DWD: Sommer 2026 war in Deutschland der zweitwärmste seit Messbeginn
Der Sommer 2026 zählt nach einer vorläufigen Auswertung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu den außergewöhnlichsten seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen. Mit einer Durchschnittstemperatur von 19,6 Grad war er in Deutschland der zweitwärmste Sommer, der hierzulande bislang offiziell gemessen wurde. Noch wärmer war nach aktuellem Stand nur der Sommer 2003 mit 19,7 Grad.
Der DWD spricht von einem Sommer, der von historischer Hitze, verbreiteter Trockenheit und außergewöhnlich viel Sonnenschein geprägt war. Gegenüber der international üblichen Referenzperiode 1961 bis 1990 lag das Temperaturmittel um 3,3 Grad höher. Als meteorologischer Sommer gilt der Zeitraum vom 1. Juni bis 31. August.
Viele Hitzetage und neue Rekorde
Auffällig war vor allem die Häufigkeit extremer Wärme. Bundesweit wurden im Mittel rund 22 heiße Tage mit mindestens 30 Grad sowie etwa fünf sehr heiße Tage mit mindestens 35 Grad registriert. Der DWD bezeichnete diese Häufung der Hitze als beispiellos. Am wärmsten war es im Ländervergleich im Saarland mit einer Durchschnittstemperatur von 21,3 Grad.
Den höchsten vorläufig gemessenen Wert des Sommers und zugleich einen neuen bundesweiten Rekord meldete Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt am 27. Juni mit 41,8 Grad. Auch in der Nacht darauf gab es einen Rekord: Im sächsischen Kubschütz sank die Temperatur in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni nicht unter 29,4 Grad. Damit wurde dort das bislang höchste nächtliche Temperaturminimum in Deutschland gemessen.
Sommer deutlich zu trocken
Neben der Hitze prägte auch die Trockenheit den Sommer. Nach DWD-Angaben fielen im bundesweiten Mittel nur rund 171 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das entsprach nur knapp 72 Prozent des langjährigen Solls von 239 Litern pro Quadratmeter.
Laut Wetterdienst begann der Sommer bereits mit einem zu trockenen Juni. Vor allem der markant niederschlagsarme Juli vergrößerte das Defizit, während der August nur regional für etwas Entlastung sorgte. Die Folgen waren vielerorts sichtbar: ausgetrocknete Böden, wenig Wasser in Flüssen und zahlreiche Waldbrände.
Der Klimafolgenforscher Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung verwies darauf, dass Bäche und Quellen insbesondere im Südwesten Deutschlands zeitweise ganz versiegt seien. Auch wichtige Wasserstraßen wie Rhein und Donau hätten Rekordtiefstände verzeichnet. Neben dem fehlenden Regen spiele dabei auch die stärkere Verdunstung durch steigende Temperaturen eine zentrale Rolle, weil dadurch weniger Wasser im Boden sowie in Oberflächengewässern und im Grundwasser ankomme.
Große regionale Unterschiede beim Regen
Regional fielen die Niederschlagsmengen sehr unterschiedlich aus. Am Alpenrand kamen örtlich mehr als 400 Liter pro Quadratmeter zusammen, während es am nördlichen Oberrhein stellenweise nur etwa 70 Liter pro Quadratmeter waren.
Die bislang höchste Tagessumme des Sommers wurde am 29. Juni in Deisenhofen im Kreis München gemessen. Dort fielen 102 Liter pro Quadratmeter innerhalb eines Tages.
Besonders markant war auch das Unwettergeschehen am 19. August: Im brandenburgischen Fürstenwalde sowie in einem Korridor vom rheinland-pfälzischen Westerwald über Mittel- und Osthessen bis nach Westthüringen traten nach DWD-Angaben gleich mehrere Tornados auf.
Einer der sonnigsten Sommer seit 1951
Auch bei der Sonnenscheindauer stach der Sommer 2026 heraus. Mit 779 Sonnenstunden zählt er nach vorläufigen Daten zu den fünf sonnigsten Sommern seit Beginn der Sonnenscheinmessungen im Jahr 1951. In Teilen Süddeutschlands summierte sich die Sonnenscheindauer regional sogar auf rund 900 Stunden.
DWD sieht klaren Einfluss des Klimawandels
Nach Angaben des Wetterdienstes zeigte eine Attributionsstudie zur Hitzewelle Ende Juni 2026, dass ein solches Ereignis ohne den Klimawandel statistisch unmöglich gewesen wäre. Solche Studien untersuchen, wie stark der menschengemachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität einzelner Extremereignisse verändert.
Der Klimaforscher Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erklärte, mit jedem weiteren Jahr werde deutlicher, wie konkret der menschgemachte Klimawandel Wetterphänomene in Europa beeinflusst und worauf sich Gesellschaften in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einstellen müssten. Das grundlegende Wissen über Ursachen und Zusammenhänge dieser Entwicklung sei seit Jahrzehnten bekannt.
Zahl der Hitzetoten deutlich gestiegen
Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) starben bis Mitte August etwa 15.800 Menschen infolge der Hitze. Davon entfielen laut RKI rund 9.600 Todesfälle auf die Extremhitze Ende Juni. Weitere 4.000 Sterbefälle wurden den hohen Temperaturen in den ersten beiden Augustwochen zugerechnet.
Der betrachtete Zeitraum reichte vom 6. April bis 16. August. Damit kamen nach Einschätzung des RKI in diesem Jahr deutlich mehr Menschen durch Hitze ums Leben als in den vergangenen mindestens zehn Jahren. Die Behörde spricht zudem von konservativen Schätzungen.
Der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, hatte dazu erklärt, viele hitzebedingte Todesfälle würden nicht entsprechend erfasst, weil auf Totenscheinen stattdessen etwa Organversagen vermerkt werde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber