Füllkrug rettet Bremen in der Nachspielzeit einen Punkt gegen Dortmund
Borussia Dortmund hat nach der Länderspielpause erstmals in dieser Bundesliga-Saison Punkte liegen lassen – und ausgerechnet ein ehemaliger BVB-Stürmer war dafür verantwortlich. Niclas Füllkrug traf bei seiner Rückkehr an alte Wirkungsstätte in der 90.+2 Minute zum 2:2 für Werder Bremen, obwohl Dortmund zuvor bereits wie der sichere Sieger ausgesehen hatte. Nach vier Erfolgen zum Auftakt musste der BVB damit den ersten Dämpfer hinnehmen und könnte nun auch die Tabellenführung an Bayern oder Freiburg verlieren.
In eine dicke Trainingsjacke gehüllt feierte Füllkrug den Last-Minute-Punkt anschließend ausgelassen mit den Werder-Fans. "Ich mache das Tor für uns und nicht gegen sie", sagte er bei Sky. Er sei "einfach nur glücklich, dass wir hier mit einem Punkt wegfahren". Zudem lobte der Angreifer die "Wahnsinnsbereitschaft" seiner Mannschaft: "Am Ende haben wir nochmal die zweite Luft bekommen und alles rausgeholt und sind mutiger geworden."
Vor ausverkauftem Haus trennten sich die beiden Traditionsvereine unentschieden. Daniel Svensson brachte Dortmund in der 80. Minute in Front, Nico Schlotterbeck erhöhte fünf Minuten später auf 2:0. Doch Bremen gab nicht auf: Ludovit Reis verkürzte in der 88. Minute, ehe Füllkrug tief in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielte.
Zähe erste Halbzeit mit wenigen Chancen
Zum Start des fünften Spieltags brauchten beide Teams nach der fast dreiwöchigen Pause einige Zeit, um ihren Rhythmus zu finden. Dortmund bestimmte das Geschehen mit viel Ballbesitz, biss sich an den tief stehenden Bremern zunächst aber die Zähne aus. Werder lauerte auf Umschaltmomente, konnte offensiv um Füllkrug jedoch kaum Akzente setzen.
Lange blieb die Partie arm an Höhepunkten. In der ersten halben Stunde kam kein Team zu einem Torschuss. Die erste nennenswerte Gelegenheit entstand nach einer Ecke: Serhou Guirassy köpfte in der 32. Minute, stellte Bremen-Keeper Karl Hein damit jedoch nicht vor große Probleme.
Mehr Tempo kurz vor der Pause
Erst gegen Ende des ersten Durchgangs nahm das Spiel etwas Fahrt auf. Für Bremen verfehlte Reis das Dortmunder Tor mit einem flachen Abschluss nur knapp (37.). Kurz darauf setzte Marcel Sabitzer einen Freistoß aus rund 30 Metern neben das Bremer Tor (38.). Wenig später hatte Maximilian Beier die große Chance zur Führung, scheiterte aus spitzem Winkel aber an Hein, der stark reagierte (43.).
Dortmund erhöht den Druck – Nwaneri trifft vergeblich
Nach dem Seitenwechsel kam der BVB deutlich entschlossener aus der Kabine. Schlotterbeck, der nach seiner Verletzung bei der Nationalmannschaft rechtzeitig fit geworden war, prüfte Hein mit einem Distanzschuss (47.). Auch Ethan Nwaneri versuchte es wenig später aus der Entfernung, doch erneut war der Bremer Torhüter zur Stelle.
Fast im Gegenzug hätte Werder überraschend selbst in Führung gehen können. Füllkrug setzte sich gegen Joane Gadou durch, doch Gregor Kobel verhinderte mit einer Fußabwehr in höchster Not das 0:1 (54.). Danach zog Dortmund das Tempo an. Hein rettete zunächst erneut stark gegen Nwaneri (61.).
Nach der folgenden Ecke klärte Bremen erst auf der Linie, ehe Nwaneri den Nachschuss spektakulär per Fallrückzieher im Tor unterbrachte. Der Treffer zählte jedoch nicht: Wegen eines Fouls von Schlotterbeck nahm Schiedsrichter Christian Dingert das Tor zurück (62.).
Späte Wende in einem schon entschiedenen Spiel
Zehn Minuten vor dem Ende fiel dann doch die Dortmunder Führung. Nach einem Ballgewinn von Beier lief Svensson frei auf das Tor zu und vollendete zum 1:0 (80.). Nur fünf Minuten später legte Schlotterbeck nach und köpfte am zweiten Pfosten unbedrängt zum 2:0 ein.
Die Partie schien entschieden, doch Bremen schlug noch einmal zurück. Reis traf in der 88. Minute zum Anschluss und brachte die Gäste damit zurück ins Spiel. In der Nachspielzeit war es dann Füllkrug, der in der 90.+2 Minute gegen seinen Ex-Klub zum 2:2-Endstand einschob und Dortmund den sicher geglaubten Sieg entriss.
Lob für Füllkrug, Frust beim BVB
Trotz des späten Gegentreffers fand Schlotterbeck anerkennende Worte für den Bremer Stürmer. "Fülle ist Fülle, er hat ein extrem gutes Kopfballspiel und eine extrem gute Sprungkraft, das sieht man", sagte der BVB-Kapitän. Gleichzeitig haderte er mit dem ersten Remis nach zuvor vier Ligasiegen: "Wir hatten eigentlich bis zur 88. Minute alles im Griff, und dann kassierst du zwei Gegentore und gehst hier mit einem Unentschieden raus."
Anspruchsvolle Wochen für den BVB
Für Borussia Dortmund war das Heimspiel gegen Bremen der Auftakt in eine intensive Phase. Im Oktober warten auf die Schwarz-Gelben noch zahlreiche Aufgaben in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League. In der Königsklasse stehen unter anderem Auswärtsreisen nach Aserbaidschan und Norwegen auf dem Programm.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber