Fußball

WM-Schock! Kap Verde düpiert Uruguay

Kap Verde schockt weiter die WM: Nach dem Coup gegen Uruguay träumt der Mini-Staat jetzt sogar sensationell vom Achtelfinale.

22.06.2026, 02:05 Uhr

Kap Verde setzt sein WM-Märchen fort

Kap Verde bleibt bei seiner ersten Weltmeisterschaft weiter auf Überraschungskurs. Nur wenige Tage nach dem viel beachteten 0:0 gegen Europameister Spanien rang der kleine Inselstaat auch Uruguay ein 2:2 (1:2) ab. Damit hat der Außenseiter am Samstag gegen Schlusslicht Saudi-Arabien sogar die große Chance, den Einzug in die K.-o.-Phase perfekt zu machen.

Vor 64.003 Zuschauern in Miami schrieb Kevin Pina Geschichte. Der Defensivspieler erzielte in der 29. Minute mit einem direkt verwandelten Freistoß aus knapp 30 Metern das erste WM-Tor überhaupt für Kap Verde.

Der historische Treffer bekam danach noch eine besonders emotionale Note. Während auf dem Platz alle Teamkollegen und Betreuer im Jubel versanken, unterbrach Pina seinen Jubel nach eigenen Angaben kurz, um auf der Tribüne nach seiner Tochter zu suchen. Später fasste er seine Gefühle in einem Wort zusammen: "Stolz."

Uruguay dreht das Spiel – Kap Verde antwortet

Kurz vor dem Seitenwechsel drehte Uruguay die Partie jedoch innerhalb weniger Minuten. Zunächst traf Maxi Araujo in der 44. Minute zum Ausgleich, dann legte Agustin Canobbio in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit (45.+6) das 2:1 nach. Dennoch blieb der zweimalige Weltmeister über weite Strecken ideenlos und enttäuschte erneut.

Kap Verde gab sich aber nicht auf und zeigte wieder große Moral. Der erst kurz zuvor eingewechselte Helio Varela profitierte in der 61. Minute von einer chaotischen Szene in der uruguayischen Defensive. Zuerst spielte Mathias Olivera seinem Gegner ohne Bedrängnis den Ball direkt vor die Füße, anschließend kam auch Torhüter Fernando Muslera unnötig weit aus seinem Kasten. Varela nutzte dieses seltene Geschenk konsequent zum 2:2.

Nach dem Seitenwechsel machte Uruguay den Fehler, sich zu sehr auf die Verwaltung der knappen Führung zu konzentrieren. Das hielt Kap Verde im Rennen – und führte schließlich zum verdienten Ausgleich.

Vozinhas Mutter diesmal live dabei

Etwa 25.000 uruguayische Fans sorgten im Stadion für nahezu Heimspielstimmung für den Weltmeister von 1930 und 1950. International lagen die Sympathien jedoch oft wieder beim WM-Neuling aus Kap Verde.

Besonders die Geschichte um den 40 Jahre alten Torhüter Vozinha bewegt viele Fußballfans. Nachdem seine Mutter wegen Visa-Problemen zuletzt noch gefehlt hatte, konnte Ana Candida Evora diesmal im Stadion dabei sein und ihren Sohn von der Tribüne aus unterstützen. Schon vor dem Spiel hatte sie der Mannschaft in einer Videobotschaft Mut zugesprochen.

Anders als beim Duell mit Spanien stand Vozinha diesmal nur selten im Mittelpunkt. Seine wichtigste Szene hatte er in der 70. Minute: Nach einer Ecke lenkte er den Ball an den Pfosten, Araujo drückte den Abpraller zwar über die Linie, doch nach Eingreifen des VAR zählte der Treffer wegen Abseits nicht. Auf der Tribüne litt und jubelte seine Mutter bei jeder Szene mit.

Bubista fordert Mut statt Außenseiterdenken

Dass Kap Verde weiter vom Achtelfinale träumen darf, ist auch ein Verdienst von Trainer Bubista. Der 56-Jährige, der mit vollem Namen Pedro Leitão Brito heißt, betreut die Mannschaft seit sechs Jahren und hat ihr Struktur, Selbstvertrauen und einen klaren Stil gegeben.

Auffällig ist dabei: Bubista redet nie wie ein Trainer eines krassen Außenseiters. Trotz prominenter Gegner wie Profis von Real Madrid oder dem SSC Neapel fordert er von seinem Team Mut und ein Auftreten auf Augenhöhe.

"Seit dem Beginn des Turniers sage ich: Wir wollen auf dem höchstmöglichen Level mithalten", sagte der Trainer. Nach dem Remis gegen Uruguay bekräftigte er, dass nun der zweite Traum folgen solle: die Qualifikation für die K.-o.-Runde.

Spieler aus aller Welt – ein Team mit klarer Idee

Kap Verdes Kader zeigt, wie breit Bubista nach Spielern mit kapverdischen Wurzeln gesucht hat. In dieser Mannschaft stehen nicht nur Profis aus kleineren Ligen wie Irland, Finnland oder der zweiten portugiesischen Liga, sondern auch Fußballer mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen.

Ein Beispiel dafür ist Roberto Lopes, der in Dublin geboren wurde und für die Shamrock Rovers spielt. Nach dem Spiel sprach er von einer "verrückten Geschichte" und davon, dass er sich so einen WM-Verlauf kaum hätte vorstellen können.

Gerade diese Mischung aus klarer Organisation, großem Glauben und emotionaler Wucht macht Kap Verde bei diesem Turnier zu einer der spannendsten Geschichten.

Uruguay lässt zu viel liegen

In einer hektischen Schlussphase drängte Uruguay noch einmal auf den Sieg, ließ aber mehrere gute Möglichkeiten ungenutzt. Ein Abschluss von Brian Rodriguez wurde in der 86. Minute geblockt, ein Freistoß von Fede Valverde strich in der 90. Minute knapp über das Tor und Canobbio vergab in der Nachspielzeit bei einem Konter ebenfalls.

So blieb es beim 2:2 – und damit bei einem weiteren bemerkenswerten Abend für Kap Verde. Mit einem Sieg gegen Saudi-Arabien am Samstag (02.00 Uhr) wäre die Sensation perfekt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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