Die Verpflichtung von Jürgen Klopp als neuem Bundestrainer steht beim DFB in der Schlussphase. Nach einem weiteren Austausch von DFB-Präsident Bernd Neuendorf, dessen Stellvertreter Hans-Joachim Watzke und Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff wurden nun die entscheidenden Verbandsfunktionäre über den Stand der Gespräche informiert.
Nach dpa-Informationen erhielten die 14 Mitglieder des Aufsichtsrats sowie die vierköpfige Gesellschafterversammlung der DFB GmbH & Co. KG ein Update zu den bisherigen Verhandlungen. Vorgestellt wurden dabei sowohl das Gespräch mit Klopp Ende vergangener Woche in New York als auch das Treffen mit Red Bull am Dienstag in München.
Zustimmung der DFB-Gremien bleibt Voraussetzung
Damit Klopp tatsächlich Nachfolger von Julian Nagelsmann werden kann, müssen die zuständigen DFB-Gremien zustimmen. Der Vorgang gilt intern als weit fortgeschritten, eine formale Entscheidung muss aber nicht zwingend sofort fallen. Viel spricht weiter dafür, dass spätestens in der kommenden Woche Klarheit herrscht.
Die DFB-Spitze arbeitet die Personalie dabei Schritt für Schritt ab: erst das Gespräch mit Klopp, dann mit Red Bull, nun das Briefing der Gremien. Ohne Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung kann der Verband den neuen Bundestrainer nicht bestellen.
Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung haben zentrale Macht
Der Aufsichtsrat der DFB GmbH & Co. KG besteht aus 14 Mitgliedern aus DFB-Präsidium und Bundesliga. Den Vorsitz hat Alexander Wehrle, Vorstandschef des VfB Stuttgart. Das Gremium muss wichtige Personal- und Wirtschaftsentscheidungen absegnen.
Die Gesellschafterversammlung setzt sich aus Neuendorf, Watzke, Oliver Leki vom SC Freiburg und DFB-Vize Ronny Zimmermann zusammen. Dieses Quartett ist das höchste Entscheidungsgremium im ausgelagerten Geschäftsbereich.
Red Bull sitzt bei den letzten Details am Hebel
Offen bleibt vor allem, zu welchen Bedingungen Klopp seinen bis 2029 laufenden Vertrag als Head of Global Soccer bei Red Bull verändern oder beenden kann. Nach dem Treffen mit Mintzlaff wurde wie vereinbart nichts über mögliche Ergebnisse bekanntgegeben.
Im Raum stehen weiterhin mehrere Modelle: eine hohe Ablöse, eine Vertragsanpassung oder eine Konstruktion, bei der Klopp in anderer Form mit Red Bull verbunden bleibt. Erwartet wird eher eine zurückhaltende, möglichst geräuscharme Lösung, damit Klopp als Bundestrainer unbelastet arbeiten kann.
Denkbar bleiben außerdem zusätzliche Absprachen, etwa weitere Länderspiele in Leipzig oder eine stärkere Präsenz der Nationalmannschaft auf dem RB-Gelände. Mintzlaff reist nun selbst in die USA und soll dort noch einmal mit Klopp sprechen. Dem Termin wird allerdings eher symbolische Bedeutung zugeschrieben.
Für den DFB zählt: Klopp muss kommen – aber bezahlbar
Beim Verband ist das Ziel klar umrissen: Klopp soll übernehmen, zugleich darf der Deal aus DFB-Sicht nicht aus dem Kostenrahmen laufen. Entsprechend mussten in der Sitzung auch die Entscheidungsträger im Verband auf den neuesten Stand gebracht werden.
Ein Scheitern der Verhandlungen würde für Neuendorf als schwere Niederlage gelten – gerade nach dem sportlichen Rückschlag bei der WM und dem anschließenden Rücktritt von Nagelsmann.
Vertrag wohl bis 2030 geplant
Beim DFB ist für Klopp nach den vorliegenden Informationen ein Vertrag bis zur WM 2030 vorgesehen. Er würde damit als 13. Chefcoach der deutschen Nationalmannschaft übernehmen.
Große Aufgabe nach WM-Enttäuschung
Klopp dürfte sehr genau wissen, wie groß die Herausforderung ist. Deutschland ist nach dem frühen WM-Aus in der aktuellen FIFA-Weltrangliste auf Platz zwölf zurückgefallen und damit aus den Top Ten gerutscht. Die jüngsten Auftritte von Nationen wie Spanien, Frankreich, Argentinien und England haben gezeigt, wie weit der Weg zurück an die Weltspitze ist.
Die deutsche Mannschaft war bei der Weltmeisterschaft in den USA bereits in der Zwischenrunde an Paraguay gescheitert und nach einem 3:4 im Elfmeterschießen ausgeschieden. Nagelsmann zog daraus die Konsequenzen und trat zurück.
Start mit ungewöhnlich viel Vorlauf
Der mögliche neue Bundestrainer hätte trotz der angespannten Lage einen vergleichsweise komfortablen Anlauf. Bis zum nächsten Länderspielblock bleiben noch rund zehn Wochen. Zwischen dem 24. September und 4. Oktober stehen in der Nations League Partien in den Niederlanden, zuhause gegen Serbien sowie zweimal gegen Griechenland an.
Klopp könnte diese Zeit nutzen, um Kandidaten zu sichten und Gespräche zu führen. Hinzu kommt, dass es wegen des geänderten Kalenders diesmal drei Bundesliga-Spieltage vor der ersten Kadernominierung geben wird statt wie sonst nur einen. Außerdem steht bereits die erste Runde der Champions League an.
Klopp am Sonntag wieder im WM-Finale im TV zu sehen
Mintzlaff wird am Sonntag zum WM-Finale in die USA reisen. Dort wird auch Klopp im Stadion von East Rutherford bei New York erwartet, wo er bei MagentaTV noch einmal als Turnier-Experte im Einsatz sein soll.
Damit richtet sich der Blick weiter auf die letzten offenen Punkte zwischen DFB, Klopp und Red Bull. An der grundsätzlichen Bereitschaft für eine Lösung scheint wenig Zweifel zu bestehen – entscheidend sind nun Vertragsdetails, Zustimmung der Gremien und die Frage, zu welchen Konditionen der Wechsel vollzogen wird.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber