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Massengräber in Nepal: Wut wächst – Suche geht weiter

Nach der Flut greift Nepal zu einer drastischen Maßnahme gegen Seuchen – doch ausgerechnet sie bringt viele Hindus auf die Barrikaden.

31.08.2026, 07:02 Uhr

Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya hat Nepal die Suche nach Hunderten vermissten Arbeitern in schwer beschädigten Wasserkraftanlagen weiter verstärkt. Viele von ihnen werden noch in den Tunnelsystemen der Anlagen vermutet. Nach Angaben eines Vertreters des Verbands unabhängiger Stromerzeuger wurden zwölf Wasserkraftprojekte getroffen, die entweder bereits in Betrieb oder noch im Bau waren. Demnach gelten 897 Beschäftigte als nicht erreichbar, die tatsächliche Zahl könnte jedoch noch deutlich höher liegen. Bislang konnten nur wenige Arbeiter gerettet werden.

Wettlauf gegen die Zeit in den Kraftwerksanlagen

Seit Tagen versuchen Rettungskräfte unter Hochdruck, zu den vermissten Arbeitern in den betroffenen Projekten vorzudringen. Die Anlagen liegen vor allem in den Bezirken Rasuwa und Nuwakot in der an Tibet grenzenden Provinz Bagmati. Dort hat die Sturzflut nicht nur Infrastruktur zerstört, sondern auch ganze Dörfer verwüstet. Allein beim Wasserkraftwerk Upper Trishuli-1 in Rasuwa werden 576 Arbeiter vermisst.

Unterstützt werden die nepalesischen Behörden von Spezialteams aus Indien und China. Nach Angaben des Außenministeriums in Kathmandu reisen außerdem Fachleute aus Südkorea an, die bei der Tunnelrettung helfen sollen. Die Bergungsarbeiten bleiben jedoch äußerst schwierig, weil steigende Wasserstände und schlechtes Wetter den Einsatz immer wieder behindern.

Die Wasserkraftwerke sind für Nepal von großer Bedeutung, da sie eine zentrale Rolle bei der Stromversorgung und der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes spielen. Für viele Angehörige der Vermissten zählt aber vor allem jede Stunde. Der Nepalese Laxman Gurung sagte der dpa, sein Vater habe als Fahrer für eine Anlage in Rasuwa gearbeitet und werde auch fünf Tage nach der Katastrophe weiter vermisst. Die Familie gehe davon aus, dass er in einem der Tunnel eingeschlossen sein könnte. Trotz zahlreicher Hilfegesuche sei bislang nur wenig passiert.

Zahl der Toten steigt weiter

Die Zahl der bestätigten Todesopfer der Flutkatastrophe vom vergangenen Mittwoch steigt unterdessen weiter. In Nepal und Tibet wurden bislang mehr als 900 Leichen gefunden, die tatsächliche Opferzahl dürfte jedoch deutlich höher liegen. Auf beiden Seiten werden noch etwa 4.800 Menschen vermisst. Darunter sind auch Hunderte Ausländer. Das Auswärtige Amt hat nach eigenen Angaben bisher noch keinen genauen Überblick über mögliche deutsche Opfer.

Umstrittene Beisetzung in Massengräbern

In Nepal werden inzwischen die ersten Opfer der Flutkatastrophe in Massengräbern beigesetzt. Dieser Schritt ist nach Berichten lokaler Medien umstritten, weil die meisten Toten Hindus sind und nach hinduistischer Tradition eigentlich eingeäschert werden.

Die Behörden betonen jedoch, dass vor jeder Beisetzung DNA-Proben, Fotos und weitere Merkmale gesichert werden, damit Angehörige ihre Verwandten später noch identifizieren können. Ein Polizeisprecher sagte der Zeitung Kathmandu Post, oberstes Ziel bleibe, alle Opfer zu ihren Familien zurückzubringen. Wenn eine Identifizierung mit bloßem Auge aber nicht mehr möglich sei und die Leichen bereits stark verwesten, müsse man DNA-Profile erfassen und die Toten würdevoll bestatten.

In den sozialen Netzwerken löste die Entscheidung heftige Reaktionen aus. Ein Nutzer schrieb auf X, man dürfe nicht im Namen der Wissenschaft ein 3.000 Jahre altes Totenritual außer Kraft setzen. Für einen Großteil der Bevölkerung habe gerade dieses Ritual eine herausragende religiöse Bedeutung.

Risiko für die öffentliche Gesundheit

Die Bezirksverwaltung im an Indien grenzenden Distrikt Chitwan hatte bereits mitgeteilt, dass viele Leichen von den Fluten kilometerweit mitgerissen worden seien. Zahlreiche Körper seien inzwischen so stark verwest, dass eine schnelle Identifizierung kaum noch möglich sei. Fachleute warnten zugleich vor Risiken für die öffentliche Gesundheit.

Angst vor neuen Erdrutschen

Im chinesischen Teil des Katastrophengebiets versuchen Einsatzkräfte, eine wichtige Zufahrtsstraße wieder befahrbar zu machen, damit schweres Gerät in die Region gebracht werden kann. Die Arbeiten werden jedoch durch die anhaltende Gefahr neuer Erdrutsche und weiterer Überschwemmungen erschwert. Für die kommenden Tage ist erneut Regen angekündigt.

Auch die Versorgung der Überlebenden bleibt schwierig. Überschwemmungen und Erdrutsche haben zahlreiche Straßen und Brücken zerstört, darunter auch die wichtigste Verbindung zwischen Kathmandu und den südlichen Landesteilen Nepals. Zwar wurden Ausweichrouten geöffnet, doch einige davon sind schmal und ebenfalls beschädigt.

Sorge um betroffene Kinder

Hilfsorganisationen zufolge leben viele Familien in der Unglücksregion weiter in überfüllten Notunterkünften. Save the Children berichtete von zu wenigen Schlafplätzen, großer Hitze, stickiger Luft und schlechten hygienischen Bedingungen. Zudem fehle es vielerorts an Nahrung, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Wegen der Enge und der mangelhaften Hygiene könnten sich Krankheiten schnell ausbreiten.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Betroffene kurzfristig in andere Unterkünfte verlegt werden. Nach Angaben von Hilfsorganisationen belastet das vor allem Kinder zusätzlich. Tara Chettry, Länderdirektorin von Save the Children in Nepal, äußerte große Sorge um Jungen und Mädchen, die nach einer Katastrophe dieses Ausmaßes psychisch besonders verletzlich seien.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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