Stars

Alarm in der Kultur: Mehr körperliche Übergriffe

Alarm bei Themis: In der Kulturbranche werden mehr harte Übergriffe gemeldet – und die Entwicklung wirft Fragen auf.

09.06.2026, 13:07 Uhr

Die Vertrauensstelle Themis, die Menschen aus der Kulturbranche bei Belästigung und Gewalt unterstützt, verzeichnet nach eigenen Angaben immer häufiger Fälle von körperlichen Übergriffen unter den Erstkontakten. Im Jahr 2025 führten die Fachleute demnach mehr als 600 Beratungsgespräche, darunter 105 Erstberatungen.

Themis war 2018 in Berlin im Zuge des MeToo-Skandals gegründet worden. An die Stelle können sich Beschäftigte aus Film, Fernsehen, Theater, Orchestern und der Musikbranche wenden, wenn sie sexuelle Belästigung oder Gewalt erlebt haben. Angeboten werden kostenlose juristische und psychologische Beratungen. Finanziert und getragen wird die Einrichtung unter anderem von Sendern, Branchenorganisationen und Verbänden.

Deutliche Verschiebung bei den gemeldeten Fällen

Besonders auffällig ist laut Themis die Veränderung im Verhältnis zwischen nicht-körperlichen und körperlichen Übergriffen. Bei den Erstkontakten im Jahr 2025 wurden 68 Fälle körperlicher sexueller Belästigung oder Vergewaltigung registriert. Dem standen 37 Fälle verbaler, non-verbaler oder digitaler sexueller Belästigung gegenüber.

Im Jahr 2024 sah das Bild noch anders aus: Damals wurden bei knapp 130 Erstberatungen 68 Fälle verbaler Belästigung und 61 Fälle körperlicher Belästigung oder Vergewaltigung erfasst. Auch zu Beginn von 2026 setzt sich diese Entwicklung offenbar fort: In den ersten drei Monaten meldeten sich 20 Personen wegen körperlicher Übergriffe bei der Stelle.

Themis sieht gesellschaftliche Ursachen

Themis-Präsidentin Martina Zöllner sagte der Zeit, das Verhältnis zwischen körperlichen und nicht-körperlichen Übergriffen habe sich deutlich verschoben. Dies könne auch ein Hinweis auf breitere gesellschaftliche Entwicklungen sein.

Martina Zöllner
Martina Zöllner ist seit 2025 Präsidentin der Themis Vertrauensstelle. (Archivbild) Quelle: Annette Riedl/dpa

Die geschäftsführende Vorständin Maren Lansink nannte mehrere mögliche Gründe für den Anstieg. Ihrer Einschätzung nach habe sich das gesellschaftliche Klima verschärft. Frauenfeindlichkeit trete sowohl online als auch offline offener zutage und wirke sich zunehmend auch auf den Arbeitsalltag aus.

Hinzu komme, dass die Strukturen in Teilen der Kulturbranche weiterhin problematisch seien. Abhängigkeiten, Hierarchien und die oft große körperliche Nähe an Sets und auf Bühnen böten weiterhin einen Nährboden für Übergriffe. Außerdem würden besonders jüngere Betroffene körperliche Übergriffe heute eher klar als solche benennen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen