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50 Jahre «Biene Maja»: Das wussten Fans nie

50 Jahre Biene Maja: Warum ihr ZDF-Start 1976 TV-Geschichte schrieb – und was kaum jemand über den Kultsong weiß.

08.09.2026, 06:13 Uhr

50 Jahre „Biene Maja“ im deutschen Fernsehen

Klein, gelb-schwarz gestreift, neugierig, mutig und immer für ein Abenteuer zu haben: Die Biene Maja begeistert seit Jahrzehnten Kinder und Erwachsene. Am 9. September 1976 war sie erstmals als Zeichentrickfigur im deutschen Fernsehen zu sehen, als sie an einem Donnerstagnachmittag im ZDF über den Bildschirm summte. Bis heute ist vor allem das Titellied vielen unvergessen.

Worum geht es in der Serie?

In der deutsch-österreichisch-japanischen Produktion, die zwischen 1975 und 1980 entstand, erlebt Maja zusammen mit ihrem eher gemütlichen Freund Willi in rund 100 Episoden zahlreiche Abenteuer. Sie befreit etwa den Grashüpfer Flip aus einer fleischfressenden Pflanze, gerät in das Netz der Spinne Thekla oder hilft dem Tausendfüßler Hieronimus aus schwierigen Situationen.

Maja begegnet der Welt ohne Furcht und zeigt oft mehr Entschlossenheit als Willi, dessen markante, leicht näselnde Stimme von Eberhard Storeck (1933–2015) gesprochen wurde. In einer Folge zögert Willi ängstlich vor dem Unbekannten, während Maja ihn mit ihrer typischen Direktheit herausfordert. Am Ende fasst auch er Mut und folgt ihr.

Wie viele Folgen gibt es?

Zuerst wurden 52 Folgen produziert und ausgestrahlt. In den Jahren 1979 und 1980 kamen jeweils 26 weitere Episoden dazu. Die Serie wurde später immer wieder wiederholt. Ihre Premiere hatte sie allerdings nicht in Deutschland, sondern bereits ab April 1975 in Japan beim Sender TV Asahi.

Die literarische Vorlage

Als die Fernsehserie in Deutschland anlief, war Maja als Figur längst bekannt: Waldemar Bonsels (1880–1952) hatte schon 1912 das Buch „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ veröffentlicht. Die Figur Willi kam darin allerdings noch nicht vor.

"Die Biene Maja" (Classics im ZDF)
Maja und Willi kümmern sich um Grashüpfer Flip. Quelle: -/ZDF/Studio 100 Media/dpa

Bonsels zählt zudem zu den Künstlern mit judenfeindlichen Positionen. Während der NS-Zeit veröffentlichte er antisemitische Texte und näherte sich dem Regime opportunistisch an.

Wie die TV-Serie entstand

Die Idee zur Zeichentrickserie geht auf Josef Göhlen (1931–2026) zurück, der viele Jahre das Kinder- und Jugendprogramm des ZDF leitete. Bereits zuvor hatte er die Anime-Adaption von „Wickie und die starken Männer“ angestoßen.

Der Ursprung der TV-Maja soll auf das Jahr 1974 zurückgehen: In einem Taxi in München suchten Göhlen und Herbert Hauk vom ORF nach einem Nachfolger für „Wickie“. Schließlich überzeugten sie Bonsels’ Witwe davon, dass sich Maja gut als Zeichentrickfigur eignen würde.

Die Drehbücher entwickelte der Cartoonist Marty Murphy (1933–2009) mit seinem Team in Los Angeles. Gezeichnet wurde die Serie in Japan bei Nippon Animation in Tama bei Tokio.

Göhlen erinnerte sich später, die Serie sei anfangs oft als zu kitschig kritisiert worden. Sein Anspruch sei jedoch nicht gewesen, Kinder über das Fernsehen zu erziehen, sondern sie auf gute Weise zu unterhalten. Für ihn hatte Maja auch Eigenschaften, die an Pippi Langstrumpf erinnern.

Das berühmte Titellied

Kaum ein Element ist so eng mit der Serie verbunden wie der Vorspannsong, gesungen von Karel Gott. Das Lied wurde zum Ohrwurm und zu einem festen Bestandteil vieler Feiern. Mit Zeilen wie „In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit …“ prägte es Generationen.

Der tschechische Sänger ahnte den späteren Erfolg nach eigener Aussage zunächst nicht. Später sagte er, keines seiner Konzerte in Deutschland sei ohne dieses Lied ausgekommen.

Dass gerade er den Song aufnahm, soll eher zufällig passiert sein. Laut Gott traf er seinen Freund, den Komponisten Karel Svoboda, zufällig. Aus einem geplanten Kaffee wurde ein Studiotermin — und die Aufnahme war angeblich schon nach einer halben Stunde im Kasten.

Svoboda (1938–2007) komponierte auch die Musik zu „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sowie die bekannte Titelmusik der Zeichentrickserie „Pinocchio“, deren Intro von Mary Roos gesungen wurde.

Warum die Serie bis heute beliebt ist

Die Geschichten um Maja stehen seit jeher für Offenheit, Toleranz und respektvolles Zusammenleben. So beschreibt es Michael Stumpf, heute Hauptredaktionsleiter für ZDF Kinder und Jugend. Majas Klatschmohnwelt sei bunt und vielfältig, und jede Figur dürfe dort so sein, wie sie sein wolle. Genau das mache das Format auch heute noch aktuell.

So wird das Jubiläum gefeiert

Zum 50. Jubiläum begleiten ZDF und KiKA den Klassiker mit verschiedenen Angeboten im Fernsehen und im Streaming.

Fans der alten Anime-Serie kommen bei ZDFneo auf ihre Kosten: Seit 28. August zeigt der Sender montags bis freitags früh morgens ab 6.30 Uhr jeweils zwei Folgen der ersten Staffel in chronologischer Reihenfolge. Es ist die erste Ausstrahlung der Originalserie im deutschen Free-TV seit rund 14 Jahren. Anschließend sind die etwa 25-minütigen Episoden für einige Wochen auch im ZDF-Streamingportal abrufbar.

Zwischen 2013 und 2017 entstand zudem eine modernisierte Neuauflage als computeranimierte 3D-Serie. Das Titellied dieser Version wurde von Helene Fischer gesungen. Viele Fans sehen jedoch den besonderen Charme der 70er-Jahre-Ausgabe als unerreicht an. Zahlreiche Folgen der neueren Fassung sind ebenfalls online beim ZDF verfügbar.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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