Zverev setzt auf Einfachheit – und einen starken Aufschlag
Alexander Zverev ist auf dem Tennisplatz keiner für besondere Rituale. Nach verlorenen Sätzen verzichtet der deutsche Topspieler fast immer auf taktische Toilettenpausen, und auch die bei vielen Profis übliche Handtuch-Routine nach nahezu jedem Ballwechsel ist nicht sein Stil. Selbst das sorgfältige Aussuchen der Aufschlagbälle, für viele Spieler ein festes Ritual, kann er nur bedingt nachvollziehen.
Mit einem Lächeln meinte der Weltranglistendritte, Novak Djokovic und Rafael Nadal könnten ihm womöglich ein paar Geheimnisse über Tennisbälle verraten. Für ihn fühlten sich die Bälle jedoch alle gleich an. Sein eigenes Service-Ritual sei entsprechend schlicht: Er nehme einfach den ersten Ball, schlage so hart wie möglich auf und versuche, den Punkt zu gewinnen.
19 Asse bei souveränem Erfolg
Genauso lief es auch in der zweiten Runde der French Open. Beim klaren 6:4, 6:2, 6:2 gegen Tomas Machac servierte Zverev 19 Asse und feierte seinen 550. Sieg auf der Tour. Sein Aufschlag war erneut ein entscheidender Faktor. Gegen den Tschechen, der im Verlauf der Partie körperliche Probleme bekam, ließ Zverev kein einziges Break zu.
Neuer Ansatz im Spiel
Der Aufschlag gehört schon lange zu den größten Stärken des fast zwei Meter großen Hamburgers. Doch mit Blick auf die anhaltende Dominanz von Jannik Sinner und auf den verletzten Carlos Alcaraz habe er erkannt, dass er sein Spiel weiterentwickeln müsse. Zverev will offensiver auftreten und mehr Varianten einbauen. In Paris war das bei seinen ersten beiden Auftritten, die er jeweils ohne Satzverlust gewann, bereits deutlich zu sehen.

Boris Becker lobte bei Eurosport vor allem das verbesserte Returnspiel. Aus seiner Sicht ist genau das ein entscheidender Punkt. Besonders beim zweiten Aufschlag des Gegners positioniert sich Zverev inzwischen oft näher an der Grundlinie. Dadurch kann er früher und druckvoller retournieren und sich schneller die Kontrolle über den Ballwechsel sichern. Gerade gegen absolute Spitzenspieler dürfte das wichtig werden.
Zverev selbst zeigte sich zufrieden und sagte, dass es bislang gut funktioniere. Wie sich der neue Ansatz in den kommenden Tagen bewähre, werde man sehen.
Becker begeistert von „Zverev 2.0“
In Runde drei trifft die deutsche Nummer eins nun auf den Franzosen Quentin Halys. Auf dem Papier ist das eine lösbare Aufgabe, bei der Zverev sein leicht verändertes Spiel weiter schärfen kann.
Becker gefällt diese neue Version des Deutschen ausgesprochen gut. Er hob vor allem die größere Kreativität, den Einsatz von Stopps und die insgesamt mutigere Spielweise hervor. Für ihn ist Zverev derzeit so stark wie nie. Dabei hatte Becker in der Vergangenheit immer wieder kritisch angemerkt, dass ihm bei Zverev die Entwicklung fehle. Inzwischen klingt das ganz anders: Der frühere Wimbledon-Sieger sieht aktuell kaum etwas, das er beanstanden würde, und spricht davon, dass alles nach Plan laufe.
Große Chance in Paris
Das Ziel ist klar: Zverev will bei den French Open seinen ersten Grand-Slam-Titel holen. Durch das Fehlen von Alcaraz erscheint die Ausgangslage günstiger als sonst. Dafür braucht er aber nicht nur einen verlässlichen Aufschlag, sondern auch Mut, Spielideen und Selbstvertrauen – und zwar nicht nur gegen Außenseiter.
Wie stark Zverev gegen niedriger eingestufte Gegner in Paris meist auftritt, zeigt auch die Statistik: Seit 2018 steht er bei den French Open gegen Spieler außerhalb der Top Ten bei 36 Siegen und nur einer Niederlage. Ausgerechnet diese einzige Pleite setzte es vor sechs Jahren gegen einen damals noch wenig beachteten Italiener namens Jannik Sinner.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion