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ESC 2027 überraschend in Burgas – das steckt dahinter

Überraschung beim ESC 2027: Nicht Sofia, sondern Burgas bekam den Zuschlag – warum ausgerechnet die Schwarzmeerstadt?

13.08.2026, 10:23 Uhr

ESC 2027 in Burgas: Schwarzmeerstadt setzt sich gegen Sofia durch

Der Eurovision Song Contest wird 2027 in Burgas am Schwarzen Meer ausgetragen. Die bulgarische Küstenstadt setzte sich im Rennen um den Austragungsort der 71. ESC-Ausgabe gegen die Hauptstadt Sofia durch. Die Entscheidung war zuvor zweimal verschoben worden.

Nach Bulgariens Sieg beim ESC 2026 mit Daras Song „Bangaranga“ wird der Wettbewerb damit erstmals in dem südosteuropäischen EU-Land ausgetragen. Statt einer Metropole wie beim diesjährigen Gastgeber Wien rückt nun eine deutlich kleinere Stadt mit maritimer Kulisse in den Mittelpunkt.

Warum fiel die Wahl auf Burgas?

Als wichtige Gründe gelten das Flair der Schwarzmeerküste, die Festivaltradition der Stadt und ihr touristisches Profil. ESC-Direktor Martin Green bezeichnete Burgas als dynamische und gastfreundliche Stadt mit starker musikalischer und kultureller Identität. Zugleich hob er hervor, die Kommune bringe Ehrgeiz, Infrastruktur und Begeisterung mit, um die ESC-Familie zu empfangen.

Burgas zählt rund 190.000 Einwohnerinnen und Einwohner und gilt als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum im Südosten Bulgariens. Dass sich die Hafenstadt gegen das deutlich größere Sofia mit rund 1,3 Millionen Menschen durchsetzen konnte, wird weiterhin als überraschend gewertet. Die Hauptstadt liegt rund 360 Kilometer westlich von Burgas.

Bürgermeister Dimitar Nikolow schwärmte von einer romantischen Region Bulgariens, die Gäste aus ganz Europa willkommen heißen wolle. Zu den bekanntesten Orten der Stadt gehört der Meeresgarten, ein etwa fünf Kilometer langer Park direkt an der Küste.

Region mit großem touristischem Potenzial

Zur Attraktivität von Burgas tragen auch umliegende Badeorte wie Nessebar, Pomorie, Sosopol und Slantschew Brjag bei, das in Deutschland besser als Sonnenstrand bekannt ist. Die Region gilt schon länger als Geheimtipp und hat sich in den vergangenen Jahren deutlich als Reiseziel profiliert.

Für Bulgarien ist der ESC deshalb mehr als nur ein Musikwettbewerb: Das Land kann sich international als Urlaubsdestination präsentieren. Medienberichten zufolge soll sich auch die Regierung in Sofia für Burgas als Austragungsort eingesetzt haben, um den teils angeschlagenen Tourismus zu beleben.

Wie groß die Erwartungen sind, zeigte sich unmittelbar nach der Standortwahl: Hotelpreise in Burgas stiegen Berichten zufolge auf mehr als 1.000 Euro pro Nacht.

Arena Burgas wohl Spielstätte des Wettbewerbs

Als wahrscheinlicher Veranstaltungsort gilt die erst 2023 eröffnete Arena Burgas. Die Halle soll sich bei Konzerten auf bis zu 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauer erweitern lassen.

Außerdem wird erwartet, dass das traditionelle „Turquoise-Carpet“-Event zum Auftakt der ESC-Woche im großen Park entlang des Strandes von Burgas stattfindet.

So sollen Fans anreisen

Auch bei der Anreise sieht sich Burgas gut aufgestellt. Der Flughafen Burgas ist nach dem Airport in Sofia der zweitfrequentierteste Flughafen Bulgariens und liegt nahe am Stadtzentrum. Aus zahlreichen europäischen Städten gibt es Direktflüge nach Burgas, zusätzlich bestehen Verbindungen ins nördlicher gelegene Warna. Möglich sind außerdem Flüge über Wien.

Für das Großereignis will Bulgaria Air zusätzliche Verbindungen organisieren. Als weitere Option gilt die Anreise über Istanbul in der benachbarten Türkei. Die Metropole liegt mit rund 320 Kilometern sogar näher an Burgas als Sofia.

Neue EBU-Regeln für Gastgeberländer

Parallel zur Standortentscheidung hat die Europäische Rundfunkunion (EBU) ihr Regelwerk für künftige Gastgeber verschärft. Demnach soll der ESC nur noch in Ländern mit stabiler Sicherheitslage stattfinden.

Ein Siegerland kommt demnach nicht mehr automatisch als Gastgeber infrage, wenn ein bewaffneter Konflikt, eine heikle geopolitische Lage oder eine andere Situation die Sicherheit oder Stabilität des Landes oder der unmittelbaren Region erheblich beeinträchtigt.

Die EBU kann dafür bei Bedarf eine unabhängige Sicherheitsbewertung der Region des Siegerlandes in Auftrag geben. Wird das betreffende Mitglied als ungeeignet eingestuft, soll ein alternativer gastgebender Rundfunksender bestimmt werden.

Debatte um möglichen Gastgeber Israel

Als möglicher Auslöser für die Neuregelung gilt die Frage, wie ein ESC mit Israel als Gastgeber organisiert werden könnte. Das Land zählt traditionell zu den starken Teilnehmern, hat den Wettbewerb bereits viermal gewonnen und belegte beim diesjährigen ESC in Wien den zweiten Platz.

Schon vor dem Wettbewerb in Wien hatten fünf Länder, darunter Spanien und Irland, den Song Contest aus Protest gegen das Vorgehen Israels in Gaza boykottiert. Beobachter sahen darin einen Hinweis darauf, wie kontrovers ein Wettbewerb in Israel verlaufen könnte.

Mindestalter steigt, Live-Gesang wird präzisiert

Weitere Änderungen betreffen die Teilnahmebedingungen. Das Mindestalter für Künstlerinnen und Künstler steigt von 16 auf 18 Jahre. Damit sollen besonders junge Menschen künftig weniger dem Druck des Wettbewerbs ausgesetzt sein.

Die EBU verweist in diesem Zusammenhang auch auf frühere Fälle: Nathalie Pâque aus Belgien trat 1989 für Frankreich im Alter von nur elf Jahren an. Kurz darauf wurde das Mindestalter von 16 Jahren eingeführt. Als Nicole 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ für Deutschland gewann, war sie 17 Jahre alt.

Zudem wurden die Regeln für den Gesang auf der Bühne präzisiert: Die Stimme des Frontsängers oder der Frontsängerin muss live zu hören sein und darf nicht von vorproduzierten Lead-Stimmen unterstützt werden. Nach Angaben der EBU soll das die Integrität der Auftritte sichern und gewährleisten, dass das Publikum den Hauptgesang bei jedem Beitrag live erlebt.

Wettbewerb mit Teilnehmern auch außerhalb Europas

Die EBU organisiert den ESC seit 1956. Sie ist ein Zusammenschluss öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten aus 57 Ländern. Voraussetzung für die Teilnahme am Song Contest ist eine Vollmitgliedschaft in der EBU.

Da sich das Sendegebiet der Organisation auch auf Nordafrika und Teile des Nahen Ostens erstreckt, können nicht nur europäische Staaten antreten. Daher sind etwa auch Länder wie Israel, Zypern, Marokko oder Tunesien grundsätzlich teilnahmeberechtigt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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