Schock im Abschlusstraining: Schlotterbeck verletzt sich schwer
Die deutsche Nationalmannschaft hat unmittelbar vor dem Nations-League-Spiel gegen Serbien den nächsten bitteren Rückschlag hinnehmen müssen. Beim Abschlusstraining in Herzogenaurach knickte Nico Schlotterbeck bei Zick-Zack-Läufen mit dem rechten Fuß um und blieb auf dem Rasen liegen. Teamkollegen und die medizinische Abteilung waren sofort bei dem Dortmunder.
Noch am selben Tag ging es für den Innenverteidiger direkt vom Trainingsplatz zur MRT-Untersuchung. Die Diagnose folgte wenig später: Das Außenband im Knöchel ist so stark beschädigt, dass Schlotterbeck nicht nur für das Spiel am Donnerstagabend (20.45 Uhr/ZDF) in München ausfällt, sondern auch am Sonntag in Griechenland fehlen wird. Der Dortmunder reist zurück zu seinem Verein.
Klopp zeigt Mitgefühl – und bleibt dennoch zuversichtlich
Für Bundestrainer Jürgen Klopp war der Vorfall der denkbar schlechteste Start in den Countdown vor seiner dritten Partie als Nationalcoach. Trotzdem wollte er sich von dem neuen Ausfall nicht aus der Spur bringen lassen. Vor dem Serbien-Spiel betonte Klopp sein großes Mitgefühl mit Schlotterbeck, sprach aber zugleich von vollem Vertrauen in den stark veränderten Kader.
Auch ein kurzer Tonausfall bei der Pressekonferenz in der Allianz Arena brachte ihn nicht aus dem Konzept. Klopp vermittelte demonstrativ Ruhe und Zuversicht. Seine Botschaft: Die Stimmung soll schnell wieder nach oben, und die Mannschaft sei bereit. Die neuen Spieler seien mit viel positiver Energie dabei, sagte der Bundestrainer, die Vorbereitung sei gut verlaufen.
Nächster Ausfall in einer ohnehin heiklen Woche
Schlotterbeck ist bereits der dritte verletzungsbedingte Ausfall binnen weniger Tage. Zuvor hatten sich schon Jamal Musiala und Kai Havertz mit Muskelverletzungen abgemeldet. Für Klopp wird die ohnehin schwierige Woche damit noch komplizierter.
Nach dem 0:1 gegen Griechenland ist die Lage rund um die DFB-Auswahl deutlich angespannter geworden. Klopp hatte bereits nach dieser Niederlage klargemacht, dass seine Mannschaft sich solche Rückschläge nicht zur Gewohnheit machen dürfe. Entsprechend wenig hat das Wiesn-Länderspiel diesmal von einer lockeren Fußball-Gaudi.
Gerade erst nach langer Pause zurück
Für Schlotterbeck ist die neue Verletzung besonders bitter. Schon bei der Weltmeisterschaft hatte sich der für Aufbau und Defensive wichtige Abwehrspieler im zweiten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste schwer am linken Knöchel verletzt. Das Turnier war für ihn sofort beendet, danach fiel er monatelang aus.
Erst kurz vor den aktuellen Länderspielen war er bei Borussia Dortmund wieder zurückgekehrt. Nun folgt der nächste Rückschlag.
Urbig debütiert – Kapitänsfrage nur teilweise geklärt
Klopp gab vor dem Serbien-Spiel nur wenige personelle Hinweise preis, zwei davon aber klar: Jonas Urbig wird im Tor sein Debüt für die Nationalmannschaft geben. Der 23-Jährige steht damit in seinem Münchner Heimstadion vor einem besonderen Abend.
Außerdem kündigte Klopp an, dass die Kapitänsbinde an den Spieler gehen wird, der in der Startelf die meisten Länderspiele aufweist. Einen Namen nannte er nicht, weil er seine Aufstellung wie gewohnt nicht öffentlich machen wollte. In Abwesenheit von Joshua Kimmich kommen dafür vor allem Serge Gnabry mit 61 Einsätzen oder Florian Wirtz mit 46 infrage.
Sehr junge und unerfahrene Startelf zeichnet sich ab
Die Personallage verschärft Klopps Planungen zusätzlich. Nach dem Wechsel vom ersten zum zweiten Kaderblock und der Abreise von Stützen wie Kimmich, Jonathan Tah und Marc-André ter Stegen deutet sich eine der jüngsten und international unerfahrensten Startformationen der DFB-Geschichte an.
Neun der 25 Akteure im Aufgebot warten noch auf ihr Länderspieldebüt. Namen wie Mika Baur, Vitaly Janelt oder Derry Scherhant sind vielen Fans bislang kaum geläufig. Baur betonte, es gehe nun vor allem darum, schnell auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, um für Donnerstag bereit zu sein.
Mit Urbig, Lennart Karl und Said El Mala setzt Klopp auf viel Frische und Entwicklungspotenzial. Ein Vorteil aus Sicht des Bundestrainers: Dieser neu zusammengesetzte Kader trägt die Niederlage gegen Griechenland nicht direkt mit sich herum.
DFB-Team in der Nations League unter Zugzwang
Sportlich ist die Lage angespannt. Nach dem 1:1 in den Niederlanden und dem 0:1 gegen Griechenland steht Deutschland mit nur einem Punkt in Gruppe 2 der Nations-League-A-Klasse unter Druck. Serbien ist zwar noch punktlos, gilt aber als unangenehmer und kampfstarker Gegner.
Damit ist das Duell in München klar ein Pflichtspiel für Klopp. Ein Erfolgserlebnis wird dringend gebraucht, damit die Debatte über ausbleibenden Fortschritt und mögliche Abstiegsgefahr nicht weiter an Fahrt gewinnt. Drei Monate nach dem WM-Debakel hatte sich der Bundestrainer den Neustart deutlich anders vorgestellt.
Wer soll die Tore machen?
Neben den Sorgen in der Defensive bleibt auch die Offensive ein Thema. 17 der 22 Feldspieler im Aufgebot haben noch kein Tor für die Nationalmannschaft erzielt. Nur Serge Gnabry mit 26 Treffern und Florian Wirtz mit 11 kommen bislang auf eine zweistellige Ausbeute im DFB-Trikot.
Gnabry wirkt nach seiner langen Verletzungspause allerdings noch nicht wie ein sicherer Startelfspieler. Deshalb richtet sich der Blick erneut auf andere Optionen. Auch Nick Woltemade wird wieder als möglicher Faktor diskutiert.
Klopp hält an seiner Idee fest
Trotz aller personellen Probleme bleibt Klopp seiner Linie treu. Sein 4-3-3 mit schnellen Flügelspielern ist weiterhin der zentrale Plan. Die Spieler sollen die Abläufe rasch verinnerlichen und ihre Vereinsform in die Nationalmannschaft übertragen.
Passend dazu hatte auch Schlotterbeck noch vor seinem Trainingsunfall betont, dass sich die Mannschaft schnell anpassen müsse, um rechtzeitig bereit zu sein. Klopp hält genau an diesem Weg fest – auch wenn er kurzfristig Risiken mit sich bringt.
Abläufe oder Resultate?
Die entscheidende Frage bleibt, wie sehr Klopp seine Spielidee über das unmittelbare Resultat stellt. Ein weiterer siegloser Auftritt würde seinen Start als Bundestrainer historisch schwach aussehen lassen: Drei Spiele ohne Sieg zum Auftakt hat in 100 Jahren keiner seiner zwölf Vorgänger erlebt.
Statistiken stehen für Klopp offiziell nicht im Vordergrund. Trotzdem ist der Druck spürbar. Auch personell könnte die Woche noch bemerkenswert werden: Der DFB steht derzeit bei 996 Nationalspielern, vier Debütanten unter Klopp in dieser Länderspielphase erscheinen realistisch.
Keine Lust auf die Mittelmaß-Debatte
Von der nach dem Griechenland-Spiel erneut aufgeflammten Diskussion über deutsches Mittelmaß will Klopp sich nicht treiben lassen. Überzogene Vergleiche mit den derzeit dominierenden Fußball-Nationen hält er für wenig hilfreich.
Stattdessen fordert er realistische Entwicklungsschritte. Entscheidend sei, dass die Mannschaft ihren eigenen Weg konsequent weitergehe. Genau deshalb bekommt das Spiel gegen Serbien nun zusätzliche Bedeutung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber