Kylian Mbappé rang nach dem Schlusspfiff um Worte. Nach dem klaren 0:2 gegen Spanien im WM-Halbfinale zeigte sich der französische Superstar selbstkritisch: "Wir hatten nicht das Niveau, um das Finale zu erreichen." Auch Nationaltrainer Didier Deschamps wirkte zunächst wie gelähmt, fand später aber eine nüchterne Einordnung.
Für Frankreich ist die Enttäuschung enorm. Statt um den WM-Titel zu spielen, bleibt Les Bleus nur noch das Spiel um Platz drei. Dort will die Mannschaft ihrem scheidenden Trainer einen versöhnlichen Abschied ermöglichen. "Er hat es verdient", sagte Mbappé. "Und unsere Fans auch."
Dass der zweimalige Weltmeister nun am Samstag um Rang drei in Miami Gardens antreten muss, entspricht jedoch nicht den eigenen Ansprüchen. Viele Beobachter hatten Frankreich bereits im Endspiel gesehen.
Kein drittes Endspiel nacheinander
Deschamps betonte nach dem Aus, wie viel er mit der Nationalmannschaft erlebt habe. Seine Zeit als Trainer endet mit diesem Turnier, als möglicher Nachfolger wird seit Längerem Zinédine Zidane gehandelt. Seit 2012 betreut Deschamps die Équipe Tricolore und hätte sie beinahe zum dritten Mal in Serie in ein WM-Finale geführt. Nach dem Titel 2018 und der Finalniederlage vor vier Jahren bleibt ein weiterer Endspiel-Einzug diesmal jedoch aus.
"Ich habe viele großartige Momente mit dieser Mannschaft erlebt", sagte Deschamps. Der Abend gegen Spanien habe allerdings nicht dazugehört. Das lag einerseits an den erneut sehr stabilen Spaniern, andererseits aber auch an einer erstaunlich ungefährlichen französischen Offensive.

Frankreichs Offensive bleibt blass
Mbappé, der bei diesem Turnier bereits acht Treffer erzielt hat, stemmte sich zwar gegen das Ausscheiden. Doch Spieler wie Ousmane Dembélé und Bayerns Michael Olise fanden gegen die spanische Defensive kaum Mittel. Spanien, das im bisherigen Turnierverlauf erst ein Gegentor hinnehmen musste, zeigte Frankreich deutlich die Grenzen auf.
Phasenweise schien die französische Mannschaft selbst überrascht davon, wie wenig ihr gegen den Europameister gelang. "Spanien ist ein Team, das den Ball und das Spiel kontrollieren will – und wir haben ihnen genau das erlaubt", erklärte Mbappé.
Auch Deschamps hob die starke Defensivleistung des Gegners hervor, kritisierte aber zugleich die vielen technischen Fehler seiner Elf. "Die Enttäuschung ist riesig", sagte der eingewechselte Rayan Cherki, der wie viele seiner offensiven Mitspieler in Arlington kaum Wirkung entfalten konnte.
Dabei hatte Frankreich in den sechs Partien zuvor noch 16 Tore erzielt. Die Offensive hatte international beeindruckt – nicht unbedingt durch dauerhafte Dominanz, sondern oft durch einige wenige, brillante Kombinationen, mit denen Mbappé, Dembélé, Olise und Co. jede Abwehr auseinandernehmen konnten. Gegen Spanien fehlten genau diese Momente fast komplett.
Deschamps hadert mit dem Schiedsrichter
Nach dem Spiel wurde Verteidiger Maxence Lacroix gefragt, ob Frankreich nach dem vielen Lob womöglich zu selbstbewusst in die Partie gegangen sei. Das wies der frühere Wolfsburger zurück. Man habe Spanien mit großem Respekt begegnet. "Wir waren heute nicht auf unserem höchsten Level", sagte er. Gegen einen Gegner wie Spanien reicht das nicht.
Deschamps setzte nach dem Abpfiff noch einen Seitenhieb gegen Schiedsrichter Iván Barton aus El Salvador. "Glauben Sie, dass der Schiedsrichter gut genug für ein Halbfinale war?", fragte der Trainer und sprach von einigen fragwürdigen Entscheidungen. Am Strafstoß, der zum 1:0 durch Mikel Oyarzabal in der 22. Minute führte, dürfte die Niederlage allerdings kaum festzumachen sein.
Auch beim zweiten spanischen Treffer war nicht der Referee entscheidend: Beim 0:2 durch Pedro Porro in der 58. Minute ließ sich Frankreich mit einem simplen Doppelpass aushebeln. Damit platzte der Traum vom Titel – und aus den gefeierten Offensivkünstlern wurden am Ende enttäuschte Verlierer.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber