Polizei nimmt Ermittlungen nach Attacke auf
Nach der brutalen Prügel-Attacke bei einem Bundesliga-Kampf im Judo ermittelt die Polizei wegen Körperverletzung. Der aus Georgien stammende Leipziger Gastkämpfer Akaki Japaridze soll den deutschen Olympia-Teilnehmer Timo Cavelius vom TSV Abensberg nach einer Niederlage so heftig attackiert haben, dass dieser ins Krankenhaus musste und schwere Gesichtsverletzungen erlitt.
Als die Einsatzkräfte am Samstagabend in der Leipziger Sporthalle in der Brüderstraße eintrafen, war der 24-Jährige dort nicht mehr anzutreffen. Nach bisherigen Erkenntnissen hielt er sich bereits im Hotel auf. Inzwischen soll Japaridze wieder nach Georgien zurückgekehrt sein.
Die Leipziger Polizei bestätigte am Montag, dass die Person bekannt sei. Eine akute Gefahr bestehe nicht, die Ermittlungen seien aber aufgenommen worden.
Georgischer Verband verurteilt den Vorfall scharf
Der georgische Judo-Verband hat den Vorfall nach eigenen Angaben zutiefst bedauert und sich klar von jeder Form der Gewalt distanziert. In einer Mitteilung erklärte der Verband, ein solches Verhalten widerspreche dem Geist und den Prinzipien des Judo.
Über mögliche disziplinarische Konsequenzen soll das Exekutivkomitee in Kürze beraten. Die Entscheidung wolle der Verband anschließend öffentlich mitteilen. Eine Stellungnahme von Japaridze liegt bislang nicht vor, da er nach Angaben des Verbands bisher nicht erreicht werden konnte.
Verbände prüfen weitere rechtliche und sportrechtliche Schritte
Neben den polizeilichen Ermittlungen befassen sich nun auch die zuständigen Sportverbände mit dem Fall. Der Deutsche Judo-Bund teilte mit, dass die Internationale Judo-Föderation, die Europäische Judo-Union und der georgische Verband noch am Tag des Vorfalls informiert worden seien.
Die weitere Aufarbeitung solle nun in den vorgesehenen sportrechtlichen und rechtlichen Verfahren erfolgen. Laut DJB soll dies sachlich, konsequent und auf Grundlage der vorliegenden Fakten geschehen.
Operierter Cavelius fällt für die WM aus
Für Timo Cavelius hat die Attacke gravierende Folgen. Der 29-Jährige erlitt einen Kieferbruch und verlor zwei Zähne. Nach einer Operation steht fest, dass er die Weltmeisterschaften vom 4. bis 11. Oktober in Baku verpassen wird.
Besonders schwer wiegt der Ausfall mit Blick auf die laufende Olympia-Qualifikation. Cavelius verfolgt das Ziel, sich für die Spiele 2028 in Los Angeles zu qualifizieren und nach Paris ein weiteres Mal bei Olympischen Spielen anzutreten. Beim Deutschen Judo-Bund ist er zudem als Athletenvertreter aktiv.
Eskalation nach provozierendem Jubel
Beim Bundesliga-Duell in Leipzig hatte der 8:6-Erfolg der Gastgeber gegen Serienmeister TSV Abensberg bereits festgestanden. Innerhalb einer Stunde trafen Japaridze und Cavelius zum zweiten Mal aufeinander.
Das erste Duell in der Klasse bis 90 Kilogramm hatte der Georgier für Leipzig gewonnen. Im zweiten Kampf setzte sich Cavelius durch und jubelte anschließend mit einer provokanten Geste in Richtung seines Gegners. Kurz darauf eskalierte die Situation.
TSV-Trainer Manuel Scheibel schilderte den Vorfall mit den Worten, dem Georgier seien "die Sicherungen durchgebrannt".
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber