Klassikwelt trauert um Herbert Blomstedt
Die internationale Musikwelt nimmt Abschied von Herbert Blomstedt. Nachdem sein Tod am Mittwoch bekannt geworden war, folgten rasch zahlreiche Würdigungen. Der 99-jährige US-Amerikaner mit schwedischen Wurzeln galt als ältester noch aktiver Dirigent und wurde von vielen als einer der bedeutendsten Dirigenten überhaupt verehrt. Bis zuletzt wollte er auf der Bühne stehen – auch bei „seinen“ Orchestern in Leipzig und Dresden.
Blomstedt wollte bis 100 – und darüber hinaus – dirigieren
Seine Agentur teilte mit, Blomstedt habe immer wieder davon gesprochen, mindestens bis zu seinem 100. Geburtstag und darüber hinaus dirigieren zu wollen. Seine Liebe zur Musik und der Wunsch, diese mit dem Publikum zu teilen, seien ungebrochen gewesen. Zunehmende gesundheitliche Einschränkungen hätten ihm das Dirigieren zuletzt jedoch unmöglich gemacht und ihn gezwungen, seine Engagements der vergangenen Monate abzusagen.
Davon betroffen waren auch drei für September geplante Konzerte in Leipzig. Dort war Blomstedt von 1998 bis 2005 Gewandhauskapellmeister. Auch die Sächsische Staatskapelle Dresden hatte ihren Ehrendirigenten in der laufenden Saison eingeladen. In Dresden, wo er bereits von 1975 bis 1985 noch vor dem Fall der Mauer Chefdirigent gewesen war, sollte er im kommenden Februar das Konzert zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt leiten.
Würdigung eines außergewöhnlichen Künstlers
Seine Agentur am Gasteig erinnerte an Blomstedt als außergewöhnlichen Menschen, dessen Leben und Handeln durch seinen Glauben als Siebenten-Tags-Adventist geprägt gewesen seien. Seine große Lebenserfahrung und seine besondere menschliche Persönlichkeit hätten bei allen, die ihm begegneten, bleibenden Eindruck hinterlassen.
Zugleich wurde sein künstlerisches Profil hervorgehoben: Im Verlauf seiner langen Laufbahn habe sich Blomstedt mit großem Respekt vor dem Willen der Komponisten, umfassender Partiturkenntnis, herausragender Musikalität, Disziplin und Bescheidenheit die uneingeschränkte Anerkennung der Musikwelt erworben. Sein zentrales Anliegen sei stets gewesen, der Musik zu dienen.
Auch der NDR erinnert an prägende Jahre
Der Norddeutsche Rundfunk schloss sich den Beileidsbekundungen an. Blomstedt stand dem NDR-Sinfonieorchester in den Jahren 1996 und 1997 vor und blieb dem Ensemble auch danach als Gastdirigent eng verbunden. Noch im November 2025 hatte er mit den Hamburger Musikerinnen und Musikern in der Elbphilharmonie Bruckners 9. Sinfonie aufgeführt – ein umjubeltes Konzert.
NDR-Intendant Hendrik Lüneborg erklärte, Blomstedt habe mit seinem strahlenden Lächeln Wärme in jedes Konzert gebracht. Seine leidenschaftliche Hingabe zur Musik habe nicht nur das Publikum, sondern auch die Orchestermitglieder berührt. Obwohl seine Zeit als NDR-Chefdirigent kurz gewesen sei, habe er Spuren hinterlassen, die das Orchester bis heute prägten.
Enge Verbindung zu Bayern
Auch Bayerns Kunstminister Markus Blume würdigte den Verstorbenen als „Jahrhundertdirigenten“. Über viele Jahrzehnte sei Bayern für Blomstedt eine musikalische Heimat gewesen. Besonders eng und herzlich sei seine Verbindung zu den Bamberger Symphonikern gewesen, deren Entwicklung und unverwechselbaren Klang er seit den frühen 1980er-Jahren entscheidend mitgeprägt habe.
Darüber hinaus verbanden ihn langjährige künstlerische Partnerschaften mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und den Münchner Philharmonikern. Blume betonte, Blomstedt habe bis ins hohe Alter am Dirigentenpult gestanden und mit musikalischer Klarheit, ungebrochener Neugier und großer Bescheidenheit begeistert. Seine Kunst werde weiterklingen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber