Sport

Wie einst Becker? Zverev holt endlich den Grand Slam!

Zverev trotzt in Paris dem Druck, beendet seinen Final-Fluch – und schreibt Tennis-Geschichte wie einst Boris Becker.

07.06.2026, 19:45 Uhr

French Open: Zverev holt in Paris seinen ersten Grand-Slam-Titel

Alexander Zverev hat sich in Paris seinen größten Traum erfüllt und erstmals einen Grand-Slam-Titel gewonnen. Nach 4:16 Stunden verwandelte der 29-Jährige im Finale der French Open gegen den Italiener Flavio Cobolli seinen zweiten Matchball, ließ sich völlig erschöpft rücklings auf den roten Sand fallen und weinte.

Bei der Siegerehrung auf dem Court Philippe Chatrier küsste Zverev den Coupe des Mousquetaires, strich zärtlich über die Trophäe und hielt sie wie ein Baby im Arm. „Jetzt ist es endlich ein Happy End“, sagte der Hamburger. In Richtung seiner Box ergänzte er: „Wir waren eine Zeit lang auch Verlierer in den entscheidenden Momenten, aber am Ende des Tages sind wir jetzt Grand-Slam-Champions – und das ist das, was zählt.“

Im Endspiel setzte sich Zverev nach einem intensiven und dramatischen Fünfsatzduell mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 gegen den 24 Jahre alten Cobolli durch. Direkt nach dem Match kümmerte er sich zunächst um seinen niedergeschlagenen Gegner, bevor er den größten Erfolg seiner Karriere feiern konnte.

Historischer Triumph für Zverev

Mit dem Sieg schrieb Zverev deutsche Tennisgeschichte. Seit Beginn der Profiära 1968 hatte kein deutscher Mann die French Open gewonnen. Zugleich ist er der erste deutsche Grand-Slam-Sieger im Herrentennis seit Boris Becker, der vor 30 Jahren die Australian Open gewann.

Für seinen ersten Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere brauchte Zverev insgesamt 41 Anläufe. Dreimal hatte er zuvor ein Major-Finale verloren, teils auf besonders bittere Art. Diesmal hielt er dem enormen Druck stand, legte sein Final-Trauma ab und verlor endgültig das Etikett des „Unvollendeten“.

Lob kam auch von Boris Becker. Bei Eurosport sagte die deutsche Tennis-Ikone: „Er hat das mehr als verdient. Das ist unglaublich, ich bin sehr stolz auf ihn.“ Auch Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte bei X und schrieb: „Was für ein außergewöhnlicher Erfolg! Diese starke Leistung begeistert ein ganzes Land.“

Für die Siegerehrung zog sich Zverev ein frisches Shirt an. Das zuvor getragene war wegen des enormen Kraftaufwands und des hohen Schweißverlustes bereits deutlich von einem Salzrand gezeichnet.

Trost für den Gegner und Feier mit dem engsten Kreis

Unmittelbar nach dem verwandelten Matchball spendete Zverev zunächst Cobolli Trost. Anschließend feierte er mit seinem engsten Umfeld, zu dem in Paris Vater, Bruder, Mutter, Oma Natalia und auch Dackel Mishka gehörten. Freundin Sophia Thomalla wollte zur Titel-Party nachreisen.

Gunst der Stunde genutzt

Der Olympiasieger von 2021 profitierte auch davon, dass einige der größten Konkurrenten früher als erwartet ausschieden oder gar nicht antreten konnten. Jannik Sinner und Novak Djokovic schieden überraschend früh aus, Titelverteidiger Carlos Alcaraz fehlte verletzt. Damit war Zverevs Chance auf den lange ersehnten Major-Triumph so groß wie nie – und er nutzte sie konsequent.

Im gesamten Turnier wurde der Hamburger seiner Favoritenrolle gerecht. Der Titel seiner Dokumentation „Der Unvollendete“ passt damit nicht mehr zu ihm. Stattdessen bestätigte sich ein Satz, der im Stade Philippe Chatrier zu lesen ist: „Victory belongs to the most tenacious“ – der Sieg gehört dem Hartnäckigsten.

Starker Auftakt im Finale

Nach seiner klaren Finalniederlage bei den Australian Open im Vorjahr hatte Zverev gesagt, er wolle nicht als bester Spieler in Erinnerung bleiben, der nie einen Grand Slam gewonnen habe. Entsprechend entschlossen startete er gegen Cobolli, der zum ersten Mal in einem Major-Finale stand.

Von Beginn an war Zverev der tonangebende Spieler. Seine Schläge waren präziser, vor allem beim Aufschlag zeigte sich ein deutlicher Klassenunterschied. Im ersten Satz nahm er seinem Gegner gleich dreimal den Service ab und dominierte klar.

Cobolli kämpft sich zurück

Cobolli, der im Halbfinale kampflos weitergekommen war, weil Matteo Arnaldi krankheitsbedingt nicht antreten konnte, wirkte anfangs mental unsicher. Der Weltranglisten-14. suchte früh den Kontakt zu seiner Box und leistete sich viele unerzwungene Fehler. So hatte Zverev zunächst wenig Mühe. In Zverevs Box fieberte auch Oma Natalia mit.

Doch das Publikum versuchte, den Italiener mit Applaus und Zurufen aufzubauen. Im zweiten Satz gewann Cobolli dadurch sichtbar Selbstvertrauen. Zverev leistete sich beim Stand von 3:3 ein schwaches Aufschlagspiel, Cobolli wurde mutiger und suchte beinahe bei jeder Gelegenheit den direkten Punktgewinn. Damit glich er nach Sätzen aus. Selbst Boris Becker zeigte sich am Mikrofon beeindruckt von Cobollis plötzlicher Steigerung.

Zverev kämpft sich trotz körperlicher Probleme zum Titel

Im dritten Durchgang stellte sich Zverev besser auf das riskante Spiel seines Gegners ein. Mit einem Break im letzten Spiel sicherte er sich den Satz. Danach wurde die Partie jedoch noch komplizierter.

Im vierten Satz ließ Zverev körperlich nach. Seine Bewegungen wirkten weniger dynamisch, der erste Aufschlag verlor an Sicherheit. Zwar stemmte er sich noch einmal gegen den Satzverlust, als Cobolli bereits zum Satzausgleich servierte, doch im Tiebreak musste er den Durchgang abgeben. Zuvor war er in einer Pause auf der Bank an den Oberschenkeln massiert worden.

Auch im entscheidenden fünften Satz war Zverev nicht mehr bei voller körperlicher Frische. Dennoch blieb er stabiler als sein Gegner. Cobolli unterliefen nun die entscheidenden Fehler, während Zverev seine Chancen bei zwei Breaks konsequent nutzte. Selbst in diesen Momenten blieb er auffallend ruhig – möglicherweise auch, um die letzten Energiereserven zu schonen.

Am Ende vollendete Zverev auf seinem Lieblingsbelag seinen langen Weg zum ersehnten Major-Titel. Dass ihm dieser Triumph ausgerechnet in Paris gelang, macht die Geschichte besonders. Auf demselben Court hatte er sich 2022 im Halbfinale gegen Rafael Nadal schwer am Fuß verletzt und war damals im Rollstuhl vom Platz gebracht worden. Vier Jahre später wurde Alexander Zverev auf dem Court Philippe Chatrier als strahlender Sieger gefeiert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen