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Dürre-Alarm: Warum Deutschland austrocknet

Alarm in Deutschlands Gewässern: Flüsse und Seen trocknen dramatisch aus – und Experten warnen, das Schlimmste kommt erst noch.

05.08.2026, 05:00 Uhr

Deutschland erlebt derzeit eine ausgeprägte Trockenphase: In Rhein und Donau steht so wenig Wasser wie selten, Böden trocknen aus, Vegetation leidet, und auch für die Menschen wird Wasser an heißen Tagen immer wichtiger. Obwohl Deutschland lange als wasserreich galt, verschärft sich die Lage spürbar.

Wie ernst ist die Trockenheit?

Fachleute sprechen von einer extremen Dürre. Besonders stark betroffen ist derzeit der Süden Deutschlands, ebenso das Quellgebiet des Rheins in der Schweiz. Das zeigt sich deutlich an den Pegeln von Rhein und Donau, die teils bereits historische Tiefstände erreichen.

Auch der Dürre-Monitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung weist vor allem im Süden tiefrote Bereiche aus. Das bedeutet: In tieferen Bodenschichten ist nur noch sehr wenig Wasser verfügbar.

Nach Einschätzung der Bundesanstalt für Gewässerkunde ist die Situation außergewöhnlich. Mehrere große Flüsse wie Rhein, Donau und Elbe leiden gleichzeitig unter massivem Niedrigwasser – und das ungewöhnlich früh im Hochsommer. Normalerweise tritt die typische Niedrigwasserphase eher gegen Ende des Sommers oder erst im Herbst auf. Eine rasche Entspannung ist vorerst nicht in Sicht.

Warum führen die Flüsse so wenig Wasser?

Die Ursachen liegen in mehreren Faktoren. Zum einen ist es sehr warm, zum anderen fällt zu wenig Regen. Dadurch gelangt weniger Wasser in die Flüsse, während gleichzeitig wegen der Hitze mehr verdunstet.

Hinzu kommt ein außergewöhnlich trockenes Frühjahr. Das hat dazu geführt, dass auch die Grundwasserspeicher weniger gefüllt sind als üblich.

Niedrigwasser Donau
Rissiger Boden statt fließendem Strom: die Donau schon Mitte Juli. Quelle: Armin Weigel/dpa

Verändert hat sich zudem die Schneeschmelze. Regionen wie der Bodensee profitierten früher bis weit in den Sommer hinein von Schmelzwasser, das den See und den Rhein speiste. Dieser Effekt ist inzwischen deutlich schwächer. Laut Deutschem Wetterdienst fiel im vergangenen Winter erneut weniger Schnee als im langjährigen Mittel; insgesamt war der Winter zu trocken, mild und sonnig.

Wie kritisch ist die Lage?

Die Folgen sind bereits deutlich spürbar. Ökosysteme leiden, kleine Gewässer und Auenbereiche trocknen aus. Auch wirtschaftlich ist die Lage problematisch: Auf dem Rhein können Schiffe mancherorts nicht mehr voll beladen fahren. Das beeinträchtigt Transporte, Lieferketten und letztlich die Wertschöpfung.

Kurze Schauer oder Gewitter ändern daran kaum etwas. Sie lassen die Pegel höchstens kurzfristig steigen, insgesamt setzt sich der Abwärtstrend fort.

Ist die Trinkwasserversorgung gefährdet?

Noch gilt die Versorgung mit Trinkwasser in Deutschland als gesichert. Der größte Teil stammt aus dem Grundwasser, und die Trinkwasserversorgung hat Vorrang vor anderen Nutzungen.

Allerdings gibt es regional bereits Engpässe. Dort reagieren Kommunen mit Einschränkungen, etwa Verboten zum Befüllen privater Pools oder zum Rasensprengen.

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass auch tiefere Grundwasservorkommen letztlich durch Niederschläge gespeist werden. Längere Trockenperioden wirken sich deshalb auch hier aus, wenn auch langsamer. In den Dürrejahren 2018, 2019, 2020 und 2022 sind die Grundwasserstände in oberflächennahen Leitern teils deutlich gesunken.

Bundesumweltminister Carsten Schneider warnte bereits, dass Deutschland künftig ernsthafte Konflikte um Wasser erleben könnte. Das Land sei zwar bislang wasserreich gewesen, doch diese Ausgangslage verändere sich.

Wie steht es um die Wasserqualität?

Bei Niedrigwasser können sich unerwünschte Stoffe in Flüssen und Seen stärker konzentrieren. Das kann zusätzliche Probleme verursachen. Kritisch sind auch hohe Wassertemperaturen: Steigen sie über 25 Grad, sinkt der Sauerstoffgehalt, was für Tiere und Pflanzen im Wasser belastend ist.

An der Mosel wurde bereits die Ausbreitung gesundheitsschädlicher Blaualgen beobachtet. Generell schrumpft bei solchen Bedingungen der Lebensraum vieler Wasserorganismen.

Wird Dürre zum neuen Sommerstandard?

Nach Einschätzung von Fachleuten spricht vieles dafür, dass sich solche Entwicklungen häufen. Nicht jede Trockenperiode werde exakt so verlaufen wie die aktuelle, doch Dauer und Intensität sommerlicher Hitzephasen dürften zunehmen.

Besonders problematisch wird es, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenfallen – etwa ein trockenes Frühjahr und ein sehr heißer Sommer. Solche Kombinationen treten zunehmend auf und erfordern Anpassung.

Häufigere Hitzewellen und längere Dürrephasen gelten als Folgen des Klimawandels. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, wodurch sich Trockenperioden verlängern. Auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde rechnet damit, dass Niedrigwasserereignisse langfristig intensiver werden, weil mehr Wasser verdunstet.

Wie kann sich Deutschland anpassen?

Ein zentraler Ansatz ist, Wasser besser über das Jahr hinweg in der Landschaft zu halten. Dabei geht es etwa um die Stärkung von Feuchtgebieten, Mooren und Auen, die Wasser speichern können.

Auch in Städten gibt es Ansätze wie sogenannte Schwammstadt-Konzepte. Ziel ist, Regenwasser vor Ort zu speichern, statt es schnell über versiegelte Flächen abzuleiten.

Zugleich bleibt Flexibilität entscheidend. Denn neben Dürre gab es in den vergangenen Jahren auch schwere Hochwasser. Die Herausforderung besteht darin, mit beiden Extremen umgehen zu können.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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