Wirtschaft

25 Jahre iPod: So begann Apples Siegeszug

Mit 1.000 Songs in der Tasche startete Apple vor 25 Jahren eine Revolution: Warum der iPod Musik und iPhone erst möglich machte.

22.10.2026, 05:30 Uhr

Apple präsentierte den iPod vor 25 Jahren in einer Zeit, in der viele das Gerät zunächst kaum ernst nahmen. Nach den Anschlägen vom 11. September herrschten Schock und wirtschaftliche Unsicherheit. Ausgerechnet damals brachte Apple einen MP3-Player für 399 US-Dollar auf den Markt, in Deutschland kostete er rund 500 Euro. Hinzu kam: Das Gerät war anfangs nur für Mac-Nutzer gedacht – und Apples Computer spielten mit weniger als drei Prozent Marktanteil damals nur eine Nebenrolle.

Trotz dieser skeptischen Ausgangslage wurde der erste iPod zum Startpunkt einer enorm erfolgreichen Produktfamilie. Sie gab der von Internet-Piraterie geschwächten Musikindustrie neue Impulse und prägte zugleich Apples weiteren Weg entscheidend. Tony Faddell, der als einer der wichtigsten Entwickler des iPod gilt, sagte kürzlich dem Magazin Wired, ohne den iPod hätte es niemals ein iPhone gegeben. Apple, wie man das Unternehmen heute kenne, wäre ohne dieses Gerät kaum vorstellbar.

1.000 Lieder für unterwegs

Der große Vorteil des iPod war, dass er ein echtes Problem löste. Durch das MP3-Format ließ sich Musik stark komprimieren, sodass plötzlich ganze Sammlungen mobil werden konnten. In der Praxis waren vorhandene MP3-Player jedoch oft durch wenig Speicher und umständliche Bedienung eingeschränkt.

Als Steve Jobs den ersten iPod am 23. Oktober vorstellte und ihn aus der Hosentasche zog, setzte er genau hier an: Das etwa spielkartengroße Gerät konnte rund 1.000 Songs speichern. In einer Zeit lange vor Spotify und anderen Streamingdiensten war das für viele tatsächlich eine komplette persönliche Musiksammlung in der Jackentasche.

Das Bedienkonzept als Durchbruch

Besonders machte den iPod vor allem seine einfache Steuerung. Auf dem monochromen Display konnten Nutzer ihre Musik nach Interpreten, Playlists oder Titeln durchsuchen. Für das schnelle Navigieren durch größere Sammlungen setzte Apple auf ein Drehrad mit Taste in der Mitte.

Die Grundlage dafür hatte das Unternehmen bereits mit iTunes gelegt. Mit der Software konnten CDs auf dem Mac digitalisiert und in einer Musikbibliothek organisiert werden. Sie war Teil von Steve Jobs’ Idee, den Mac zum „digitalen Zentrum“ für persönliche Medien wie Musik, Fotos und Videos zu machen. Laut Jobs entstand der iPod überhaupt erst aus dem Wunsch nach einem Gerät, das nahtlos mit dieser Software zusammenarbeitet. Bei der Präsentation sprach er zunächst ausführlich über die Programme, bevor er schließlich den Musikplayer zeigte.

Beim ersten Modell ließ sich das Rad noch mechanisch drehen. Schon mit der zweiten Generation im Jahr 2002 wechselte Apple zu einem berührungsempfindlichen Kreis, der Fingerbewegungen erkannte. Gleichzeitig kam Unterstützung für Windows-PCs hinzu – ein Schritt, der den potenziellen Markt massiv vergrößerte.

Rasante Weiterentwicklung

Rückblickend erstaunt vor allem, wie schnell Apple die iPod-Reihe ausbaute. 2003 führte die dritte Generation den später berühmten 30-Pin-Anschluss ein, den auch iPhones bis 2012 nutzten. 2004 folgte mit dem iPod mini eine günstigere, farbenfrohere Variante samt neuem Click Wheel, in das weitere Tasten integriert waren.

2005 brachte Apple den iPod Shuffle heraus, ein kleines Modell ohne Display, das auf zufällige Wiedergabe ausgelegt war. Gleichzeitig war er der erste iPod mit Flash-Speicher statt Mini-Festplatte. Ebenfalls 2005 erschien der iPod nano: extrem schlank, mit kleinem Farbdisplay.

Bis Ende 2005 verkaufte Apple bereits mehr als 40 Millionen iPods. Davon profitierten auch die Mac-Verkäufe. Mit dem iPhone von 2007 begann jedoch schrittweise der Niedergang des klassischen Musikplayers. Zwar blieb der iPod touch – im Grunde ein iPhone ohne Mobilfunk – noch bis 2022 im Programm. Doch mit der Verbreitung von Smartphones wurde ein separates Musikgerät für immer weniger Menschen interessant. Den iPod Classic mit zuletzt 160 Gigabyte Speicher stellte Apple 2014 ein, den Nano 2017.

Wie iTunes das Musikgeschäft veränderte

Zwei Jahre nach dem ersten iPod startete Apple den iTunes Music Store. Dort konnten Nutzer nicht nur komplette Alben kaufen, sondern auch einzelne Songs für 99 Cent. Dieses Modell veränderte das Musikgeschäft für Jahre. Viele Käufer wollten oft nur bestimmte Lieder hören, mussten zuvor aber ganze Alben oder teure Singles erwerben. Entsprechend stiegen die Verkäufe einzelner Titel stark an. Zugleich wurde das digitale Mixtape – auch durch die Shuffle-Funktion – populärer als je zuvor.

Nicht alle Künstler begrüßten diese Entwicklung. Manche sahen darin eine Gefahr für das Album als geschlossenes Werk. Jay-Z verweigerte sich 2007 zunächst, sein Album American Gangster im iTunes Store anzubieten. Seine Begründung: Filme würden schließlich auch nicht szenenweise verkauft, und das Album sei bewusst als Ganzes konzipiert worden.

Mit dem Siegeszug von Streaming-Abos verlor dieser Streit an Schärfe. Dienste bieten heute für eine monatliche Gebühr Zugriff auf zig Millionen Songs. Apple hielt jedoch lange am Download-Modell fest und reagierte vergleichsweise spät auf den Streaming-Boom. Um gegenüber Spotify schneller aufzuholen, kaufte der Konzern schließlich Beats – und schuf so die Grundlage für sein späteres Streaming-Angebot.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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