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Salzburger Festspiele: Personaldrama trifft Nobel-Stars

Nach dem Führungsdrama wartet auf das Top-Festival schon die nächste Bewährungsprobe – doch jetzt soll ausgerechnet die Kunst retten.

13.07.2026, 13:47 Uhr

Salzburger Festspiele: Große Kunst und neue Spannungen hinter den Kulissen

Bei den Salzburger Festspielen sorgt in diesem Jahr nicht nur das Programm für Aufmerksamkeit. Während am Samstag mit dem Traditionsstück „Jedermann“ die Saison beginnt, stehen auch zwei Uraufführungen von Literaturnobelpreisträgern, der Opernklassiker „Carmen“ und ein prominent besetztes Konzertprogramm auf dem Spielplan. Für zusätzliche Unruhe sorgten in den vergangenen Monaten die personellen Turbulenzen an der Spitze des renommierten Festivals.

Streit um die Leitung des Festivals

Der diesjährigen Ausgabe ging ein ungewöhnlich konfliktreicher Vorlauf voraus. Im März endete die langjährige Amtszeit von Markus Hinterhäuser vorzeitig, nachdem der Konflikt mit dem Festspielkuratorium, also den Vertretern der öffentlichen Geldgeber, eskaliert war. Im Zentrum der Auseinandersetzung stand unter anderem sein Führungsstil. Hinterhäuser hatte sich in einem früheren Interview selbst als emotional und bisweilen impulsiv beschrieben.

Zur neuen Intendantin für dieses und das kommende Jahr wurde die deutsche Theaterfachfrau Karin Bergmann berufen. Damit steht erstmals eine Frau an der Spitze der Salzburger Festspiele. Bergmann betonte gegenüber der dpa, sie sei nicht nach Salzburg gekommen, um bloß eine Lücke zu verwalten. Vielmehr gehe es um eine verantwortungsvolle Managementaufgabe, in der Kommunikation, Entscheidungsstärke und Verantwortungsbewusstsein besonders gefragt seien.

Ursprünglich war Bergmann von Hinterhäuser eigentlich als neue Theaterchefin vorgesehen gewesen. Nach dem Führungswechsel warf sie ihrem Vorgänger vor, die Unwahrheit über eine angeblich lange vorbereitete Übernahme verbreitet zu haben. Öffentliche Stellungnahmen von Hinterhäuser dazu gibt es bislang nicht.

Starkes Schauspielprogramm mit prominenten Namen

So umstritten Hinterhäuser als Führungsperson zuletzt war, so unbestritten ist sein künstlerischer Einfluss. Für 2026 hinterließ er ein hochkarätiges Theaterprogramm, darunter neue Werke von Peter Handke und Elfriede Jelinek.

Handkes neues Stück „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ versteht sich als nachdenkliche Annäherung an Vergangenheit und Zukunft. Statt einer klassischen Handlung steht das genaue Wahrnehmen von Natur, Geräuschen und scheinbaren Nebensächlichkeiten im Mittelpunkt.

Jelineks Text „Unter Tieren“ richtet den Blick scharf auf Banken, Investoren und kapitalistische Mechanismen. Dabei wird auch auf Akteure wie René Benko angespielt. Figuren aus dem Tierreich – darunter Schweine, Kühe und Hasen – werden zu Stimmen der Gesellschaftskritik. Zum Ensemble gehört auch Caroline Peters, bekannt aus Produktionen wie „Mord mit Aussicht“ und „Der Vorname“.

Darüber hinaus inszeniert Ulrich Rasche Goethes „Faust“. Im „Jedermann“ übernimmt in diesem Jahr Roxane Duran neu die Rolle der Buhlschaft an der Seite von Philipp Hochmair.

Bergmann will dem Schauspiel in Salzburg zudem wieder mehr Gewicht geben. In den vergangenen Jahren sei das Theaterprogramm deutlich weniger spektakulär ausgefallen. Für das kommende Jahr kündigte sie deshalb wieder österreichische Klassiker von Autoren wie Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal oder Franz Grillparzer an. Vor allem solle das Schauspiel bei den Salzburger Festspielen nicht länger im Schatten der Oper stehen.

Oper mit „Carmen“ im Mittelpunkt

Im Opernprogramm steht vor allem Georges Bizets „Carmen“ im Fokus. Die Inszenierung verantwortet die Choreografin Gabriela Carrizo. Mit Spannung wird erwartet, wie Asmik Grigorian in der Titelrolle gemeinsam mit den übrigen Solisten und dem Tanzensemble Peeping Tom den bekannten Stoff neu interpretiert. Am Pult steht Teodor Currentzis. Der griechisch-russische Dirigent wird wegen fehlender klarer öffentlicher Distanz zu Russland kritisiert, doch in Salzburg hält man weiterhin an ihm fest.

Zu den weiteren Opernneuproduktionen zählen Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ in der Regie von Ersan Mondtag sowie Olivier Messiaens „Saint François d’Assise“, inszeniert von Romeo Castellucci.

Klassik-Stars im Konzertprogramm

Auch im Konzertbereich versammeln die Festspiele zahlreiche prominente Namen der internationalen Klassikszene. Am Klavier sind unter anderem Martha Argerich, Yuja Wang und Igor Levit zu erleben. Vor dem Hintergrund des Führungswechsels dürften zudem die beiden geplanten Klavierabende von Hinterhäuser selbst besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Festival auch ohne Salzburg-Reise erlebbar

Bis Ende August stehen 208 Aufführungen auf dem Spielplan. Aus dem Festivalbüro heißt es, der Verkauf der knapp 218.000 Eintrittskarten verlaufe hervorragend.

Wer nicht nach Salzburg reisen kann, hat dennoch Möglichkeiten, ausgewählte Produktionen zu verfolgen. Arte zeigt „Carmen“ am 8. August, 3sat sendet „Ariadne auf Naxos“ am 15. August. Mehrere Theater-Koproduktionen werden nach dem Festival außerdem andernorts weitergespielt: Handkes neues Stück kommt ans Berliner Ensemble, Molières „Menschenfeind“ ans Thalia Theater Hamburg, und Jelineks „Unter Tieren“ ist anschließend im Wiener Burgtheater zu sehen.

Offene Personalfragen und teure Ausbaupläne

Mit Bergmanns Ernennung ist die Führungsfrage allerdings nur vorläufig gelöst. Nach dem Sommer sollen Hearings für die Neubesetzung des Intendantenpostens ab Herbst 2027 stattfinden. Nach aktuellem Stand bewerben sich 17 Männer und vier Frauen auf die Position.

Auch finanziell stehen die Festspiele vor wichtigen Entscheidungen. Der geplante Ausbau der Infrastruktur wird derzeit mit 519 Millionen Euro veranschlagt. Die Festivalleitung zeigt sich zuversichtlich, dass dieser Rahmen eingehalten werden kann. Laut einer vom Magazin „Profil“ zitierten Schätzung des österreichischen Rechnungshofs könnten die Kosten jedoch auf bis zu 635 Millionen Euro steigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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