Bayern

Allein auf der Zugspitze: Rätsel um 17-Jährige

Bei -12 Grad im kniehohen Schnee setzte sie den Notruf ab – doch ihr Begleiter ging allein. Jetzt ermittelt die Polizei.

05.11.2026, 12:18 Uhr

Polizei ermittelt nach Bergrettung auf der Zugspitze gegen 21-Jährigen

Nach dem Rettungseinsatz für eine 17 Jahre alte Bergsteigerin auf der Zugspitze richtet sich der Blick der österreichischen Polizei auf ihren 21-jährigen Begleiter. Nach Behördenangaben soll der Mann aus Bayern die Jugendliche aus Baden-Württemberg in rund 2.500 Metern Höhe bei winterlichen Bedingungen allein im Schnee zurückgelassen haben. Gegen ihn wird nun wegen des Verdachts ermittelt, die körperliche Sicherheit eines anderen Menschen gefährdet zu haben. Das bestätigte ein Sprecher der Tiroler Polizei.

Die beiden befreundeten Bergsteiger waren laut Polizei in der Nacht zum Sonntag gegen 1.30 Uhr in Ehrwald in Tirol gestartet. Ihr Ziel war es, den Sonnenaufgang auf Deutschlands höchstem Berg an der Grenze zwischen Bayern und Tirol zu erleben. Wegen des Winterwetters scheiterte die Tour jedoch vor dem 2.962 Meter hohen Gipfel. Nach Angaben eines Bergretters herrschten Schneefall und Temperaturen von etwa minus 12 Grad. Zudem mussten sich die beiden teils durch kniehohen Schnee kämpfen.

Im Verlauf der Tour trennten sie sich schließlich. Die 17-Jährige blieb zurück und setzte einen Notruf ab, während der 21-Jährige allein den Abstieg antrat. Ob dies gemeinsam so entschieden wurde und wie die beiden ihr Verhalten schildern, wollte die Polizei mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst nicht näher erläutern.

Jugendliche unterkühlt gerettet

Die 17-Jährige wurde von österreichischen Einsatzkräften mit einem Polizeihubschrauber geborgen. Sie war unterkühlt und kam zur Untersuchung ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Nach der Erstversorgung konnte sie das Krankenhaus jedoch unverletzt wieder verlassen.

In Österreich drohen bei einer Gefährdung der körperlichen Sicherheit eines anderen Menschen bis zu drei Monate Haft.

Der Vorfall erinnert an einen tragischen Bergunfall am Großglockner im Januar 2025. Damals war eine 33 Jahre alte Bergsteigerin kurz unterhalb des höchsten Gipfels Österreichs erfroren. Ihr Begleiter hatte angegeben, sie zurückgelassen zu haben, um Hilfe zu holen.

Das Landesgericht Innsbruck sprach den Mann später wegen grob fahrlässiger Tötung schuldig. Nach Auffassung des Gerichts hatte er die Tour schlecht vorbereitet und unverantwortlich durchgeführt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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