Wirtschaft

Aufträge schießen plötzlich hoch

Nach dem Januar-Schock überrascht die Industrie plötzlich: Im März ziehen die Bestellungen deutlich an – ist das die Trendwende?

07.05.2026, 08:41 Uhr

Für die zuletzt schwächelnde deutsche Industrie gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Auftragseingänge legten im März gegenüber dem Vormonat um 5,0 Prozent zu. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden mit.

Damit fiel der Zuwachs deutlich stärker aus als von Fachleuten erwartet. Analysten waren im Durchschnitt lediglich von einem Plus von 1,0 Prozent ausgegangen. Für Februar wurde ein Anstieg von 1,4 Prozent bestätigt, nachdem es im Januar noch einen kräftigen Rückgang gegeben hatte.

Auch ohne die häufig stark schwankenden Großaufträge zeigte sich ein kräftiges Plus: Bereinigt darum lagen die Bestellungen im März um 5,1 Prozent über dem Vormonat. Nach Angaben der Statistiker war das der höchste Stand seit Februar 2023.

Gestützt wurde die Entwicklung vor allem durch einen deutlichen Anstieg bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen. Zuwächse gab es zudem im Maschinenbau mit plus 6,9 Prozent sowie bei Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen mit plus 14,4 Prozent.

Starkes Auslandsgeschäft stützt die Industrie

Insgesamt profitierte die deutsche Industrie im März von einer lebhaften Nachfrage aus dem Ausland. Die Auslandsaufträge stiegen um 5,6 Prozent, aus der Eurozone kamen sogar gut zehn Prozent mehr Bestellungen. Im Inland legten die Auftragseingänge um 4,0 Prozent zu.

Ökonomen werteten die Zahlen als positives Signal, mahnten aber zugleich zur Vorsicht. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sprach von einem überraschend deutlichen Auftragsplus auch ohne Großaufträge. Gleichzeitig verwies er auf den Einbruch von Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklima, der die große Verunsicherung in den Unternehmen zeige.

Ministerium warnt vor möglichem Vorzieheffekt

Auch das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich zurückhaltend. Der Iran-Krieg habe zu einem Energiepreisschock geführt, der sich zeitversetzt auch auf andere Güter auswirken dürfte. Nach Einschätzung des Ministeriums könnten deshalb im März Bestellungen vorgezogen worden sein – aus Sorge vor steigenden Preisen oder möglichen Lieferengpässen.

Der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien, sieht in den März-Daten ein Zeichen dafür, dass die deutsche Industrie unmittelbar vor dem Krieg auf eine klarere Erholung zugesteuert habe und auch im ersten Kriegsmonat noch robust gewesen sei. Eine nachhaltige Besserung dürfte seiner Einschätzung nach aber erst einsetzen, wenn die Energiepreise wieder spürbar sinken und die Konjunktur neuen Schwung bekommt.

IW senkt Wachstumserwartung auf 0,4 Prozent

Trotz der überraschend starken Industriezahlen bleiben die Aussichten für die Gesamtwirtschaft gedämpft. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet als Folge des Iran-Kriegs in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,4 Prozent.

IW-Ökonom Michael Grömling erklärte, der Krieg habe die zaghafte Erholung der deutschen Wirtschaft abgewürgt. Steigende Energiepreise und Lieferstörungen träfen ein Land, das nach drei Jahren mit Rezession und Stagnation kaum noch Puffer habe. Das erwartete geringe Plus komme vor allem durch staatliche Konsumausgaben und Investitionen in die Verteidigung zustande.

Exporte schrumpfen weiter

Zusätzlichen Gegenwind sieht das IW im Außenhandel. Nach Einschätzung Grömlings schrumpfen die deutschen Exporte bereits zum vierten Mal in Folge, obwohl der Welthandel wächst. Das deute darauf hin, dass sich die deutsche Konjunktur stärker von den Weltmärkten abkoppele und an Wettbewerbsfähigkeit verliere.

Immerhin ist die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn trotz aller Belastungen leicht gewachsen. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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