Der heiße Sommer hat den Gurkenanbau in Bayern deutlich geprägt. Nach Einschätzung von Patrick Scharl vom Bayerischen Bauernverband verlief die Saison zwar mengenmäßig ordentlich, brachte aber vielfach zu große Früchte hervor. Besonders gefragt seien jedoch kleinere Einlegegurken, die für die Erzeuger auch wirtschaftlich attraktiver sind. Geerntet werde je nach Witterung noch etwa ein bis zwei Wochen.
Gute Mengen, aber nicht immer die passende Größe
Scharl spricht insgesamt von einer guten Ernte bei Menge und Qualität. Entscheidend sei jedoch nicht allein die Masse, sondern auch die Sortierung nach Größen. Ein hohes Erntevolumen bedeute deshalb nicht automatisch ein erfolgreiches Jahr. Vor allem kleinere Gurken erzielten bessere Preise, ihre Ernte sei allerdings arbeitsintensiver und erfordere mehr einzelne Pflückvorgänge.
Für optimales Wachstum brauche die Gurke Sonne, Regen und nächtliche Temperaturen von über 15 Grad. Bei viel Wärme entwickelten sich die Früchte besonders schnell. Die Erntemaschinen, auch „Gurkenflieger“ genannt, fahren normalerweise alle zwei bis drei Tage über die Felder. Bei großer Hitze wachsen die Gurken in dieser Zeit jedoch stark an, sodass teils häufiger geerntet werden muss. Da die hohen Temperaturen schon im Juni einsetzten, habe die Saison von Beginn an mit vergleichsweise großen Gurken gestartet.
Mehr Bewässerung, höhere Kosten
Weil Gurken nicht nur Wärme, sondern auch viel Wasser benötigen, mussten viele Felder in diesem Sommer regelmäßig bewässert werden. Das habe die Produktionskosten zusätzlich erhöht. Schon zuvor seien die Ausgaben durch Mindestlohn, Diesel und Dünger gestiegen. Laut Scharl lassen sich diese Mehrkosten nur begrenzt an die Verbraucher weitergeben.
Beschwerden wegen Feldbewässerung
Hinzu kam in diesem außergewöhnlich trockenen Sommer ein weiteres Problem: Während der Trockenphase gingen laut Scharl bei Landratsämtern Beschwerden gegen Gurkenbauern wegen der Bewässerung ein. Da viele Felder direkt an Straßen liegen, sei die Bewässerung für die Öffentlichkeit besonders sichtbar gewesen. Gleichzeitig habe sich gezeigt, dass der sinkende Grundwasserspiegel viele Menschen beschäftigt. Scharl betont, Wasser für die Lebensmittelproduktion müsse aus seiner Sicht höher gewichtet werden als etwa für Pools oder die Autowäsche.
Starker Wettbewerb am Markt
Auch bei der Vermarktung stehen die bayerischen Gurken unter Druck. Vor allem bei kleinen Einlegegurken sei die Konkurrenz aus Ländern wie der Türkei und Indien groß. Dennoch habe der heimische Anbau große Vorteile, insbesondere durch kurze Transportwege zu den Konservenfabriken und durch die Qualität der Ware.
Niederbayern gilt als größtes zusammenhängendes Gurkenanbaugebiet Europas. Zu den Abnehmern zählen neben der verarbeitenden Industrie auch große Fast-Food-Ketten, die die Gurken unter anderem für Burger verwenden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber