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Studie zeigt: So brutal wird der Ton im Straßenverkehr

Die Stimmung auf der Straße kippt: Nicht nur Autofahrer fahren immer aggressiver – die neuen Zahlen sind alarmierend.

17.08.2026, 11:25 Uhr

UDV-Umfrage: Aggression im Straßenverkehr nimmt weiter zu – auch Handynutzung am Steuer steigt

Drängeln, dichtes Einscheren und Beschimpfungen gehören auf deutschen Straßen offenbar immer häufiger zum Alltag. Eine aktuelle Umfrage der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigt, dass aggressives Verhalten im Verkehr weiter zunimmt. UDV-Leiterin Kirstin Zeidler spricht von einem klaren Trend: Der Kreis derjenigen, die sich rücksichtslos verhalten, werde größer.

Besonders deutlich wird das bei Autofahrern. Der Anteil der Befragten, die nach eigenen Angaben zumindest gelegentlich andere bedrängen, stieg seit der vorherigen Erhebung 2023 von 39 auf 47 Prozent. Knapp ein Drittel räumte zudem ein, nach dem Überholen schon einmal so dicht wieder eingeschert zu sein, dass der andere Fahrer bremsen musste. Drei Jahre zuvor war es noch knapp ein Viertel.

Auch weitere riskante Verhaltensweisen nehmen zu. Acht Prozent der Autofahrer gaben an, beim Überholen kaum Rücksicht auf Radfahrer zu nehmen – etwa doppelt so viele wie bei der vorigen Umfrage. Zudem sagten mehr Befragte, dass sie auf der Autobahn auch mal rechts überholen oder an einer Autoschlange vorbeifahren, um sich weiter vorn einzuordnen.

Auch Radfahrer fallen häufiger negativ auf

Nicht nur bei Autofahrern, auch bei Radfahrern zeigt die Erhebung mehr Aggressionen. Bereits in der vorherigen Auswertung hatte sich abgezeichnet, dass viele Radfahrende eigenes Fehlverhalten eher einräumen. So gaben 43 Prozent an, mitunter die Vorfahrt zu erzwingen; 2023 lag dieser Anteil noch bei 28 Prozent.

Die neue UDV-Auswertung zeigt zusätzlich, dass Radfahrer heute häufiger auf Radwegen drängeln, sich an roten Ampeln an wartenden Radfahrern vorbeischummeln oder sich durch den Autoverkehr schlängeln.

Mehr Autofahrer mit Handy am Steuer

Sorgen bereitet der UDV auch die wachsende Nutzung von Smartphones während der Fahrt. Mehr als jeder fünfte Autofahrer nutzt demnach zumindest gelegentlich soziale Medien am Steuer. Bei der vorherigen Umfrage war es nur etwas mehr als jeder Zehnte.

Fast jeder Vierte verschickt nach eigenen Angaben immer wieder Textnachrichten während der Fahrt. Ebenso viele sind am Steuer im Internet unterwegs. Besonders junge Menschen greifen deutlich häufiger zum Handy als ältere Verkehrsteilnehmer.

Zugleich sinkt das Risikobewusstsein. Zwar halten noch 74 Prozent der Befragten das Schreiben von Textnachrichten während der Fahrt für „sehr risikoreich“, doch 2023 waren es noch 84 Prozent.

Straßenverkehr als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen

Für den Anstieg aggressiven Verhaltens nennt die UDV mehrere Ursachen. Nach Einschätzung von Zeidler nimmt die Aggressivität nicht nur auf der Straße zu, sondern auch in anderen Lebensbereichen – etwa bei Übergriffen auf Rettungskräfte oder Beschäftigte im Bahnverkehr. Der Straßenverkehr sei damit auch ein Abbild gesellschaftlicher Entwicklungen.

Hinzu kommen aus Sicht der UDV infrastrukturelle Probleme. Zu enge Radwege begünstigten Konflikte, vor allem wenn immer mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs seien. An Kreuzungen könnten getrennte Grünphasen für Autos und Räder die Lage entschärfen. Außerdem brauche es mehr Parallelstraßen, die ausschließlich dem Radverkehr vorbehalten sind.

Mehrheit fühlt sich trotzdem sicher

Trotz der zunehmenden Aggression fühlt sich eine klare Mehrheit im Straßenverkehr weiterhin sicher. 58 Prozent der Befragten gaben an, sich „sicher“ oder „sehr sicher“ zu fühlen – zwei Prozentpunkte mehr als 2023. Auffällig ist laut UDV, dass ältere Menschen ihr Sicherheitsempfinden höher einschätzen als jüngere, was mit größerer Verkehrserfahrung zusammenhängen dürfte. Männer fühlen sich demnach grundsätzlich sicherer als Frauen.

Mehr Kontrollen und härtere Sanktionen gefordert

Die UDV fordert schärfere Kontrollen und strengere Strafen bei Fehlverhalten im Straßenverkehr. Viele Verkehrsteilnehmer nähmen Polizeikontrollen im Alltag kaum wahr. Rund 60 Prozent der Befragten sagten, sie seien entweder noch nie kontrolliert worden oder ihre letzte Kontrolle liege schon Jahre zurück. Zeidler sprach sich deshalb unter anderem für einen häufigeren Einsatz sogenannter Handyblitzer aus.

Unter den Befragten gibt es außerdem Rückhalt für verschiedene verkehrspolitische Maßnahmen. Mehr als 60 Prozent befürworten ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen. Tempo 30 in Städten findet mit knapp 43 Prozent dagegen keine Mehrheit. Besonders viel Zustimmung gibt es für eine Null-Promille-Grenze für Autofahrer.

Aus Sicht der UDV sind neben Polizei und Politik auch Verkehrsplaner sowie Verkehrspsychologinnen und Verkehrspsychologen gefragt, wirksame Konzepte gegen Aggressionen im immer dichteren Verkehr zu entwickeln.

Für die Erhebung wurden zwischen März und April 2026 mehr als 2.000 Menschen ab 18 Jahren online befragt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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