Tadej Pogacar hat die erste Pyrenäen-Etappe der 113. Tour de France gewonnen und damit auch das Gelbe Trikot von Jonas Vingegaard übernommen. Der 27 Jahre alte Slowene setzte sich nach 195,9 Kilometern von Granollers in Spanien nach Les Angles in Frankreich im Sprint einer größeren Favoritengruppe durch und feierte damit bereits seinen 22. Etappensieg bei der Tour.
„In der Mitte des Rennens haben wir uns dazu entschieden, dass der Etappensieg möglich ist“, sagte Pogacar nach dem Rennen. „Ich bin sehr glücklich, dass wir die Tour so gestartet haben.“ Im Gesamtklassement liegt er nun vorn, Vingegaard folgt mit weniger als einer Sekunde Rückstand.
Vingegaard kam als Zweiter ins Ziel, Platz drei ging an den Ecuadorianer Richard Carapaz. Aus deutscher Sicht überzeugte Florian Lipowitz mit Rang sieben und vier Sekunden Rückstand. Auch in der Gesamtwertung liegt der deutsche Hoffnungsträger auf dem siebten Platz.
„Es war ein super harter Tag, der Start war super schnell. Und ich habe auch ein bisschen mit der Hitze zu kämpfen gehabt. Aber das Team hat einen super Job gemacht mit Eis und Wasser“, sagte Lipowitz der ARD.
Direkt hinter Lipowitz kam dessen Teamkollege Remco Evenepoel ins Ziel. Der Belgier ist in der Gesamtwertung nun Dritter. Red-Bull-Teamchef Ralph Denk zeigte sich zufrieden: „Die Etappe ist nicht im Hochgebirge, sondern im Mittelgebirge. Aber es ist sehr, sehr heiß gewesen. Es war ein richtiges Ekeltempo im Feld. Ich bin froh, dass sie die Etappe so gut beendet haben.“
Am Vortag hatte Pogacar seinem Edelhelfer Isaac del Toro noch den Etappensieg überlassen. Dieses Mal zog del Toro für seinen Kapitän den Sprint an und bereitete den Erfolg mit vor. „Wegen Isaac hatte ich heute etwas extra Power. Er hat heute mehr als hundert Prozent gegeben, das ganze Team eigentlich“, sagte der viermalige Toursieger.
Trotz Appell: Fans an den letzten Anstiegen
Vier Bergwertungen und 3.850 Höhenmeter mussten die Fahrer auf der ersten Bergetappe bewältigen, die zugleich die zweitlängste der diesjährigen Rundfahrt war. Der Schlussanstieg nach Les Angles war zwar nur 1,7 Kilometer lang, dennoch fiel dort die Entscheidung.
Eine große Ausreißergruppe prägte lange das Rennen. Am Ende hielt sich daraus nur noch der Franzose Alex Baudin vorn, ehe er rund zwölf Kilometer vor dem Ziel gestellt wurde. Pogacars Team leistete im Hauptfeld die entscheidende Führungsarbeit.
Wegen eines Waldbrandes in der Region hatten Veranstalter und Behörden die Fans gebeten, den letzten Streckenabschnitt in Frankreich zu meiden, damit Feuerwehr und weitere Einsatzkräfte ungehindert arbeiten können. Auch die übliche Werbekarawane fiel aus. Trotzdem standen an den letzten beiden Anstiegen zahlreiche Zuschauer. Für Anwohner wurde allerdings keine Ausgangssperre verhängt.
Bei Temperaturen um 30 Grad verlief der flache Beginn hektisch. Viele Fahrer versuchten, in die Ausreißergruppe zu kommen, darunter auch der Deutsche Georg Zimmermann. Das Hauptfeld ließ schließlich eine größere Gruppe um Mads Pedersen ziehen, kontrollierte den Abstand aber.
Norweger-Fans sorgen in Spanien für Stimmung
Noch auf spanischem Boden wartete am Col de Toses der erste Anstieg der ersten Kategorie dieser Tour. Dort sorgten norwegische Fans mit einer aus dem Fußball bekannten Ruder-Choreografie für Stimmung.
Im Anstieg zerfiel die Spitzengruppe, sechs Profis blieben vorn. Baudin sammelte die Bergpunkte. Im Hauptfeld hatte Nils Politt aus Pogacars Team ein Problem am Rad, konnte jedoch weiterfahren und nutzte die Situation später sogar, um Trinkflaschen für seine Mannschaft zu holen.
Etappe unter besonderen Bedingungen
Mit dem Grenzübertritt nach Frankreich rückte auch die angespannte Lage rund um den Waldbrand noch stärker in den Fokus. Die Etappe musste deshalb angepasst werden. Tour-Chef Christian Prudhomme hatte die Öffentlichkeit bereits am Vorabend eindringlich gebeten, sich weder nahe der Strecke noch am Zielort aufzuhalten. Er danke den Menschen, die an die Strecke kommen wollten, „im Voraus für ihr Verständnis und ihre Nachsicht“. Bei Verstößen drohte sogar eine Geldstrafe.
Der Brand war in einem schwer zugänglichen Gebirgsmassiv rund 70 Kilometer von Les Angles entfernt ausgebrochen. Nach Angaben der Behörden wurden bereits fast 4.600 Hektar erfasst, 10.000 Menschen mussten evakuiert werden. Ein Feuerwehrmann und ein Anwohner wurden schwer verletzt. Wind, große Hitze und außergewöhnlich trockene Luft fachten das Feuer zusätzlich an.
Nächste Etappe wohl bei großer Hitze
Auf der vierten Etappe zwischen Carcassonne und Foix könnten Ausreißer oder robuste Sprinter ihre Chance bekommen. Die 181,9 Kilometer lange Strecke ist hügelig, enthält aber keine Bergwertungen der beiden höchsten Kategorien. Eine besonders große Rolle dürfte erneut die Hitze spielen: Temperaturen von mehr als 40 Grad sind möglich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber