Studie: Geburtenzahl in Deutschland auf historischem Tief
In Deutschland sind im vergangenen Jahr so wenige Kinder geboren worden wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln ist zudem keine schnelle Trendwende zu erwarten. Ein wesentlicher Grund dafür ist der demografische Wandel: Bis 2035 dürfte die Zahl der Frauen im Alter von 25 bis 39 Jahren in Deutschland um etwa zehn Prozent sinken. Damit wird auch die Zahl der potenziellen Eltern kleiner.
2025 wurden bundesweit nur noch rund 654.000 Kinder geboren. Das sind etwa elf Prozent weniger als noch zehn Jahre zuvor. Besonders stark fiel der Rückgang in den ostdeutschen Flächenländern aus. Dort sank die Zahl der Geburten im Vergleichszeitraum um rund ein Drittel, bei Müttern mit deutschem Pass sogar um mehr als 40 Prozent. In Westdeutschland war das Minus mit sechs bis acht Prozent deutlich geringer.
Zwei Gründe bestimmen die Entwicklung
Der Studie zufolge hängt die Zahl der Geburten im Kern von zwei Aspekten ab: Zum einen davon, wie viele Menschen überhaupt als Eltern infrage kommen, und zum anderen davon, wie oft sie sich tatsächlich für Kinder entscheiden.
Da Frauen ihre Kinder meist zwischen dem 25. und 39. Lebensjahr bekommen, ist die Entwicklung dieser Altersgruppe besonders wichtig. Der IW-Experte Wido Geis-Thöne rechnet auf Grundlage von Bevölkerungsprognosen damit, dass ihre Zahl bis 2035 gegenüber 2025 um 10,2 Prozent zurückgeht. Aus seiner Sicht könnte die Entwicklung sogar noch ungünstiger ausfallen, weil frühere Erwartungen zur Migration vermutlich zu optimistisch waren.
Unterschiedliche Entwicklung in Ost und West
Für Ost- und Westdeutschland erwartet die Studie keine einheitliche Entwicklung. Im Osten dürfte die Zahl junger Frauen zunächst weiter sinken und erst ab etwa 2030 langsam wieder steigen. Im Westen wird hingegen mit einem anhaltenden Rückgang gerechnet, der auch über 2035 hinausreichen könnte.
Hinzu kommt, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt ohnehin vergleichsweise wenige Kinder bekommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag die Geburtenziffer im vergangenen Jahr bei nur noch 1,32 Kindern je Frau – der niedrigste Stand seit rund drei Jahrzehnten.
Geis-Thöne sieht daher die Politik in der Pflicht. Wenn mehr Menschen sich für Kinder entscheiden sollen, müssten die Rahmenbedingungen für Familien verbessert werden. Das gelte besonders auch für die Entscheidung für ein drittes oder weiteres Kind. Vor allem bei Betreuungsangeboten sieht der Familienpolitik-Experte Handlungsbedarf. Zugleich warnt er davor, familienpolitische Leistungen zu kürzen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber