Fußball

Klopp-Coup: Füllkrug zurück, Mohya vor Debüt

Überraschung im DFB-Kader: Füllkrug ist zurück – und Klopp holt einen erst 17-Jährigen. Was steckt hinter der Nominierung?

05.11.2026, 11:36 Uhr

Niclas Füllkrug kehrt nach mehr als einem Jahr in die deutsche Nationalmannschaft zurück. Bundestrainer Jürgen Klopp berief den 33 Jahre alten Angreifer von Werder Bremen für die letzten Länderspiele des Jahres am Freitag kommender Woche in Serbien und drei Tage später im Berliner Olympiastadion gegen die Niederlande.

Für die größte Überraschung im 24 Spieler umfassenden Aufgebot sorgt jedoch der erst 17 Jahre alte Wael Mohya von Borussia Mönchengladbach. Der offensive Mittelfeldspieler ist nach dem großen Debütanten-Aufgebot im September diesmal der einzige echte Neuling im A-Team.

Klopp setzt damit seinen Erneuerungskurs mit einem Mix aus jungen und erfahrenen Spielern fort. Nach dem historischen 44-Mann-Kader bei seinem Debüt ist die Auswahl nun deutlich kleiner: Genau die Hälfte der damals nominierten Profis ist beim Jahresabschluss in der Nations League nicht mehr dabei.

„Form schlägt alles andere“, begründete Klopp seine Entscheidung im Nominierungsinterview bei DFB-TV. Die Auswahl sei erneut schwierig gewesen, weil sich aus seiner Sicht sogar noch mehr Spieler empfohlen hätten.

Klopp lobt Mohya ausdrücklich

Besonders hervor hob der Bundestrainer den Gladbacher Youngster. Es gebe nicht viele 17-Jährige, die aktuell in der Bundesliga spielten, das allein sei bereits außergewöhnlich, sagte Klopp. Zugleich betonte er, Mohya mache seine Sache sehr gut. Auch die Gespräche mit dem Teenager seien hervorragend verlaufen. Mit einem Augenzwinkern ergänzte Klopp, er selbst sei mit 17 nicht so selbstbewusst gewesen – aber auch nicht so gut.

Mohya soll bei der Nationalmannschaft zunächst Erfahrungen sammeln und sich zeigen. Klopp kündigte zudem an, dieses Prinzip auf dem Weg zur EM 2028 auch mit weiteren Nachwuchsspielern fortsetzen zu wollen.

Füllkrug zurück im DFB-Kader

Fast doppelt so alt wie Mohya ist Füllkrug, der trotz zwischenzeitlich geäußerter Zweifel Klopps an dessen fußballerischem Alter wieder eine Chance erhält. Der Bundestrainer sagte dazu lächelnd, er sei nicht mit all seinen Aussagen aus Halbzeit-Interviews glücklich, bei Füllkrug habe er aber nur Fakten aufgezählt. Es sei eine Freude gewesen, die Entscheidung zu treffen – und sie dem Stürmer mitzuteilen.

Füllkrug gehörte zuletzt im September 2025 noch unter Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann zum DFB-Kader. Sein bislang letztes Länderspiel absolvierte er im Juni 2025 beim 0:2 gegen Frankreich im Spiel um Platz drei des Nations-League-Final-Four. Sein letztes Tor für Deutschland erzielte er im September 2024 beim 5:0 gegen Ungarn – also vor mehr als zwei Jahren.

Obwohl Füllkrug im Nationalteam häufig als Joker eingesetzt wurde, weist er mit 14 Toren in 24 Länderspielen weiterhin eine starke Quote auf. Auch unter Klopp dürfte er vor allem als Backup hinter Kai Havertz eingeplant sein. Für seine Rückkehr sprach vor allem seine aktuelle Form: Für Werder Bremen erzielte er zwölf Tore in zehn Pflichtspielen.

Ter Stegen als klare Nummer 1

Auf der Torwartposition legte sich Klopp ebenfalls fest: Marc-André ter Stegen geht als Nummer 1 in die beiden entscheidenden Nations-League-Partien. Ausschlaggebend sei vor allem seine größere Erfahrung im Vergleich zu den Herausforderern Jonas Urbig und Alexander Nübel.

Woltemade, Adeyemi und Raum nicht dabei

Nicht mehr dabei sind neben zahlreichen September-Neulingen – von Mika Baur bis Bambasé Conté – unter anderem die Offensivspieler Nick Woltemade und Karim Adeyemi sowie Linksverteidiger David Raum. Klopp machte jedoch deutlich, dass für alle weiter gelte: Die Tür zur Nationalmannschaft bleibe offen.

Gerade bei Woltemade bescheinigte der Bundestrainer eine grundsätzlich gute Form in einem schwierigen Umfeld bei Juventus Turin. Allerdings fehle ihm derzeit „die absolute Torgefahr“.

Verletzungsbedingt fehlen zudem die Münchner Jamal Musiala und Serge Gnabry, die wegen Muskelblessuren passen müssen.

Treu etabliert sich, weitere Neulinge bleiben dabei

Eine weitere Chance erhalten die zuletzt ebenfalls erstmals berücksichtigten Derry Scherhant und Younes Ebnoutalib. Philipp Treu hat sich für Klopp inzwischen sogar zur neuen Stammkraft auf der rechten Außenverteidigerposition entwickelt. Der Bundestrainer bezeichnete den Freiburger als Phänomen und sagte, Treu habe sich in kürzester Zeit vom kompletten Neuling zum etablierten Spieler entwickelt.

Weiterhin ohne Länderspieleinsatz im Kader stehen zudem Finn Jeltsch und Brajan Gruda, der im September nach seiner Nominierung verletzt absagen musste.

Viertelfinale als klares Ziel

In der Nations League steht die DFB-Auswahl vor entscheidenden Spielen. Deutschland liegt in Gruppe 2 der A-Liga nach vier Partien nur auf Rang drei. Die Niederlande und Griechenland haben jeweils drei Punkte mehr. Nur die ersten beiden Teams erreichen das Viertelfinale, zudem droht der Nationalmannschaft im schlechtesten Fall sogar der Abstieg aus der Top-Liga.

Klopp versammelt die Mannschaft am Montag letztmals im langjährigen DFB-Stammquartier Homeground in Herzogenaurach. Der Auftrag für den Jahresabschluss ist klar: Punkte holen und doch noch den Sprung in die K.-o.-Runde schaffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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