Olympia

IOC krempelt Olympia-Vergabe komplett um

Olympia 2036 wackelt? Das IOC ändert überraschend die Regeln – Deutschlands Planer müssen umdenken, entschieden wird erst 2029.

24.06.2026, 15:10 Uhr

IOC reformiert Vergabe künftiger Olympischer Spiele

Gut drei Monate vor der Entscheidung über den deutschen Bewerber für eine Olympia-Kandidatur hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Modus zur Vergabe kommender Spiele geändert. Künftig wird der Auswahlprozess um eine zusätzliche Prüfphase erweitert. Außerdem sollen die IOC-Mitglieder bei der endgültigen Wahl des Austragungsortes wieder stärker mitentscheiden. Nach den neuen Regeln würden die Sommerspiele 2036, für die sich auch Deutschland interessiert, erst Mitte 2029 vergeben.

Der einstimmige Beschluss auf der außerordentlichen IOC-Generalversammlung in Lausanne könnte die Auswahl des deutschen Kandidaten zusätzlich beeinflussen. Möglich ist, dass der kürzere Zeitraum zwischen Zuschlag und Eröffnung jenen Bewerbern Vorteile verschafft, die bereits auf viele vorhandene Sportstätten zurückgreifen können und Erfahrung mit großen internationalen Veranstaltungen haben – ein Punkt, der auch für Deutschland sprechen könnte.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 26. September bei einer Sonder-Mitgliederversammlung in Baden-Baden, ob Berlin, München oder die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Zentrum ins Rennen geschickt wird. Beim IOC hat der DOSB sein Interesse an einer Bewerbung für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bereits offiziell hinterlegt.

Neue IOC-Präsidentin justiert Bachs Vergabemodell nach

Das IOC-Verfahren zur Vergabe Olympischer Spiele war in der Vergangenheit immer wieder kritisiert worden. Mehrere Entscheidungen standen im Schatten von Korruptionsaffären. Unter dem früheren IOC-Präsidenten Thomas Bach hatte die Organisation 2019 zwei Kommissionen eingesetzt, die seither Gespräche mit Bewerbern führten und die Vorentscheidung für einen Kandidaten trafen.

Kritiker hielten auch dieses Modell für wenig transparent, weil nur ein kleiner Kreis innerhalb des IOC maßgeblich beteiligt war. Spätestens mit dem Wechsel an der Spitze von Bach zu Kirsty Coventry wurden deshalb Forderungen lauter, die gesamte IOC-Mitgliedschaft wieder stärker in den Vergabeprozess einzubinden.

Der IOC-Sondergipfel hat nun eine weitere Reform beschlossen. Auf den bereits laufenden „kontinuierlichen Dialog“ mit interessierten Bewerbern – an dem auch der DOSB teilnimmt – folgt künftig eine zusätzliche Phase, der sogenannte „strategische Dialog“. In diesem Abschnitt müssen Bewerber detailliertere Konzepte und finanzielle Garantien vorlegen. Anschließend trifft die IOC-Führung eine Vorauswahl der Kandidaten, mit denen vertieft über die Ausrichtung verhandelt wird. Die Finalisten stellen sich danach allen IOC-Mitgliedern zur Wahl.

Nach IOC-Angaben sollen die Reformen möglichen Gastgebern helfen, ihre Projekte kosteneffizienter umzusetzen, Regierungen mehr Planungssicherheit zu geben und zugleich ausreichend Zeit zu schaffen, um Unterstützung in der Bevölkerung zu gewinnen.

Zeitplan für 2036 und Konkurrenz aus Asien

Für die Vergabe der Sommerspiele 2036 soll die erste Vorauswahl im März 2027 abgeschlossen sein. Die weiteren Verfahrensschritte würden dann bis Ende 2028 laufen, ehe eine IOC-Session Mitte 2029 über den Gastgeber entscheidet.

Als aussichtsreiche Interessenten für 2036 wurden zuletzt immer wieder Katar und Indien genannt. Sollte das IOC nach Paris 2024, Los Angeles 2028 und Brisbane 2032 erneut einem Bewerber aus Asien den Vorzug geben, müsste Deutschland womöglich auf 2040 hoffen. Für diesen Jahrgang haben auch die Türkei und Ungarn Interesse bekundet. Zudem könnten der Norden Großbritanniens und Madrid in den Wettbewerb einsteigen.

Der DOSB sieht sich im internationalen Vergleich dennoch gut aufgestellt. Die drei verbliebenen deutschen Kandidaten haben ihre Konzepte über Monate hinweg ausgearbeitet; aktuell werden die Pläne von Mitgliedsverbänden und der Athletengemeinschaft bewertet.

München und Nordrhein-Westfalen sicherten sich bei Bürgerentscheiden Rückhalt für eine Olympia-Bewerbung, Berlin verabschiedete einen entsprechenden Beschluss im Abgeordnetenhaus. Hamburg war dagegen nach einem negativen Bürgervotum aus dem nationalen Wettbewerb ausgeschieden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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