Patrick Lange wollte bei seinem letzten Start auf Hawaii noch einmal alles geben. Trotz zunehmender Krämpfe versuchte der mittlerweile 40-Jährige weiterzufahren, doch nach zwei Stopps auf dem Radkurs und wachsendem Rückstand auf die Spitze war das Rennen für den Ironman-Champion von 2017, 2018 und 2024 beendet. Unter Tränen sprach Lange später von einem der bittersten Ausfälle seiner Karriere. Die Krämpfe seien einfach nicht mehr weggegangen.
"Wenn es irgendeine Möglichkeit gegeben hätte, ins Ziel zu kommen – unabhängig von der Zeit -, dann hätte ich das getan", sagte Lange im ZDF. Statt als Athlet stand er später im gelben Helfer-Shirt an einer Verpflegungsstation. Wenigstens dort wollte er etwas zurückgeben und den Athleten helfen, die es noch bis zur Ziellinie schaffen würden.
Als überraschender Sieger setzte sich der Franzose Vincent Luis in 7:47:27 Stunden durch. Dahinter folgten der Norweger Gustav Iden und der US-Amerikaner Matthew Marquardt.
Bitteres Ende auf vertrautem Terrain
Am Wendepunkt in Hawi bog Lange nicht in die 180-Grad-Kehre ein. Stattdessen fuhr er zwischen den grünen Markierungen aus dem Kurs – und verabschiedete sich damit von dem Rennen auf jener Insel, mit der ihn so viel verbindet. 2013 war er dort noch Zuschauer gewesen, 2016 schaffte er bei seinem WM-Debüt über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen direkt Rang drei – gemeinsam mit Jan Frodeno und Sebastian Kienle auf dem Podium.
Es folgten seine beiden Titelgewinne, später jedoch auch ein Ausstieg 2019 ebenfalls auf dem Rad. Fünf Jahre danach gelang ihm mit dem erneuten Triumph auf Hawaii ein Comeback, das viele kaum noch für möglich gehalten hatten. Beim ersten gemeinsamen WM-Rennen von Männern und Frauen seit 2019 und der Corona-Pandemie wollte Lange ein weiteres Mal zeigen, was noch in ihm steckt.

Doch statt eines Märchens gab es ein schmerzhaftes Déjà-vu. Trainer Benjamin Reszel sprach im ZDF-Livestream von der "Kehrseite der Medaille". Auch Ex-Hawaii-Siegerin Anne Haug nannte die Aufgabe "richtig bitter".
Starker Beginn, dann der Einbruch
Dabei hatte der Tag vielversprechend begonnen. Regen in der Nacht und am Morgen sorgte vor Kailua-Kona für unruhige Bedingungen im Wasser. Dennoch schwamm Lange von Beginn an stark mit und hielt nach dem traditionellen Kanonenschuss Anschluss an die Schnellsten.
Er kam in der Spitzengruppe aus dem Wasser und lag beim Wechsel nur zwölf Sekunden zurück. Auf dem Rad wurde der Abstand auf den zunächst führenden Deutschen Jonas Schomburg jedoch immer größer. Auch Schomburg bekam später muskuläre Probleme.
Dann der Rückschlag: Nach nur 68 Kilometern hielt Lange erstmals am Straßenrand an. "Es geht nicht", sagte er zu seinem Trainer. Immer wieder fasste er sich an den linken hinteren Oberschenkel und an den unteren Rücken. Ausgerechnet seine stärkste Disziplin, der Marathon zum Abschluss, sollte er gar nicht mehr erreichen.
Krampfprobleme schon zuvor in dieser Saison
Reszel beschrieb die Situation als besonders hart. Lange habe eine starke Krampfanfälligkeit "über die gesamte hintere Kette" gezeigt – ein Problem, das ihn in diesem Jahr bereits in Texas zur Aufgabe gezwungen hatte.
Auf Hawaii aber wollte Lange nicht kampflos aufgeben, erst recht nicht bei seinem letzten Auftritt dort. Deshalb fuhr er zunächst weiter. Kurz vor dem Wendepunkt hielt er erneut an. Bis dorthin sollte er es laut Absprache noch versuchen, um dann neu zu entscheiden.
Diese Entscheidung traf er schließlich selbst: den Kopf gesenkt, noch einmal den kleinen Anstieg hinaufgerollt, dann nach rechts abgebogen. Danach stieg er ab, schlug die Hände vors Gesicht, griff sich an den Rücken – und verschwand tief enttäuscht vom Kurs.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber