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Öl, Reichtum, Allmacht: So lebt Bruneis Sultan mit 80

7.000 Luxusautos, goldene Kuppeln, absolute Macht: Warum Bruneis Sultan mit 80 noch immer fasziniert – und polarisiert.

15.07.2026, 07:30 Uhr

Sultan Hassanal Bolkiah wird 80: Glanz, Macht und Widersprüche in Brunei

Vergoldete Kuppeln, Tausende teure Fahrzeuge und ein Palast von enormen Ausmaßen: Kaum ein Monarch steht so sehr für märchenhaften Reichtum wie Sultan Hassanal Bolkiah von Brunei. Seit beinahe 60 Jahren regiert er das kleine Sultanat nahezu ohne Einschränkungen. Obwohl Brunei flächenmäßig deutlich kleiner als viele europäische Regionen ist, verfügt das Land über große Öl- und Gasvorkommen und zählt in Südostasien zu den bedeutenden Förderern von Erdöl und Exporteuren von Flüssiggas.

Zu seinem 80. Geburtstag verwandelt sich der Staat auf Borneo mit rund 450.000 Einwohnern traditionell für mehrere Tage in eine Festbühne. Gelbe Nationalflaggen prägen das Straßenbild, überdimensionale Porträts des Herrschers hängen an öffentlichen Gebäuden, Schulen und Behörden. In der Hauptstadt Bandar Seri Begawan findet außerdem jährlich eine große Parade zu Ehren des Sultans statt.

Begegnungen mit den Bürgern

Ein zentraler Teil der Feierlichkeiten ist die Reise des Monarchen durch alle vier Bezirke des Landes. Dort trifft er Einwohner persönlich, nimmt Schreiben entgegen und lässt sich mit Bürgern fotografieren. In Brunei genießt der Sultan viel Zustimmung. Das liegt auch daran, dass Privatpersonen keine Steuern zahlen müssen und der Staat kostenlose Gesundheitsversorgung, Bildung und umfangreiche Subventionen bereitstellt.

Gleichzeitig hat diese Ordnung eine andere Seite. Bolkiah gehört zu den letzten absoluten Herrschern weltweit. Er vereint zahlreiche Ämter in seiner Person: Staatsoberhaupt, Regierungschef sowie Minister für Finanzen, Außenpolitik und Verteidigung. Zudem gilt er als oberster Hüter der islamischen Staatsreligion.

Bundespräsident Steinmeier empfängt Sultan von Brunei
Erst im Mai wurde der Sultan vom Bundespräsidenten empfangen. (Archivbild) Quelle: Carsten Koall/dpa

Auf Grundlage eines seit 1962 bestehenden Ausnahmezustands, der regelmäßig verlängert wird, erlässt er Gesetze per Dekret. Wahlen oder ausgeprägte demokratische Strukturen gibt es nicht. Auch Medien- und Meinungsfreiheit sind stark begrenzt. In der Verfassung ist festgeschrieben, dass der Sultan weder privat noch in seiner amtlichen Rolle Unrecht tun könne. Kritik an seiner Person wird entsprechend streng verfolgt. Viele Menschen im Land akzeptieren dieses System jedoch wegen des vergleichsweise hohen Wohlstands.

Reichtum von historischem Ausmaß

Weltweit bekannt ist der Sultan vor allem wegen seines Vermögens. Lange Zeit galt er als reichster Mensch der Erde, bevor Unternehmer aus der Tech-Branche ihn in solchen Ranglisten überholten. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 30 Milliarden US-Dollar zählt er aber weiterhin zu den reichsten Royals der Welt.

Besonders legendär ist seine Autosammlung. Sie soll etwa 7.000 Luxuswagen umfassen, darunter Hunderte Rolls-Royce und Ferraris. Damit schaffte es Bolkiah sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Der Wert dieser Sammlung wird auf mehr als fünf Milliarden Dollar geschätzt. Auf dem Gelände seines Palastes ließ er eigens eine Rennstrecke errichten, um die Wagen nutzen zu können.

Der größte Wohnpalast der Welt

Der Amtssitz des Sultans, der Istana Nurul Iman, gilt als größter bewohnter Palast der Welt. Die Anlage erstreckt sich über rund 200.000 Quadratmeter. Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr der Hälfte der Fläche des Vatikanstaats.

Der Palast verfügt über 1.788 Räume, mehr als 250 Badezimmer und eine Kuppel aus 22-karätigem Gold. Auch Bögen an Fenstern und Türen wurden mit kostbaren Materialien verziert. In den Räumen hängen wertvolle Kunstwerke, darunter Berichten zufolge auch ein Gemälde des französischen Impressionisten Auguste Renoir, für das der Sultan rund 70 Millionen Dollar bezahlt haben soll.

Internationale Kritik an der Scharia

In den vergangenen Jahren stand Brunei international wegen seines strengen islamischen Strafrechts stark in der Kritik. Die seit 2014 schrittweise eingeführte Scharia wurde 2019 nochmals verschärft.

Vorgesehen sind harte Strafen, darunter Steinigung bei Ehebruch und homosexuellen Handlungen sowie Amputationen bei Diebstahl. Nach weltweiten Protesten und Boykottaufrufen gegen Hotels der Herrscherfamilie erklärte der Sultan schließlich, dass das seit Jahrzehnten geltende Moratorium auf die Todesstrafe auch für die meisten Scharia-Urteile gelten solle. Tatsächlich wurde in Brunei seit 1957 niemand mehr hingerichtet.

Staatsgast im Ausland

Trotz anhaltender Kritik an Bruneis autoritärem Regierungssystem wird der Sultan international weiterhin häufig empfangen. Noch im Mai war er auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Besuch in Berlin.

Während in Bandar Seri Begawan die Feiern zu seinem Geburtstag stattfinden, bleibt Hassanal Bolkiah für viele Beobachter im Westen eine schwer einzuordnende Figur. Der dienstälteste regierende Monarch der Welt, Vater von zwölf Kindern aus drei Ehen, verkörpert zugleich traditionellen Absolutismus und einen modernen, durch Rohstoffe finanzierten Staatskapitalismus.

Die Zeit nach dem Öl

Zugleich steht Brunei vor einer entscheidenden Herausforderung: Die Öl- und Gasreserven des Landes sind begrenzt und dürften nur noch einige Jahrzehnte reichen. Deshalb verfolgt das Sultanat bereits einen langfristigen Plan für die Zukunft. Unter dem Namen "Wawasan Brunei 2035" soll die Wirtschaft breiter aufgestellt und das Land auf die Zeit nach dem Öl vorbereitet werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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