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«Wie ein KI-Agent»: Kippt Antonelli jetzt die WM?

Antonelli schockt Monza mit einer Wahnsinns-Aufholjagd – jetzt wird Italiens neuer Held schon mit F1-Legenden verglichen.

07.09.2026, 10:42 Uhr

Antonelli begeistert Monza und macht im WM-Kampf mächtig Druck

Schweißgebadet und mit Champagner bespritzt ließ sich Kimi Antonelli nach seinem spektakulären Auftritt in Monza von den Tifosi feiern. Der 20 Jahre alte Mercedes-Pilot bot bei seinem Heimrennen in Italien eine außergewöhnliche Aufholjagd und untermauerte damit eindrucksvoll seine Ambitionen im Titelrennen. Im Fahrerlager fehlen vielen inzwischen die passenden Worte für den jungen Italiener. Teamchef Toto Wolff schwärmte, Antonelli sei "über Wasser gegangen" und wirke "wie ein KI-Agent, der sich ständig verbessert und dazulernt".

Schon vor dem Rennen hatte Wolff seinen Schützling mit Ayrton Senna verglichen. Nach dem Grand Prix zog auch Ex-Weltmeister Nico Rosberg große Vergleiche. Bei Sky sagte er, Antonelli sei gefahren "wie Michael Schumacher" – fehlerlos und beeindruckend, zumal erst in seinem zweiten Formel-1-Jahr.

Von Startplatz 19 raste Antonelli noch zum Sieg. Historisch betrachtet gelang seit 1983 nur John Watson bei seinem Erfolg in den USA eine noch größere Aufholjagd von weiter hinten. Selbst lange nach dem Zieleinlauf zeigte sich Antonelli überwältigt: Er zittere noch immer, sagte Italiens neuer Sportheld. Die Gazzetta dello Sport sprach von einem der denkwürdigsten Siege der Formel-1-Geschichte.

Hamilton hadert mit Ferrari: "Viel zu spät"

Für die Konkurrenz blieb vor allem Staunen. Besonders bitter war der Tag für Ferrari-Star Lewis Hamilton, der in Monza eigentlich selbst ein Zeichen im WM-Kampf setzen wollte. Stattdessen stand Antonelli im Mittelpunkt der Emotionen rund um das Siegerpodest. Hamilton sagte anerkennend, für den jungen Italiener müsse dies das größte Gefühl überhaupt sein.

Großer Preis von Italien
Lewis Hamilton ärgerte sich erneut über die Ferrari-Strategie. Quelle: Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Dabei schien die Bühne im Land von Ferrari zunächst für den Briten bereitet. Doch während Antonelli die Strafversetzung ans Ende des Feldes nach einem unerlaubten Motorenwechsel zusätzlich anspornte, brachte der neue Ferrari-Antrieb nicht den erhofften Effekt.

Nach Rang sechs und inzwischen 76 Punkten Rückstand auf den WM-Führenden geriet Hamilton erneut in eine Diskussion über die Ferrari-Strategie. Schon wie zuletzt in Zandvoort zeigte er sich unzufrieden. Immer wieder komme dasselbe Resultat heraus, klagte der 41-Jährige, deshalb müsse sich etwas ändern. Früh im Rennen hatte ihn zudem ein harter Zweikampf mit Teamkollege Charles Leclerc zurückgeworfen.

Hamilton hätte sich schon seit Längerem gewünscht, dass Ferrari im Titelrennen klar auf ihn setzt. Nach dem enttäuschenden Rennen in Monza sieht der Rekordweltmeister seine Chancen jedoch fast dahin. Die nötigen Entscheidungen kämen "viel zu spät", sagte er – viele Wochen zu spät.

Russell verabschiedet sich von Titelhoffnungen

Auch George Russell glaubt nicht mehr an eine realistische Chance auf die Weltmeisterschaft. Der Mercedes-Pilot konnte – ähnlich wie Hamilton – keinen Nutzen daraus ziehen, dass sein Teamkollege von ganz hinten starten musste. Als Antonelli ihn kurz vor Schluss auch noch überholte, fiel es Russell sichtlich schwer, ruhig zu bleiben.

An ein Comeback im Titelrennen denke er nicht mehr, erklärte der WM-Zweite. Er akzeptiere die Lage und wolle den Rest der Saison genießen sowie versuchen, möglichst viele Rennen zu gewinnen.

Allerdings müsste Russell dafür erst einmal an Antonelli vorbei. Spätestens seit dem Triumphrausch von Monza wirkt der junge Italiener kaum zu stoppen. Dennoch bleibt er betont vorsichtig. Es stünden noch viele Rennen aus, und in der Formel 1 könne sich alles schnell ändern, sagte Antonelli. Deshalb wolle er jede sich bietende Chance nutzen.

Wolff vertraut auf Antonellis Bodenhaftung

Toto Wolff macht sich trotz des gewaltigen Hypes keine Sorgen, dass sein Fahrer auf dem Weg zum möglichen WM-Triumph die Bodenhaftung verliert. Antonelli habe eine starke Familie, die ihn davor bewahre, abzuheben, erklärte der Mercedes-Teamchef. Wenn nötig, bremse er selbst ebenfalls ein wenig – eine echte Gefahr sehe er bei ihm aber nicht.

Ein paar Momente mitten unter den euphorischen Fans nahm sich Antonelli in Monza noch, bevor der Blick schon wieder nach vorne ging. An diesen Tag werde er sich immer erinnern, versicherte er. Dann richtete er den Fokus bereits auf die kommenden Aufgaben – beginnend mit dem nächsten Grand Prix in Madrid am Sonntag um 15.00 Uhr bei RTL und Sky. Seine Botschaft klang wie eine Warnung an die Konkurrenz: Das Beste komme erst noch.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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