Liebmann holt EM-Gold mit Europarekord
Johannes Liebmann hat sich bei den Europameisterschaften Gold über 800 Meter Freistil gesichert. Der 19-Jährige gewann in seinem ersten Langbahn-EM-Finale in 7:37,59 Minuten vor seinem deutschen Teamkollegen Sven Schwarz und dem Ungarn Zalan Sarkany. Mit seiner Zeit verbesserte Liebmann zugleich seinen eigenen Europarekord.
Nach dem Anschlag kannte der Jubel keine Grenzen: Liebmann schwang sich euphorisch auf die Trennleine und schrie seine Freude heraus. Schwarz setzte sich direkt hinter ihn, feierte mit und stieß den neuen Europameister anschließend jubelnd ins Wasser.
„Mit der Goldmedaille habe ich geliebäugelt. Es ist unglaublich, was im letzten Jahr passiert ist“, sagte Liebmann. Vor dem Rennen habe es noch eine Taktikbesprechung mit seinem nicht anwesenden Trainer Bernd Berkhahn gegeben. „Je schneller man vorn angeht, umso größer sind die Chancen hinten heraus“, erklärte der Start-Ziel-Sieger.
Auch Silbergewinner Schwarz zeigte sich beeindruckt: „Man konnte ihn nicht schlagen, da war er einfach zu stark.“ Für den 24-Jährigen aus Hannover ist es ebenfalls die erste Medaille bei einer Europameisterschaft auf der Langbahn.
Liebmann hatte bereits in den Vorläufen die schnellste Zeit hingelegt. Im Finale entwickelte sich zunächst ein enger Dreikampf, ehe der Deutsche nach rund 550 Metern entscheidend anzog und der Konkurrenz keine Chance mehr ließ. Auf Schwarz nahm er am Ende deutliche 3,57 Sekunden ab.
Im April hatte Liebmann mit 7:37,94 Minuten bereits international für Aufsehen gesorgt. Nun rückte er im Centre Aquatique Olympique von Paris endgültig ins Rampenlicht.
Mit 16 Jahren war Liebmann aus Elmshorn nach Magdeburg gewechselt. Dort trainiert er bei Bundestrainer Bernd Berkhahn in einer der wohl stärksten Langstrecken-Gruppen der Welt. Zu seinen Trainingspartnern zählen unter anderem 400-Meter-Weltrekordler Lukas Märtens und Freiwasser-Olympiasieger Florian Wellbrock.
„Das ist schon cool, mit mehreren Olympiasiegern zu trainieren. Sie sind Vorbilder und gleichzeitig meine Freunde“, sagte Liebmann. „Ich kann sie alles fragen. Das hilft mir sehr. Sie haben Erfahrungen, die ich noch nicht gemacht habe.“ Die Erfahrung als Europameister hat er nun selbst gesammelt.
Schwarz trainiert anders als Liebmann nicht in Magdeburg, sondern in Hannover bei Coach Emil Guliyev. Der Vizeweltmeister über 800 und 1500 Meter Freistil aus dem vergangenen Sommer untermauerte mit seinem Auftritt in Paris erneut seine Klasse.
Weitere Medaillenchancen für Liebmann und Schwarz
Auch über 1500 Meter zählen Liebmann und Schwarz zu den Medaillenkandidaten. Liebmann führt über die längste Beckendistanz derzeit sogar die Weltjahresbestenliste an. Die Vorläufe stehen am Freitag an.
Sjöström holt van Almsick ein
Angelina Köhler verpasste dagegen eine Medaille. Die 25 Jahre alte Schmetterlingsschwimmerin belegte über 50 Meter auf ihrer Nebenstrecke den sechsten Platz. Gold ging an die Schwedin Sarah Sjöström.
Die 32-Jährige, die erst vor knapp einem Jahr Mutter geworden war, gewann damit ihren 18. EM-Titel und zog mit der deutschen Schwimm-Ikone Franziska van Almsick gleich. Keine Schwimmerin hat bei Europameisterschaften mehr Goldmedaillen gewonnen.
Für ein internationales Glanzlicht sorgte außerdem die Italienerin Sara Curtis: Sie stellte im Halbfinale über 50 Meter Rücken in 26,63 Sekunden einen Weltrekord auf.
Anna Elendt kam über 100 Meter Brust nicht über Rang sieben hinaus. Übermäßig enttäuscht zeigte sich die Weltmeisterin aber nicht. Mit Blick auf Olympia 2028 sieht sie diese Saison als Trainingsjahr. „Morgen geht’s direkt weiter. Deshalb jetzt wirklich direkt damit abschließen und weiter nach vorne gucken“, sagte die 24-Jährige vor ihrem nächsten Start über die doppelte Distanz.
Grund zur Vorfreude haben Linda Roth, Kaii Liam Winkler und Lucas Matzerath. Roth zog als Viertschnellste ins Finale über 200 Meter Freistil ein, Winkler erreichte als Fünfter den Endlauf über 100 Meter Schmetterling. Matzerath qualifizierte sich als Achter gerade noch für das Finale über 200 Meter Brust. Die Abendsession beginnt um 18.30 Uhr.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber