Fußball

Elfer-Drama! Schweiz siegt – jetzt wartet Messi

Elfmeterschock für Kolumbien! Die Schweiz schreibt Geschichte – und jetzt wartet im ersten WM-Viertelfinale seit 72 Jahren Messi.

08.07.2026, 00:53 Uhr

Kobel führt die Schweiz gegen Kolumbien ins WM-Viertelfinale – nun wartet Messi mit Argentinien

Die Schweiz hat Mitfavorit Kolumbien nach einem dramatischen Elfmeterschießen aus dem Turnier geworfen und erstmals seit 1954 wieder das Viertelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft erreicht. Nach 120 torlosen Minuten setzte sich das Team um Kapitän Granit Xhaka mit 4:3 vom Punkt durch. Den entscheidenden Strafstoß verwandelte Ruben Vargas, der früher für den FC Augsburg spielte.

Besonders im Mittelpunkt stand Gregor Kobel. Der Torhüter grinste nach dem Spiel verlegen, als er in der Interviewzone mit Oliver Kahn verglichen wurde. "Ich bin früh in Deutschland gewesen, deshalb bin ich geprägt von der Schule", sagte der 28-Jährige nach seiner starken Vorstellung in Vancouver.

Viertelfinale gegen Argentinien in Kansas City

Am Sonntag (3.00 Uhr/MESZ) trifft die Schweiz nun in Kansas City auf Argentinien und Superstar Lionel Messi. Für die Eidgenossen bietet sich die Chance, zum ersten Mal überhaupt ein WM-Halbfinale zu erreichen. Die Südamerikaner gehen allerdings favorisiert in die Partie, nachdem sie zuvor gegen Ägypten einen 0:2-Rückstand noch in ein 3:2 gedreht hatten.

Schon 2014 standen sich beide Nationen in der K.-o.-Phase einer WM gegenüber. Damals setzte sich Argentinien im Achtelfinale in Brasilien mit 1:0 durch, Messi bereitete das entscheidende Tor von Ángel Di María vor. Bei der Schweiz war Xhaka damals schon dabei. Gegen Kolumbien absolvierte der heutige Kapitän nun sein 151. Länderspiel.

Auch Manuel Akanji blickt mit Respekt, aber ohne Furcht auf das Duell mit dem Titelverteidiger. "Es ist der Titelverteidiger. Es geht nicht besser. Die Challenge wird immer noch schwieriger, aber wir sind für die Challenge bereit", sagte der 30-Jährige.

Das Spiel in Vancouver war zugleich die letzte von 26 Turnierpartien, die nicht in den USA ausgetragen wurden. Ab dem Viertelfinale zwischen Marokko und Frankreich findet der restliche Wettbewerb ausschließlich in den Vereinigten Staaten statt.

Der neue Weltmeister wird am 19. Juli in East Rutherford bei New York gekürt. FIFA-Präsident Gianni Infantino war in Vancouver im Stadion und zeigte sich auf der Tribüne mit einer ihm gereichten Ägypten-Fahne.

Kobel als Sommer-Nachfolger sofort prägend

Nach Jahren im Schatten von Yann Sommer nutzt Kobel seine erste WM als Nummer eins eindrucksvoll. Was Sommer in seiner Nationalmannschafts-Karriere verwehrt blieb, gelang seinem Nachfolger nun direkt: der Einzug in die Runde der letzten Acht.

Trainer Murat Yakin lobte seinen Keeper entsprechend deutlich. "Greg hat sich von Spiel zu Spiel reingesteigert. Er hat zwei, drei Big Saves gehabt. Das haben wir gewusst, dass er beim Elfmeter ein sehr, sehr guter Torhüter ist", sagte der Nationalcoach. Und weiter: "Wir haben uns das Ziel vorgenommen. Jedes kleine Puzzlestück hat zusammengepasst."

Schon in der regulären Spielzeit und in der Verlängerung rettete Kobel seine Mannschaft mehrfach mit starken Paraden. Die erste nennenswerte Gelegenheit hatte Kolumbien in der 21. Minute: Gustavo Puerta zog auf das lange Eck, doch Kobel parierte stark.

Gelbe Fanmassen und ein intensives Spiel

Zwar fehlten dem letzten Spiel im Stadion von Ex-Weltmeister Thomas Müller die ganz großen Namen wie Messi oder Kylian Mbappé, doch sportlich versprach das Duell viel: Beide Mannschaften hatten ihre Gruppen souverän gewonnen und waren bis dahin ungeschlagen geblieben.

Auf den Tribünen dominierte vor allem die Farbe Gelb. Schon während der Nationalhymnen sorgten die kolumbianischen Fans für eine ohrenbetäubende Stimmung. Auf dem Platz begannen beide Teams diszipliniert und mit wenigen Fehlern. Denis Zakaria und Nico Elvedi nahmen Bayerns Offensivspieler Luis Díaz weitgehend aus dem Spiel.

Die Schweiz, die auf den verletzten Johan Manzambi verzichten musste, kam zunächst seltener gefährlich vor das gegnerische Tor. Fabian Rieder, der für Manzambi in die Startelf gerückt war, probierte es nach einer halben Stunde aus spitzem Winkel, stellte Camillo Vargas damit aber nicht vor größere Probleme.

James Rodríguez bleibt blass

Kolumbiens Routinier James Rodríguez blieb erneut ohne großen Einfluss. Der 34-Jährige konnte dem Offensivspiel seiner Mannschaft trotz zentraler Rolle kaum Impulse geben und erreichte nicht mehr die Wirkung früherer Jahre. Beim historischen Lauf 2014 hatte er in der K.-o.-Phase noch sämtliche kolumbianischen Tore erzielt. Diesmal war nach 66 Minuten Schluss für ihn.

Die Schweiz kam besser aus der Pause. Rieder setzte in der 53. Minute einen Freistoß ans Außennetz. Für einige Momente wurde es auf den Rängen etwas leiser. Kolumbien erspielte sich zwar immer wieder gute Ansätze, ließ in aussichtsreichen Situationen aber die Präzision vermissen.

Verlängerung ohne Entscheidung, Akanji hadert

Lange war nicht zu erkennen, welches Team die Partie für sich entscheiden könnte. Viele Unterbrechungen prägten das torlose Spiel, das schließlich in die Verlängerung ging. Dort bot sich Davinson Sánchez nach einem Freistoß früh die Chance auf die Führung, doch sein Abschluss verfehlte das Ziel.

Noch näher kam wenig später Jhon Lucumí, der nach einer Ecke per Kopf nur die Latte traf. Kolumbien erhöhte danach den Druck deutlich, öffnete dadurch aber auch Räume. Fast hätte die Schweiz das bestraft, doch der eingewechselte Zeki Amdouni scheiterte an Torhüter Camillo Vargas.

Im Elfmeterschießen vergab auf Schweizer Seite zunächst Manuel Akanji. Der Verteidiger schoss seinen Versuch weit über das Tor und ließ danach keinen Zweifel an seiner Enttäuschung. "Mein Elfmeter war katastrophal, ich habe im letzten Moment die Entscheidung gewechselt", sagte Akanji. Mit einem Grinsen schob er hinterher: "Das war mein letzter Elfmeter."

Für Akanji war es bereits das dritte erfolglose Elfmeterschießen mit einem Fehlschuss im Schweizer Trikot nach der EM 2021 und der EM 2024. Anders als bei den Niederlagen gegen Spanien und England ging die Geschichte diesmal aber gut aus.

Kobel pariert, Kolumbien scheitert vom Punkt

Denn Kobel wurde im Nervenkrimi vom Punkt endgültig zum Matchwinner. Er hielt den Versuch des eingewechselten Cucho Hernández und löste damit eine große Jubelszene bei sich und seinen Mitspielern aus. Zudem setzte Davinson Sánchez einen weiteren kolumbianischen Elfmeter an die Latte.

Damit war der Weg frei für Vargas, der mit seinem Treffer zum 4:3 den historischen Viertelfinaleinzug perfekt machte. "Etwas Schöneres kann man als Trainer nicht erfüllen. Wir stehen hier mit einem historischen Moment", sagte ein glücklicher Yakin in der Pressekonferenz.

Kolumbiens Traum vom Titel endet überraschend früh

Für Kolumbien ist der Traum vom ersten WM-Titel damit überraschend früh beendet. Auch der zweite Viertelfinaleinzug nach 2014 wurde trotz eines intensiven und umkämpften Spiels verpasst. Die Mannschaft von Trainer Néstor Lorenzo hatte bis zum Achtelfinale ein starkes Turnier gespielt, alle vier Partien bestimmt und dabei insgesamt nur ein Gegentor kassiert.

Gegen die Schweiz blieb es zwar erneut bei einem Gegentorwert von null in 120 Minuten, doch im Elfmeterschießen reichte das nicht. "Man bezahlt für seine Fehler", stellte Lorenzo fest. Und ergänzte nüchtern: "Wir hätten ein Tor schießen sollen." Den von vielen erhofften südamerikanischen Klassiker gegen Argentinien verhinderte die Schweiz damit relativ sachlich und abgeklärt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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