Alexander Meinings historischer Kriminalroman „Narzissen am Galgenberg“ zeichnet ein eindringliches Bild der Gedankenwelt und der existenziellen Not der Menschen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Anfang 1946 ist die Stimmung in Würzburg von Anspannung geprägt.
Hunger, zerstörte Häuser und eine trostlose Zukunft bestimmen den Alltag in dem verwüsteten Land. Als mehrere junge Frauen ermordet werden, wächst der Druck auf die amerikanische Besatzungsmacht, die um Stabilität und Ordnung bemüht ist.
Der Chef der US-Militärpolizei, Colonel John Schmidt, arbeitet deshalb mit den deutschen Behörden zusammen. Unterstützung erhält er von Inspektor Gerhard Mehling, der als unbelastet gilt, weil er nie der NSDAP angehörte. Bei ihren Nachforschungen stoßen sie darauf, dass die Opfer miteinander bekannt waren. Zudem finden sich bei den Leichen ausgerechnet Narzissen. Alles deutet auf einen Serienmörder hin, und die Zeit drängt, weil die Unruhe in der Bevölkerung zunimmt.
Der Roman macht zugleich deutlich, dass es neben vernünftigen und selbstkritischen Stimmen auch jene gibt, die sich weiterhin als bloße Opfer sehen und jede eigene Verantwortung von sich weisen. Gerade vor diesem Hintergrund wirkt die Geschichte überzeugend und so realistisch, dass sie sich tatsächlich genau so zugetragen haben könnte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber