So viel lässt sich über den Sommer bereits sagen – und so viel bleibt offen
Wird der Sommer besonders heiß oder eher verregnet? Diese Frage beschäftigt viele Menschen jedes Jahr aufs Neue. Eine sichere Antwort gibt es noch nicht, doch einige Entwicklungen zeichnen sich bereits ab.
Was sich zum Sommer schon erkennen lässt
Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) spricht derzeit einiges dafür, dass die Monate Juni bis August wärmer ausfallen als im Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Aus den aktuellen saisonalen Klimavorhersagen ergibt sich demnach eine Wahrscheinlichkeit von etwa 62 Prozent für mehr sogenannte heiße Tage – also Tage mit Höchstwerten von über 30 Grad. Auch die Weltwetterorganisation (WMO) hält einen überdurchschnittlich warmen Sommer für durchaus wahrscheinlich.
Überraschend ist das nicht: Deutschland hat sich infolge des Klimawandels bereits um rund 2,5 Grad erwärmt und damit stärker als der globale Durchschnitt. Fachleute betonen, dass sich das Sommerklima in Europa klar verändert. Neben insgesamt höheren Temperaturen steigt auch die Wahrscheinlichkeit für extreme Hitzelagen. Analysen von Hitzewellen der vergangenen 45 Jahre zeigen zudem, dass die fünf stärksten Ereignisse allesamt in den vergangenen beiden Jahrzehnten auftraten – in den Jahren 2010, 2014, 2018, 2021 und 2022.
Auch der Blick auf den Boden zeigt ein gemischtes Bild. Nach Angaben des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung ist Deutschland insgesamt weiterhin trockener als üblich. In einigen Regionen hat sich die Lage zuletzt jedoch entspannt, etwa in Nordrhein-Westfalen und im Thüringer Becken. Das kommt vor allem der Landwirtschaft zugute, wo derzeit von stabilen Erträgen ausgegangen wird. Auch Wälder und Forstpflanzen haben sich im Frühjahr vielerorts gut entwickelt. Zugleich gibt es weiterhin Gebiete mit ausgeprägter Trockenheit, unter anderem in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Die Weltmeere sind aktuell außergewöhnlich warm. Daten der Plattform "Climate Reanalyzer" zeigen, dass die globale durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur in diesem Frühjahr an mehreren Tagen über den bisherigen Höchstwerten für diese Jahreszeit lag. Fachleute halten deshalb neue Wärmerekorde für möglich. Wärmere Meere begünstigen eine stärkere Verdunstung, und eine wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit speichern. Das erhöht das Risiko für kräftige Regenfälle. Gleichzeitig werden langanhaltende, gleichmäßige Niederschläge offenbar seltener, während Wetterextreme zunehmen.
Was sich noch nicht zuverlässig vorhersagen lässt
Trotz erhöhter Hitze-Wahrscheinlichkeit bleibt unklar, wann mögliche Hitzewellen tatsächlich auftreten könnten. Konkrete Aussagen zu einzelnen Monaten sind derzeit nicht möglich, weil die Unsicherheiten dafür zu groß sind.
Der Grund liegt in der Natur der Atmosphäre: Wetter entwickelt sich chaotisch und lässt sich deshalb nur für wenige Tage, bei stabilen Lagen höchstens für etwa zwei Wochen präzise vorhersagen. Saisonale Klimaprognosen arbeiten dagegen mit Erdsystemmodellen, die Atmosphäre, Ozeane und Landoberflächen einbeziehen und eher großräumige Entwicklungen abschätzen. Auch diese Modelle liefern jedoch keine exakten Abläufe.
Offen ist ebenso, ob der Sommer insgesamt trocken ausfällt und Wasserknappheit wieder stärker zum Thema wird. Gerade in Regionen, die schon jetzt sehr trocken sind – etwa in Teilen Bayerns –, könnte es im Laufe des Sommers eher zu Engpässen kommen, etwa für die Landwirtschaft oder andere Nutzungen. Allerdings kann sich die Lage auch entspannen, wenn in den kommenden Monaten ausreichend Niederschlag fällt. Verlässlich vorhersagen lässt sich das derzeit nicht; klar ist nur, dass das Risiko in bereits trockenen Regionen höher ist.
Auch Starkregen bleibt auf längere Sicht schwer zu berechnen. Solche Ereignisse treten oft sehr lokal und nur für kurze Zeit auf, was Prognosen zusätzlich erschwert. Zwar werden die Modelle immer leistungsfähiger und hochauflösender, doch bislang sind hier vor allem statistische Aussagen möglich.
El Niño spielt global eine Rolle – in Deutschland nur indirekt
Im weiteren Jahresverlauf rechnet die Weltwetterorganisation mit dem Auftreten von El Niño, einem natürlichen Klimaphänomen, das in mehrjährigen Abständen vorkommt. Auf Deutschland wirkt sich El Niño nach DWD-Angaben nicht direkt aus. Allerdings wurden in El-Niño-Jahren weltweit häufig besonders hohe Temperaturen gemessen. Nach Einschätzung der WMO könnte dadurch im Jahr 2027 sogar ein neuer globaler Wärmerekord möglich sein – und das bisherige Rekordjahr 2024 ablösen.
Fazit
Die Hinweise auf einen zu warmen Sommer verdichten sich. Wann Hitzeperioden kommen, ob es längere Trockenphasen gibt oder regional heftiger Starkregen auftritt, bleibt aber weiter offen. Klar ist vor allem: Die Erwärmung erhöht die Wahrscheinlichkeit für Extreme.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion