Anne Hathaway ist derzeit im Kino kaum zu übersehen: Zwar ist das Jahr erst zur Hälfte vorbei, doch bereits vier Filme mit der US-Schauspielerin sind erschienen. Nach dem Musikdrama Mother Mary, der Fortsetzung Der Teufel trägt Prada 2 und Christopher Nolans Epos Die Odyssee folgt nun ein Ausflug in deutlich ungewöhnlichere Welten: zu den Dinosauriern.
In The End of Oak Street schlägt Hathaway ganz andere Töne an als in ihren bisherigen Projekten. Das Science-Fiction-Abenteuer versetzt sie in einen amerikanischen Vorort der 1980er Jahre, wo sie plötzlich ums Überleben kämpfen muss. Ihre Rolle als entschlossene Kämpferin passt dabei zu dem Eindruck, den sie derzeit auch abseits der Leinwand hinterlässt: Hathaway zeigt bei Premieren und Presseterminen bemerkenswerte Ausdauer.
Ein Vorort wird in die Urzeit geschleudert
Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchell (It Follows) beginnt seinen Film zunächst ruhig. In der Oak Street, einer typischen Wohnstraße in einer idyllischen US-Vorstadt, kommen die Nachbarn zu einem Straßenfest zusammen. Alles wirkt harmonisch – bis auf die Ehe von Denise (Anne Hathaway) und Greg (Ewan McGregor), deren Spannungen auch den Kindern Brian (Christian Convery) und Audrey (Maisy Stella) nicht entgehen.
Doch die friedliche Fassade bröckelt rasch. Im Garten einer älteren Anwohnerin sprießt auf einmal eine uralte Pflanze, die Hitze nimmt zu, Strom und Wasser fallen aus, und immer wieder ist ein grelles Licht zu sehen.
Schließlich sorgt ein kosmisches Phänomen dafür, dass die gesamte Nachbarschaft in das Zeitalter der Dinosaurier versetzt wird. Von da an geht es nur noch darum, den riesigen Kreaturen nicht zum Opfer zu fallen. Zu sehen sind unter anderem Flugsaurier, ein Tyrannosaurus rex und weitere Raubsaurier. An einer Stelle bringt Sohn Brian die Lage auf den Punkt, als er fragt, ob dies das Ende der Welt sei.

Starke Bilder im Stil der 80er
Besonders gelungen ist die Optik des Films. The End of Oak Street setzt auf einen ausgeprägten 80er-Jahre-Look, der fast wie eine eigene kleine Zeitreise wirkt. Die Mischung erinnert an Stranger Things und Jurassic Park – ein Youtube-Kommentar zum englischen Trailer fasste das scherzhaft als „Stranger Park: Jurassic Things“ zusammen. Wer beide Stoffe mag, dürfte hier einiges finden, das gefällt.
Auch insgesamt punktet die Inszenierung. Die animierten Dinosaurier wirken überzeugend, die zahlreichen Actionszenen sind teils hart und effektvoll umgesetzt. Eindrucksvoll ist etwa ein Moment, in dem Straßen, Häuser und sogar ein Schulbus wie zerschnitten erscheinen, während dahinter eine tiefe Schlucht und dichter Wald sichtbar werden – die neue Heimat der Urzeitwesen. Ebenso funktioniert der Spannungsaufbau, wenn sich die vertraute Umgebung nach und nach unheimlich verändert.
Viel Atmosphäre, aber Schwächen in der Geschichte
Trotz der starken Bilder bleibt die Handlung des von J. J. Abrams mitproduzierten Films hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Geschichte wirkt insgesamt eher dünn, und nicht immer scheint die innere Logik besonders wichtig zu sein. Vor allem bleibt unklar, weshalb die Zeitverschiebung der Nachbarschaft überhaupt passiert.
Neben dem Abenteuer erzählt der Thriller aber auch von Familie und Zusammenhalt. Denise und Greg erkennen, dass sie nur eine Chance haben, wenn sie als Team handeln, statt sich weiter Vorwürfe zu machen. Hathaway übernimmt dabei klar die Führungsrolle: Ihre Figur bewahrt einen kühlen Kopf, trifft die vernünftigeren Entscheidungen und versucht, ihre Familie inmitten des Chaos zu schützen.
Hathaway setzt auf den Lauf ihrer Karriere
Für Hathaway, die ihr drittes Kind erwartet, ist The End of Oak Street bereits der vierte Film, der innerhalb von rund sechs Monaten veröffentlicht wurde. Und das Jahr ist noch nicht zu Ende: Im Oktober soll mit Verity – Dunkle Geheimnisse bereits der nächste Titel folgen, ein Psychothriller mit Dakota Johnson.
Das Magazin Time Out fragte mit Blick auf Hathaways derzeitige Kino-Präsenz bereits scherzhaft, ob der Star aus Der Teufel trägt Prada 2 und Die Odyssee überhaupt noch eine weitere Pressetour durchhalten könne.
Der volle Kalender erklärt sich auch dadurch, dass mehrere Produktionen schon vor längerer Zeit abgedreht wurden, aber erst jetzt ins Kino kommen. So begannen die Arbeiten an Mother Mary bereits 2023, zogen sich jedoch über längere Zeit hin.
Im Gespräch mit dem Magazin People beschrieb Hathaway ihre derzeitige Lage als ausgesprochen surreal. Zugleich machte die Oscar-Preisträgerin deutlich, dass sie diesen besonderen Moment einordnen kann: Solche Phasen gebe es in einer Karriere nicht oft und schon gar nicht für immer. Deshalb wolle sie diese Zeit bewusst genießen – und so lange wie möglich auf dieser Welle bleiben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber