Olympia

Olympia-Knall: IOC wirft Nordische Kombination raus

Olympia-Hammer nach über 100 Jahren: Diese Traditionssportart fliegt 2030 aus dem Winterspiele-Programm.

07.07.2026, 16:09 Uhr

Die Ära der Nordischen Kombination bei Olympia ist nach mehr als 100 Jahren vorerst beendet. Für die Winterspiele 2030 in den französischen Alpen gehört die traditionsreiche Sportart nicht mehr zum Wettkampfprogramm, wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Lausanne mitteilte. Bei den Winterspielen im Februar in Italien waren in der Nordischen Kombination zuletzt ausschließlich Männer startberechtigt.

Das IOC begründete den Schritt mit schwachen Publikumswerten. Nach eigenen Studien war die Nordische Kombination bei den Winterspielen 2014, 2018, 2022 und 2026 jeweils die unbeliebteste Sportart. Zudem sei die Disziplin sportlich zu stark auf wenige Länder konzentriert: Bei den vergangenen vier Winterspielen gewannen nur fünf Nationen Medaillen.

Für die Sportart ist der Beschluss ein schwerer Schlag. Verbände sowie Athletinnen und Athleten hatten jahrelang für den Verbleib im olympischen Programm gekämpft. Wäre die Nordische Kombination 2030 im Programm geblieben, hätten voraussichtlich erstmals auch Frauen teilnehmen dürfen.

DOSB-Präsident enttäuscht

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes reagierte enttäuscht auf die Entscheidung. Zugleich müsse man anerkennen, dass das IOC das olympische Programm mit Blick auf zukunftsfeste Spiele an veränderte Rahmenbedingungen anpassen müsse, sagte Thomas Weikert. Nun sei es umso wichtiger, gemeinsam mit allen Beteiligten neue Perspektiven für die Nordische Kombination zu schaffen und ihre sportliche Zukunft nachhaltig zu sichern.

Auch der Präsident des Ski-Weltverbandes Fis sprach von einer großen Enttäuschung und einer schwierigen Entscheidung für den Verband und die nationalen Verbände. Alexander Ospelt kündigte jedoch an, man werde alles daransetzen, die vom IOC benannten Probleme anzugehen, um die Nordische Kombination 2034 wieder ins olympische Programm zu bringen.

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry wandte sich ebenfalls an die Betroffenen. Man verstehe, dass die Entscheidung für die Athletinnen und Athleten enttäuschend sei. Zugleich habe es mit den Weltverbänden sehr gute Gespräche über die Erwartungen für die Zukunft gegeben. Für 2034 bestehe weiterhin eine Möglichkeit.

So werden bei den Spielen vom 1. bis 17. Februar 2030 in den französischen Alpen zwar Skispringer und Langläufer antreten, aber keine Kombinierer mehr.

Parallel-Snowboard darf aufatmen

Parallel dazu entschied das IOC, den Parallel-Riesenslalom im Snowboard entgegen jüngsten Befürchtungen im olympischen Programm zu belassen. Statt einer Streichung gibt es für die Parallel-Snowboarder sogar Zuwachs: Eine Mixed-Staffel kommt als weiteres Event hinzu.

Entsprechend groß war die Erleichterung. „Wir sind alle super happy“, sagte Sportdirektor Andreas Scheid von Snowboard Germany. Snowboarder Elias Huber kommentierte die Entscheidung mit den Worten: „Halleluja. Mir ist echt ein Riesenstein vom Herzen gefallen.“

Neu ins olympische Programm aufgenommen wurden außerdem die Single-Mixed-Staffel im Biathlon, die Mixed-Staffel im Skicross, ein Super-Team-Event der Skispringerinnen sowie Freeride – also Skifahren und Snowboarden in freiem Gelände. Im Eiskunstlauf kommt bei den Frauen mit Synchro9 ein Synchron-Wettkampf mit neun Sportlerinnen parallel auf dem Eis hinzu.

Seit 1924 Teil der Winterspiele

Die Nordische Kombination war seit der ersten Austragung der Winterspiele 1924 ununterbrochen olympisch. Frauen erhielten in dieser Sportart in all den 102 Jahren nie ein Startrecht. Bis zu diesem Jahr war sie damit die letzte Wintersportart im Olympia-Programm ohne Frauenwettbewerb.

Deutschlands beste Kombiniererin Nathalie Armbruster hatte in den vergangenen Monaten öffentlich für den Erhalt der Sportart und die Aufnahme der Frauen geworben. Während der Winterspiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo sagte sie, sie könne ihren Kindheitstraum nicht leben, obwohl sie vor Ort sei – nur weil sie eine Frau sei. Bei den nächsten Winterspielen werden nun auch die Männer nicht mehr dabei sein.

Zuschauerzahlen und Social Media als Gradmesser

Nach IOC-Angaben flossen über Jahre Kennzahlen wie TV-Quoten, Zuschauerzahlen und Reichweiten in sozialen Medien in die Bewertung ein. IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey hatte bereits im Vorfeld erklärt, man sei sich der Herausforderungen bewusst, vor denen die Nordische Kombination bei Männern und Frauen stehe.

Als weitere Schwachpunkte galten die geringe Leistungsdichte an der Spitze, wiederkehrende Siegerinnen und Sieger aus denselben Nationen sowie der späte Aufbau des Frauenbereichs. Einen Weltcup für Frauen gibt es erst seit 2020 – 37 Jahre nach Einführung der Männer-Serie.

Die entscheidenden Daten von den Winterspielen in Italien im Februar gaben laut IOC letztlich den Ausschlag – gegen die Nordische Kombination.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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