Umfrage: Aktien stoßen in Deutschland auf mehr Interesse als ihr Ruf vermuten lässt
Die Deutschen gelten oft als vorsichtige Sparer mit wenig Begeisterung für Aktien. Eine repräsentative Umfrage des Bundesverbands deutscher Banken zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild: Das Interesse an der Börse und an Wertpapieren ist größer, als das gängige Klischee nahelegt. Für die Erhebung wurden im Sommer knapp 2.200 Menschen befragt.
Demnach halten 65 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer Aktien und andere Wertpapiere für eine gute oder sehr gute Möglichkeit der privaten Altersvorsorge. Besonders positiv fällt das Urteil bei den 16- bis 24-Jährigen aus: In dieser Altersgruppe liegt die Zustimmung bei 77 Prozent. Nach Angaben des Bankenverbands steigt die Offenheit gegenüber Aktien und Fonds, je jünger die Befragten sind. Gerade junge Menschen zeigten zudem die höchste Bereitschaft, bei der Geldanlage Risiken einzugehen.
Auch bei den tatsächlich genutzten Anlageformen spielen Wertpapiere inzwischen eine wichtige Rolle. In der Umfrage landen sie mit 41 Prozent auf Platz zwei hinter Tagesgeld mit 44 Prozent. Bei jungen Erwachsenen stehen Wertpapiere sogar an erster Stelle. Klassische Produkte wie Lebensversicherungen und Bausparverträge sind dagegen vor allem in den mittleren Altersgruppen verbreitet. Die Untersuchung wurde vom Marktforschungsinstitut Infas Quo zwischen Ende Juni und Mitte Juli durchgeführt.
Passend dazu ist auch die Zahl der Anleger in Deutschland deutlich gestiegen. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts besaßen im Jahr 2025 rund 14,1 Millionen Menschen Aktien, Aktienfonds oder ETFs – fast zwei Millionen mehr als im Jahr zuvor.

Verlustängste und fehlendes Wissen bremsen
Trotz der wachsenden Offenheit bleiben Vorbehalte gegenüber Aktien bestehen. Als wichtigste Gründe für Zurückhaltung nennen die Befragten fehlende finanzielle Mittel (29 Prozent), Angst vor Verlusten (21 Prozent) und mangelndes Wissen (18 Prozent). Sicherheit bleibt zudem auch für viele Jüngere das wichtigste Kriterium bei der Geldanlage.
Der Umfrage zufolge ist zudem das Vorurteil widerlegt, junge Menschen interessierten sich kaum für Wirtschafts- und Finanzthemen. Insgesamt geben vier von zehn Befragten an, sich stark oder sehr stark für diese Themen zu interessieren. Weitere 34 Prozent bezeichnen ihr Interesse als eher vorhanden. Zwischen den Generationen zeigen sich dabei nur geringe Unterschiede.
Rund 52 Prozent schätzen ihr Wissen in Geldfragen als gut ein. Beim Thema Börse geben insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene an, sich auszukennen – in dieser Gruppe sagen das 45 Prozent.
Allerdings befassen sich gerade junge Menschen oft nicht regelmäßig mit ihren Finanzen. Erst ab 40 Jahren wird eine kontinuierliche Finanzplanung häufiger. Unter Seniorinnen und Senioren kümmern sich 45 Prozent regelmäßig darum, bei den 16- bis 24-Jährigen sind es nur 24 Prozent.
Altersvorsorge wird häufig vertagt
Besonders beim Thema Altersvorsorge zeigt sich laut Bankenverband eine ausgeprägte Aufschieberitis. So haben sich 64 Prozent der jungen Menschen und sogar 27 Prozent der noch berufstätigen über 60-Jährigen bisher keine ernsthaften Gedanken dazu gemacht.
Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, warnt davor, die Vorsorge immer weiter nach hinten zu schieben. Altersvorsorge werde von vielen als Thema für später betrachtet – dabei könne aus später schnell zu spät werden. Wer sich erst spät mit seinen Finanzen auseinandersetze, verliere wertvolle Zeit und damit auch Vermögenschancen. Das geplante Altersvorsorgedepot könne nach seiner Einschätzung helfen, mehr Menschen an den Kapitalmarkt heranzuführen und den langfristigen Vermögensaufbau zu stärken.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber