Frachtschiff mit Mercedes-Sprintern vorerst zurückgesetzt
In den Fall des im Düsseldorfer Hafen festgefahrenen Frachtschiffs ist Bewegung gekommen. Das rund 135 Meter lange und 12 Meter breite Schiff unter niederländischer Flagge war am Montag nach der Beladung mit Mercedes-Sprintern bei der Ausfahrt aus einem Hafenbecken auf eine Sandbank geraten. Der übrige Schiffsverkehr auf dem Rhein und im Hafen war davon nicht betroffen, weil nur ein einzelnes Hafenbecken blockiert war.
Am Dienstag wurde das Schiff nach Angaben des gecharterten Logistikunternehmens Mosolf mit Mühe wieder ins Hafenbecken zurückgebracht. Dort wurde ein Teil der Ladung gelöscht, damit das Schiff leichter wird und trotz des anhaltenden Niedrigwassers möglicherweise doch noch den Rhein und anschließend Rotterdam erreichen kann.
Nach Angaben von Mosolf wartet das Unternehmen nun auf Vorgaben der Wasserschutzpolizei und des Hafenmeisters, mit welchem Tiefgang und damit mit welcher Beladung das Schiff auslaufen darf. Während der Pegel am Mittwoch voraussichtlich weiter sinken soll, wird für Freitag wieder ein Anstieg erwartet.
Bergung schwierig, Streit über die Ursache
Die Bergung von der Sandbank gestaltete sich schwierig. Nach Angaben der Beteiligten scheiterten zunächst Versuche, das Schiff mithilfe einer Ankerwinde und durch Gewichtsverlagerungen wieder freizubekommen. Ein Schlepper konnte laut Wasserschutzpolizei nicht sinnvoll eingesetzt werden, weil dabei wegen des niedrigen Wasserstands eher die Gefahr bestanden hätte, das Schiff zu beschädigen.
Ein Sprecher der Neuss-Düsseldorfer Häfen vermutete, der Kapitän habe das Gewicht der Ladung möglicherweise falsch eingeschätzt. Dieser Darstellung widerspricht Mosolf jedoch. Nach Angaben des für die Disposition zuständigen Managers Jürgen Richter liegt das Problem nicht an einer zu schweren Beladung, sondern an der aus seiner Sicht unzureichend ausgebaggerten Hafeninfrastruktur. Das Wasser in den Hafenbecken sei derzeit nicht so tief wie im Rhein. Gerade in Niedrigwasserphasen müssten die Becken nach seiner Ansicht dauerhaft freigehalten werden.
Aus der misslichen Lage befreit wurde das Schiff schließlich durch ein anderes niederländisches Schiff, das sich zufällig ebenfalls im Düsseldorfer Hafen befand und auslaufen wollte. Auf Bitte des Kapitäns näherte es sich dem Frachter und drückte ihn von der Sandbank, sodass er ins Hafenbecken zurückkehren konnte.
Ein Teil der Sprinter wurde entladen
Beladen worden war das Schiff am Montag im Düsseldorfer Sprinter-Werk von Mercedes-Benz Vans. Geplant war anschließend die Fahrt nach Rotterdam. Nach Unternehmensangaben wurden die Transporter nicht beschädigt. Die Auslieferung von Mercedes-Benz Vans am Standort Düsseldorf läuft demnach weiter, weil alternative Transportwege über Bahn und Lkw genutzt werden können.
Mosolf betont zudem, dass das Schiff bereits mit reduzierter Ladung unterwegs gewesen sei. Statt der möglichen 190 Transporter seien zunächst 160 Sprinter an Bord gewesen. Nach der Rückkehr ins Hafenbecken sei die Zahl auf 110 Fahrzeuge verringert worden. Nach Darstellung des Unternehmens lag die Nutzlast mit 160 Transportern bei rund 390 Tonnen, während das Schiff grundsätzlich für deutlich höhere Lasten von bis zu 3.500 Tonnen ausgelegt sei.
Der Logistiker zeigt sich zuversichtlich, dass ein neuer Auslaufversuch gelingen kann. Sobald das Schiff den Hafen verlassen habe, werde die weitere Fahrt nach Einschätzung des Unternehmens problemlos möglich sein.
Niedrigwasser belastet Schifffahrt und Industrie
Die anhaltende Trockenheit und ausbleibende Niederschläge setzen dem Rhein und anderen Flüssen weiterhin stark zu. Wegen der niedrigen Wasserstände sind auf dem Rhein nur noch vergleichsweise wenige Frachter unterwegs, die zudem meist nur eingeschränkt beladen fahren können. Auch einige Fähren haben ihren Betrieb eingestellt.
Die Folgen treffen inzwischen auch die Industrie, weil Rohstoffe und Ersatzteile auf alternativen Wegen transportiert werden müssen und dadurch höhere Kosten entstehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Redaktion
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber