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Warum manche Menschen Grusel einfach lieben

Warum lieben manche den Horror-Kick – und andere halten ihn kaum aus? Die überraschende Antwort steckt in unserem Kopf.

31.10.2026, 04:00 Uhr

Die Nächte werden länger, die Temperaturen sinken und rund um Halloween wächst bei vielen die Lust auf Gänsehaut. Während sich manche liebend gern mit einem Horrorfilm auf dem Sofa erschrecken lassen, können andere damit kaum etwas anfangen. Weshalb empfinden Menschen Grusel so unterschiedlich?

Wenn Ungewissheit unheimlich wird

Nach Einschätzung des Verhaltensforschers Marc Malmdorf Andersen von der Universität Aarhus entsteht Unbehagen oft dann, wenn eine Situation weder klar sicher noch eindeutig bedrohlich wirkt. Unheimlichkeit sei dieses diffuse Gefühl, dass etwas nicht stimmt, obwohl es keine offensichtlichen Anzeichen dafür gibt. Es bewege sich gewissermaßen in einem Zwischenbereich von Gefahr und Entwarnung.

Wie intensiv Menschen darauf reagieren, ist laut Andersen sehr verschieden. Jeder habe so etwas wie ein persönliches ideales Maß an Angst. Für einige reicht schon ein spannender Thriller, andere suchen deutlich heftigere Reize.

Auch der Umgang mit Mehrdeutigkeit scheint eine Rolle zu spielen. Eine 2024 im Journal of Psychology veröffentlichte US-Studie kam zu dem Ergebnis, dass manche Probanden uneindeutige Bilder als noch unheimlicher, irritierender und belastender einstuften als Motive, die von Anfang an klar gruselig wirkten.

Dazu kommt Gewöhnung. Wer regelmäßig Horrorfilme schaut, reagiert oft weniger empfindlich und kann besser einschätzen, was als Nächstes passiert – sowohl auf der Leinwand als auch im eigenen Körper. Herzrasen oder Anspannung kommen dann weniger überraschend. Andersen vergleicht das mit scharfem Essen: Wer häufig Chili isst, gewöhnt sich nach und nach an die Schärfe und verträgt immer mehr.

Geisterbahn
Jeder Mensch hat seinen eigenen optimalen Grad an Angst. (Archivbild) Quelle: Marcus Brandt/dpa

Vermeidung kann die Angst verstärken

Wer Grusel meidet, hat es oft schwerer, eigene Erwartungen zu überprüfen. Wenn jemand überzeugt ist, eine Geisterbahn oder einen Horrorfilm nicht auszuhalten, wird die Erfahrung häufig ganz vermieden. Dadurch fehlt die Möglichkeit zu erleben, dass die Situation vielleicht doch weniger schlimm ist als befürchtet.

In Untersuchungen von Andersens Forschungsteam zeigte sich etwa, dass viele Menschen vor einem Besuch in einer Geisterbahn ihre spätere Angst überschätzten. Gleichzeitig unterschätzten sie, wie unterhaltsam das Erlebnis für sie sein könnte. Erst die tatsächliche Erfahrung kann solche Erwartungen verändern.

Drei Arten von Horrorfans

Andersen und sein Kollege Mathias Clasen beschrieben 2022 im Journal of Media Psychology auf Grundlage einer Studie mit Horror-Fans aus den USA und Dänemark drei grundlegende Gruppen:

  • Adrenalin-Fans: Sie genießen den Schreckmoment und fühlen sich danach sogar besser.
  • „White Knucklers“: Für sie ist die Angst eher unangenehm, dennoch suchen sie bewusst die Herausforderung und erleben daran persönliches Wachstum.
  • „Dark Copers“: Sie verbinden beide Seiten – sie profitieren von der besseren Stimmung nach dem Grusel und haben zugleich das Gefühl, dabei etwas über sich selbst zu lernen.

Warum wir freiwillig Angst suchen

Andersen sieht in Neugier und Lernbereitschaft wichtige Gründe für die Lust am Gruseln. Wer sich absichtlich einer unheimlichen Situation aussetzt, beschäftigt sich mit Unsicherheit und kann dabei Erfahrungen sammeln. Auch die körperliche Anspannung selbst kann reizvoll sein – vor allem dann, wenn klar ist, dass eigentlich keine echte Gefahr besteht, etwa beim Filmabend zu Hause.

Beim Horror treffen nach Andersens Ansicht Angst und Vergnügen gleichzeitig aufeinander. Gerade nach einer besonders spannenden Szene werde die anschließende Erleichterung oft als intensiv erlebt. Gruselfilme und ähnliche Erlebnisse seien deshalb womöglich nicht bloß eine Form der Ablenkung, sondern auch eine kontrollierte Möglichkeit, mit Unsicherheit und belastenden Gefühlen umzugehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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