdessen endet die Ära von Nationaltrainer Didier Deschamps auf großer Bühne mit einer bitteren Enttäuschung, auch wenn für Les Bleus am Samstag noch das Spiel um Platz drei in Miami Gardens ansteht. Spanien trifft am Sonntag auf den Sieger der Partie zwischen Titelverteidiger Argentinien und England mit Trainer Thomas Tuchel, die am Mittwoch in Atlanta ausgetragen wird.

De la Fuente verrät besonderen Gratulanten

Spaniens Trainer Luis de la Fuente sprach nach dem Abpfiff vom letzten Schritt vor dem ganz großen Ziel. "Jetzt haben wir diesen letzten Schritt gemacht und wollen diesen Titel holen", sagte er. Zudem verriet er einen besonderen Gratulanten: Spaniens König habe die Mannschaft angerufen. Es mache sein Team stolz, den Menschen in den Straßen mit diesem Erfolg eine Freude bereitet zu haben.

Die Iberer setzten nicht auf Spektakel, sondern auf Kontrolle – und genau damit hatten sie Erfolg. Das Team von de la Fuente hatte phasenweise viel Ballbesitz, verteidigte erneut äußerst stabil und ließ Frankreichs Offensivkünstler kaum zur Entfaltung kommen. Im laufenden Turnier hat Spanien damit weiterhin erst ein Gegentor zugelassen.

"Diese Spieler haben es einfach verdient, weil sie Leidenschaft auf den Platz bringen, solidarisch spielen und ein extrem großes Talent haben", sagte de la Fuente. Vieles, was schwierig wirke, hätten seine Spieler mit bemerkenswerter Leichtigkeit gelöst.

Torschütze Porro bekommt "Gänsehaut"

Vor 70.176 Zuschauern im überraschend nicht ausverkauften Stadion trafen Mikel Oyarzabal in der 22. Minute per Foulelfmeter und Pedro Porro in der 58. Minute. "Das hätte ich mir nicht erträumen können", sagte Porro. Man habe einen "großartigen Gegner" beherrscht und freue sich nun auf das Finale. "Da bekomme selbst ich Gänsehaut, wenn ich darüber spreche."

Deschamps mit Rekord, aber ohne Happy End

Didier Deschamps absolvierte beim Halbfinale seinen 26. Einsatz als Chefcoach bei einer Weltmeisterschaft und übertraf damit den früheren Bundestrainer Helmut Schön. Viel Trost dürfte ihm diese Bestmarke jedoch nicht spenden.

"Die Enttäuschung in der Kabine ist groß", sagte der 57-Jährige. "Spanien hat heute gezeigt, dass sie auf einem anderen Niveau spielen." Und weiter: "Wir haben es versucht, wir sind gescheitert. Wir müssen eingestehen, dass die Spanier besser waren. Die haben das Spiel kontrolliert."

Nach dem Schlusspfiff saßen mehrere französische Spieler niedergeschlagen auf dem Rasen, einige zogen sich das Trikot über das Gesicht. Auch Thierry Henry würdigte Deschamps trotz des bitteren Endes: "Ich möchte mich bei Didier Deschamps dafür bedanken, was er für dieses Team geleistet hat."

Deschamps führt Frankreich seit 2012 und soll nach dem Turnier aufhören. Als wahrscheinlichster Nachfolger gilt Zinédine Zidane. Seine größten Erfolge feierte Deschamps sowohl als Spieler als auch als Trainer: 1998 wurde er Weltmeister auf dem Platz, 2018 an der Seitenlinie. Dieses Kunststück gelang zuvor nur Franz Beckenbauer und Mário Zagallo. Zwei WM-Titel als Trainer schaffte bislang allein Italiens Vittorio Pozzo (1934 und 1938).

In seine Bilanz zählt auch das Gruppenspiel gegen Norwegen. Obwohl Deschamps wegen des Todes seiner Mutter nicht vor Ort war, wertet die FIFA das 4:1 offiziell als eines seiner WM-Spiele.

Vorgeschichte mit viel Brisanz

Schon vor dem Anpfiff war die Partie als mögliches vorgezogenes Finale gehandelt worden. Beide Nationen zählen zu den Schwergewichten des Weltfußballs, zudem gab es im Vorfeld kleinere Psychospielchen. Spaniens Youngster Lamine Yamal sandte eine kleine Kampfansage, während Deschamps die Favoritenrolle lieber dem Gegner zuschob.

Zusätzliche Brisanz bekam das Duell durch die jüngere Vergangenheit: Spanien hatte Frankreich zuletzt bereits im EM-Halbfinale 2024 und im Halbfinale der Nations League 2025 geschlagen. Das 5:4 bei der EM in Stuttgart im vergangenen Sommer hatte die Erwartungen an dieses erneute Duell zusätzlich angeheizt.

Elfmeter bringt Frankreich früh in Rückstand

Frankreich fand offensiv kaum in die Partie. Eine gute Szene gab es zunächst, als der frühere Dortmunder Ousmane Dembélé Mbappé mit einer starken Flanke bediente, der Angreifer von Real Madrid gegen drei Spanier aber nicht zum Abschluss kam.

Dann fiel die Führung nach einer eigentlich harmlosen Hereingabe von Marc Cucurella. Frankreichs Verteidiger Lucas Digne übersah beim Klärungsversuch den heraneilenden Lamine Yamal und traf den 19-Jährigen am Oberschenkel. Schiedsrichter Iván Barton aus El Salvador entschied folgerichtig auf Strafstoß, Oyarzabal verwandelte sicher zum 1:0.

Für Spanien war es Oyarzabals fünfter Treffer im laufenden Turnier. Frankreich kassierte damit den ersten Rückstand bei dieser WM und zugleich das erste Gegentor in der K.-o.-Phase. Nach einer halben Stunde musste zudem Abwehrchef William Saliba angeschlagen vom Platz. Für ihn kam der frühere Wolfsburger Maxence Lacroix. Es war eine erste Halbzeit zum Vergessen für Les Bleus.

Frankreichs Offensive bleibt blass

"Wir müssen einfach mehr tun", forderte Deschamps in der Pause. Doch auch nach dem Seitenwechsel fehlten seinem Team Ideen, Präzision und Durchschlagskraft. Der zweimalige Weltmeister wirkte überraschend uninspiriert, auch Michael Olise vom FC Bayern München blieb diesmal blass.

Statt einer französischen Wende erhöhte Spanien: Porro spielte einen Doppelpass mit dem früheren Leipziger Dani Olmo und traf zum 2:0 ins rechte Eck. Kurz darauf jubelte Yamal sogar erneut, stand bei seinem vermeintlichen Treffer einen Tag nach seinem Geburtstag aber im Abseits – das Tor wurde zu Recht aberkannt.

Frankreich versuchte in der Schlussphase, vor allem über Mbappé, noch einmal Druck zu erzeugen. Doch selbst der Angreifer, der in diesem Turnier bereits acht Tore erzielt hat, konnte das Aus nicht verhindern. Damit bleibt Lionel Messi zumindest für die kommenden vier Jahre an der Spitze der ewigen WM-Torjägerliste.

So bleibt für Deschamps am Ende zwar der Rekord als WM-Rekordcoach, sportlich aber ein schwacher Halbfinal-Auftritt als Schlusspunkt einer langen und erfolgreichen Ära.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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