Wirtschaft

Bundesbankchef Nagel warnt: Inflation bleibt zu hoch

Ölpreis stürzt ab, Inflation sinkt – doch Nagel warnt: Warum die EZB hart bleiben muss und der Tankrabatt alles dreht.

01.07.2026, 09:51 Uhr

Bundesbankpräsident Joachim Nagel sieht trotz des kräftigen Rückgangs der Ölpreise keinen Grund für die Europäische Zentralbank (EZB), von ihrer Linie abzuweichen. Am Rande des EZB-Notenbankforums im portugiesischen Sintra sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Inflation liege weiterhin über dem angestrebten Niveau.

Die EZB hatte im Juni erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben, um die stark gestiegene Teuerung im Euroraum einzudämmen.

Mit den Hoffnungen auf eine Befriedung im Nahen Osten sind die Ölpreise inzwischen wieder auf das Niveau vor dem Iran-Krieg gefallen. Der Preis für ein Barrel Brent sank von in der Spitze rund 120 US-Dollar auf zuletzt etwa 73 Dollar. Nagel sagte, er teile die Überraschung vieler Ökonomen über Ausmaß und Tempo dieses Rückgangs. Selbst in den mildesten Szenarien der EZB sei eine solche Entwicklung nicht vorgesehen gewesen. Dennoch warnte er davor, das Bild bei der Inflation nun komplett neu zu zeichnen.

Ende des Tankrabatts dürfte Inflation in Deutschland zunächst antreiben

Für Deutschland erwartet Nagel, dass das Auslaufen des Tankrabatts die Inflation zunächst wieder nach oben treiben wird. Trotzdem halte er es für richtig, die bis Ende Juni befristete Steuersenkung auslaufen zu lassen.

Im Euroraum war die Inflation infolge des Ölpreisschocks im Mai auf 3,2 Prozent gestiegen und lag damit deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Mit den gesunkenen Energiepreisen hat der Preisdruck inzwischen nachgelassen: Im Juni fiel die Inflationsrate in Deutschland auf 2,3 Prozent, in der Eurozone insgesamt auf 2,8 Prozent.

Einige Ökonomen halten es deshalb für möglich, dass die EZB bei ihrer nächsten Zinssitzung im Juli auf eine weitere Zinserhöhung verzichtet. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte dagegen zusätzliche Zinsschritte in Aussicht gestellt.

Mit Blick auf mögliche Folgewirkungen der hohen Energiepreise auf andere Preise und die Löhne sagte Nagel, Zweitrundeneffekte seien in Deutschland bislang in der Breite kaum zu beobachten. Bleibe die Inflation jedoch länger über dem EZB-Ziel, steige auch die Wahrscheinlichkeit solcher Effekte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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