Politik

Wohngeld vor Kürzungen: Kabinett macht Ernst

Wohngeld vor dem Kahlschlag? Bauministerin Hubertz will sparen – und für Empfänger könnte es richtig bitter werden.

06.07.2026, 17:00 Uhr

Geplante Wohngeldreform: Vielen Haushalten drohen Einbußen

Empfängerinnen und Empfänger von Wohngeld müssen sich in den kommenden Jahren auf niedrigere Leistungen oder sogar den Wegfall der Unterstützung einstellen. Das Bundeskabinett hat in Berlin einen Gesetzentwurf von Bauministerin Verena Hubertz (SPD) beschlossen. Ziel ist es, die Ausgaben für das Wohngeld im Jahr 2027 um 1,5 Milliarden Euro und ab 2028 um jährlich zwei Milliarden Euro zu senken.

Der Entwurf wird nun im Bundestag beraten. Die neuen Regeln sollen zum 1. Januar 2027 gelten. Bereits erteilte Wohngeldbescheide bleiben zunächst bestehen. Kürzungen werden deshalb erst wirksam, wenn neue Bescheide ausgestellt werden. In der Regel ist dafür alle zwölf Monate ein neuer Antrag nötig.

Keine automatische Erhöhung mehr

Nach aktuellem Stand werden die geplanten Änderungen sämtliche Wohngeldhaushalte betreffen. Ein zentraler Punkt ist die Aussetzung der sogenannten Dynamisierung. Das bedeutet, dass das Wohngeld vorerst nicht mehr regelmäßig an steigende Preise und Mieten angepasst wird.

Zusätzlich soll die Heizkostenkomponente auf die Hälfte reduziert werden. Auch die Berechnungsformel für das Wohngeld soll verändert werden. Dadurch würden weniger Haushalte Anspruch auf die Leistung haben.

Vor allem Haushalte an der bisherigen oberen Einkommensgrenze sollen künftig aus dem Bezug herausfallen. Wer derzeit nur noch vergleichsweise geringe Beträge von etwa 50 bis 60 Euro monatlich erhält, könnte diese Unterstützung künftig ganz verlieren.

Bundestag
Hunderte Millionen Euro will Bauministerin Verena Hubertz (SPD) beim Wohngeld einsparen. Quelle: Elisa Schu/dpa

Weniger Geld oder Wechsel in die Grundsicherung

Auch für Haushalte, die weiterhin Wohngeld beziehen, sind niedrigere Zahlungen vorgesehen. Menschen mit sehr geringem Einkommen sollen stattdessen häufiger in die Grundsicherung wechseln.

Dort entstehen nach Einschätzung aus Regierungskreisen jedoch zusätzliche Kosten. Mehr belastet würden damit sowohl der Sozialhaushalt des Bundes als auch die Kommunen, die sich an den Unterkunftskosten beteiligen. Rechnet man diese Mehrausgaben ein, erwartet der Staat unter dem Strich Einsparungen von rund 1,16 Milliarden Euro im Jahr 2027 und ab 2028 etwa 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Millionen Haushalte betroffen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts zahlten Bund und Länder im Jahr 2024 jeweils etwa die Hälfte von insgesamt 4,7 Milliarden Euro Wohngeld an mehr als 1,2 Millionen Haushalte. Mit dem Wohngeld-Plus-Gesetz war der Kreis der Berechtigten Anfang 2023 deutlich ausgeweitet worden.

Laut Wohnungsministerium sind 44 Prozent der Wohngeldempfänger Familien. In 52 Prozent der Wohngeldhaushalte leben Rentnerinnen und Rentner.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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