Der Main führt derzeit deutlich weniger Wasser – eine Entwicklung, die der Regierung von Unterfranken Sorgen bereitet. Da nennenswerter Regen vorerst nicht erwartet wird, bleibt die Lage angespannt. Das Niedrigwasser wirkt sich inzwischen auch auf die Schifffahrt aus.
Fachleute der Bezirksregierung überwachen fortlaufend den Zustand des Flusses, etwa hinsichtlich Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt und Wassermenge. Sobald sich die Situation zuspitzt, kommt der "Alarmplan Main Gewässerökologie" zum Einsatz. Dann werden unter anderem Kommunalbehörden eingeschaltet, damit Nutzer des Flusses zu einem angepassten Verhalten angehalten werden.
Zweite Warnstufe gilt auf weiter Strecke
Nach Angaben der Würzburger Behörde ist aktuell die zweite von drei Warnstufen ausgerufen. Sie gilt auf dem Mainabschnitt von der hessischen Landesgrenze bei Kahl am Main bis nach Bamberg. Ziel der Warnung ist es, alle Nutzer für einen besonders schonenden Umgang mit der Ressource Wasser zu sensibilisieren.
Vor allem Unternehmen sollen ihre Abläufe entsprechend anpassen. Dazu kann momentan auch gehören, auf Wasserentnahmen möglichst zu verzichten.
Schifffahrt läuft weiter, aber mit Einschränkungen
Das geringe Wasseraufkommen hat auch Folgen für den Verkehr auf dem Fluss. Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Main werden Schleusen derzeit langsamer betrieben, um starke Schwankungen in den aufgestauten Flussabschnitten zu vermeiden. Wo es möglich ist, werden mehrere Schiffe gemeinsam geschleust.
Grundsätzlich bleibt die Schifffahrt auf dem Main zwar möglich, allerdings müssen sich die Besatzungen auf Wartezeiten und Verzögerungen einstellen. Auf dem Weg zum Rhein müssen Schiffe insgesamt 34 Staustufen passieren.
Hinzu kommt, dass der Verkehr zwischen Main und Rhein wegen der außergewöhnlich niedrigen Wasserstände am Rhein eingeschränkt ist. Nach Einschätzung der Behörde sind deshalb auf dem Main derzeit rund 20 bis 25 Prozent weniger Schiffe unterwegs als normalerweise. Auch Ausflugsschiffe fahren meist nicht mehr vom Main in den Rhein.
Sehr niedriger Abfluss bei Trunstadt
Besonders im Blick steht die Messstelle bei Trunstadt im Landkreis Bamberg. Dort wurde zuletzt im Drei-Tages-Mittel ein extrem niedriger Abfluss von 26,2 Kubikmetern pro Sekunde gemessen. Im langjährigen Jahresmittel liegt der Wert dort normalerweise bei etwa 110 Kubikmetern pro Sekunde.
Für das Ökosystem des Mains bedeutet der Wassermangel erheblichen Stress. Tiere und Pflanzen im Fluss leiden unter den veränderten Bedingungen. Genau deshalb soll der Alarmplan helfen, die ökologische Qualität des Gewässers zu schützen.
Verschärft wird die Situation zusätzlich dadurch, dass auch die Zuflüsse aus dem Main-Donau-Kanal reduziert werden müssen. Hintergrund ist, dass im Donauraum ebenfalls nicht mehr ausreichend Wasser vorhanden ist. Immerhin bleiben laut Bezirksregierung Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt des Mains derzeit noch im unkritischen Bereich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber