Drei Wochen nach dem tödlichen Einsturz eines Wohnhauses in Görlitz haben Polizei und Staatsanwaltschaft neue Einzelheiten zu den festgenommenen Tatverdächtigen bekanntgegeben. Die Männer stehen im Verdacht, Rohrleitungen in dem Gebäude beschädigt oder manipuliert zu haben. Gegen sie wird wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion mit Todesfolge in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung ermittelt.
Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft
Nach Angaben der Ermittler befinden sich beide Männer in Untersuchungshaft. Nach Polizeiangaben wäre diese aber auch unabhängig vom Hauseinsturz angeordnet worden, weil gegen die Beschuldigten zudem wegen weiterer Delikte ermittelt wird. Genannt wurden unter anderem Raub, Diebstahl und Einbruch. Ein Sprecher sagte dazu, es habe sich "einiges aufsummiert".
Bei den Verdächtigen handelt es sich nach früheren Polizeiangaben um einen 27-jährigen polnischen Staatsangehörigen und einen 33-jährigen afghanischen Staatsangehörigen. Der Afghane wurde demnach bereits am 21. Mai inhaftiert, der Pole am 29. Mai. Beide sollen keinen festen beziehungsweise gemeldeten Wohnsitz haben.
Ermittlungen nach Hinweis aus Polen
Ausgangspunkt der Ermittlungen war nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft eine Meldung der polnischen Polizei, die am 20. Mai in Görlitz einging.
Verdächtige sollen gezielt nach Diebesgut gesucht haben
Nach aktuellem Ermittlungsstand hielten sich die beiden Männer am Nachmittag des 18. Mai im Umfeld des später eingestürzten Hauses auf. Sie sollen nach stehlenswertem Gut gesucht haben, darunter Fahrräder, Schrott, Kupferrohre und anderes Buntmetall.
Polizei und Staatsanwaltschaft teilten mit, die Verdächtigen hätten an mehreren Haustüren geprüft, ob sich diese öffnen lassen, um in Hausflure oder Kellerräume zu gelangen. Inzwischen sei bekannt, dass sie sich auch Zutritt zu dem Haus in der James-von-Moltke-Straße 21 verschafft hatten – jenem Gebäude, das später einstürzte.
Was nach dem Betreten des Hauses genau geschah, ist weiter unklar. Die Ermittlungen werden laut Behörden durch den Einsturz und die aufwendige Beräumung des Trümmerfelds erschwert. Eine Begehung der Kellerräume ist bislang noch nicht möglich. Nach Polizeiangaben ist genau dieser Ablauf nun Gegenstand der weiteren Ermittlungen.
Polizei sucht Zeugen und bittet auch Touristen um Hinweise
Die Polizei bittet weiterhin um Zeugenhinweise. Gesucht werden Menschen, die die beiden Verdächtigen am 18. Mai am Ort des Geschehens gesehen haben oder Angaben zu ihnen machen können. Für entscheidende Hinweise, die zur Aufklärung der Tat und zur Verurteilung der Täter führen, haben die Ermittler eine Belohnung von 5.000 Euro ausgelobt.
Nach Angaben der Behörden ist die James-von-Moltke-Straße stark frequentiert, weil sie das Görlitzer Stadtzentrum mit südlich gelegenen Stadtteilen verbindet. Deshalb richten sich die Aufrufe ausdrücklich auch an Touristen. Zudem wurden Personenbeschreibungen der beiden Verdächtigen veröffentlicht.
Drei Menschen kamen ums Leben
Bei dem Unglück am 18. Mai starben zwei Touristinnen aus Rumänien im Alter von 25 und 26 Jahren. Außerdem kam ein 48-jähriger Mann ums Leben, der aus Bulgarien stammte und auch die deutsche Staatsbürgerschaft besaß.
Nach dem Einsturz suchten Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Polizei und Rettungshundestaffeln tagelang nach den Vermissten. Teilweise arbeiteten sich die Helfer mit Schaufeln und bloßen Händen durch den riesigen Trümmerberg.
Gasexplosion weiter im Fokus
Bislang war als Ursache des Einsturzes eine Gasexplosion vermutet worden. Die Ermittler stellten klar, dass der juristische Vorwurf des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion nicht zwingend klassischen Sprengstoff voraussetzt. Für den Tatbestand genüge jede plötzliche Ausdehnung von Gasen oder Dämpfen, die eine schlagartige Kraftentfaltung verursacht. Entscheidend sei also der physikalische Vorgang der Explosion – nicht das verwendete Material.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion